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BOSSA NOVA: LESEN, HÖREN, FÜHLEN

BOSSA NOVA: LESEN, HÖREN, FÜHLEN

Die fruchtbarste und wohl bekannteste Kooperation Getz/Gilberto aus dem Jahre 1964 muss man heute als epochales Werk einordnen – nicht nur weil „The Girl from Ipanema“ bis heute als ein Synonym für die glücklichsten Stunden der brasilianischen Musik gesehen werden müssen. Soweit der populäre Aspekt – jedoch ist Bossa Nova viel mehr und, auch wenn es die Musik nicht gleich ausdrückt, revolutionäre Musik. Nach dem 1964 das Militär die Regierung um Präsident João Goulart wurde ein große künstlerische Zensur eingerichtet. Der Bossa Nova wurde in dieser Zeit mit seiner zweideutigen Lyrik zu geheimen Waffe der Bevölkerung kritische und Mut machende Texte zu verbreiten.

In 20 Jahren Militärdiktatur entwickelte sich der Bossa Nova von einem anfangs hippen Groove für frisch installierte Mittelschicht eines zur urbanen Gesellschaft auf gestiegenen Brasilien zu einer komplett neuen Bewegung die sich gegen die Unterdrückung wehrte. „Bossa Nova and the Rise of Brazilian Music“ dokumentiert sehr detailliert die Entwicklung, Ereignisse und Hintergründe in Brasilien zu dieser Zeit. Auf zwei CDs oder zwei Vinyl bekommt einen kompakte Einführung in diese Thematik. Das 100-seitige Booklet ergänzt die Musik mit ausführlichen Linernotes, Hintergrundgeschichten und Impressionen durch Fotos und Plakate und erklärt sehr kompetent die gesellschaftliche und musikhistorische Relevanz aus der Zeit des kulturellen und sozialen Umbruchs in einem der wichtigsten Schwellenländer der heutigen Zeit – in dem, das darf man nicht vergessen, Musik für die Menschen immer eine große Bedeutung hatte und Teil des Ausdrucks ihrer Lebensfreude und Qualität ist.

Bereits 2005 hat sich das Label mit der Thematik befasst und eine Compilation mit ausführlichem Texten im Booklet namens „Tropicalia“ veröffentlicht – die ergänzt zu dieser Einführung als Vertiefung gesehen werden darf.

Nicht nur die Musik sondern die gesamte Kunst des Bossa Nova wird hier gehuldigt. Neben dem Sound von den Gilbertos, Jorge Ben, Edu Lobo, Elis Regina, Sergio Mendes, Tom Jobim, Vincius de Moreaes oder Baden Powell gibt es, wie zu den Themen „Revolutionary Jazz“ & „The rise of Jamacian Dancehall“, ein hochwertiges Hardback-Buch gleichen Namens das sich tiefgehend mit dem Design und der Plattencoverkunst der 1960er des Bossa Nova beschäftigt. Zusammengestellt wurde das Buch vom bekannten Expertenteam Peterson/Baker, das bereits mit der Ansammlung von Jazzplattencovern überzeugte. Souljazz Records – lal wieder: sehr gelungen und sehr umfangreich.

Peter Hagen

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