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Happy Birthday: Blue Note wird 70

Happy Birthday: Blue Note wird 70

Die „Blue Note“- Gründer Alfred Lion & Frank Wolff hatten eine Vision, von der sie niemals abgeweicht sind. Schaut man ein wenig auf die Sozialisation der beiden Gründer des legendären Blue Note Plattenlabels erkennt man den Mut und die Willenskraft hinter der Idee für eine Plattform von „modern jazz“ etwas mehr. Lion und Wolff gehören der jüdischen Glaubensrichtung an und flohen vor dem nahenden faschistischen Hitler-Regime in den Dreizigern aus Berlin in die USA. Diese Entscheidung rettete ihnen nicht nur das Leben, sondern veränderte die Musikwelt und vor allem den Jazz. Besonders Lion war seit den 20er Jahren regelmäßig in New York gewesen, weil förmlich süchtig nach der Musik war, die mit Boogie Woogie und Swing einen immensen Einfluss auf ihn und seinen späteren Partner hatten. Später folgende Varianten von Latin, Free Jazz oder Bossa Nova dokumentierten, dass diese Faszination nie erlisch. 1939, in dem Jahr als Hitler mit dem Polen-Überfall den Beginn des II. Weltkrieges auslöste, gründeten die beiden Musikbegeistern ihr Label mit dem Dogma, dass es eigentlich keines gibt. Lion betonte immer wieder, dass der Respekt vor dem Kunstwerk der Musik im Vordergrund stand – und nicht, wie zu der Zeit üblich, das Machen von schnellem Geld mit hipper Musik.

Der Berliner Jugendfreund Frank Wolff war gelernter Fotograf und stieß kurz vor Kriegsbeginn, auf den letzten Drücker, nach New York und stieg sofort als Session-Knipser bei Blue Note ein.

In den 40ern und 50er Jahren machte das Label die Big Points mit den Aufnahmen für Freejazz-Akrobaten wie Thelonious Monk oder Sonny Rollins eine fast schon spirituelle Art des Spielens weltbekannt. Die musikalischen Innovationen der Ausnahmekünstler Horace Silver oder Art Blakey bedeuteten für das Label dann ab Mitter der 50er einen massiven Erfolgsschub indem aus dem Be-Bop der Hard-Bop-Stil entstand. Gospel, Blues und funky Elemente nährten die neue musikalische Ära. Die 60er waren geprägt von einer Welle an Souljazz-Werken aus den Federn junger, kreativer Nachwuchskünstlern wie Donald Byrd oder Freddie Hubbard. Parallel dazu liefen die markanten Bemühungen der Avantgarde (Don Cherry, Orenette Coleman) den Jazz wieder etwas freier zu interpretieren. Miles Davis und John Coltrane lieferten in dieser Zeit prägende Jazzmeisterwerke ab.

Die Bürgerrechtsbewegung der revolutionären 60er Jahren brachten auch den Funk ins Blue Note-Boot. Für viele Jazz-Puristen sind das die uninspirierten Jahre des Labels überhaupt – für andere entstanden hier die großartigsten Fusion & Funk-Werke. Cannonball Adderley, Larry Mizell, Jimmy McGriff,  Lou Donaldson u.v.m.  Überhaupt galt es als ein Bruch mit der Tradition des Labels als man es an Liberty 1963 verkaufte. Ab da öffnete sich der Sound mehreren kommerzielleren Spielarten mit Rock, Funk bis hin zu Disco. Mit Liberty kam Blue Note dann unter das Dach von EMI und veröffentlicht dort nicht nur seit 1975 den gesamten Backkatalog, sondern auch wieder als Label neue Musik, die kontinuierlich Jazz und Affines veröffentlicht. Der Sound der 40er und 50er Jahre steht für viele Jazzfans weltweit für die große Zeit des Labels.

Nun wird Blue Note 70 Jahre alt und hat seit je her nicht aufgehört versucht Musik zu veröffentlichen, die Jazz weiter lebendig erscheinen lässt und den unzähligen Variationen eine Plattform bietet. Das dokumentiert diese Jubiläums-Compilation.
Dieser Sampler versucht das Unmögliche. Er versucht einen Überblick, respektiv Einblick, in die Historie des größten Jazzlabels der Welt zu geben. Auf drei CDs wird die Geschichte des Jazz-Imprints erzählt. Mit all seinen Epochen und Ausnahmekünstlern geballt gefüllt, geben die 40 Tracks eine wunderbaren Überblick von der Gründung bis hinzu aktuellem Output wie Norah Jones, Terence Blanchard oder Cassandra Wilson. Vergessen werden dabei „kommerzielle“ Hits von Künstlern und Projekten wie US3, Herbie Hancock oder St.Germain nicht.

Es ist schon imponierend, was dieser, im Prinzip winzige, Ausschnitt aus dem riesigen Katalog von Blue Note darbietet. Für Einsteiger genial gemacht. Für Fans ein Geschenk zum 70. Geburtstag.
 
Peter Hagen
 
Gewinnspiel:
In Zusammenarbeit mit EMI & Blue Note Records verlosen wir drei dieser 3-CD-Boxen. Schreibt eine Mail an redaktion@1beat.de mit der Antwort auf folgende Frage:
Wer war der letzte Grammy-Gewinner aus dem Hause Blue Note?

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