07.04: INTERVIEW: CHRISTIAN PROMMER (DRUMLESSON)
Clubklassiker verjazzt: „Es bleibt spannend“
Interview & Text: Peter Hagen
Mit Freiburg und vor allem Rainer Trüby’s legendärer Veranstaltungsreihe „Root Down“ ist Christian Prommer auf eine ganz spezielle Art verbunden. Der Münchner Produzent, Musiker und DJ liebt es die Grenzen zwischen den verschiedenen Genres auszuloten und zu fusionieren – dafür stand Root Down schon immer. Mit seiner Band Drumlesson entwarf er einen international gefeierten Entwurf auf dem er Clubklassiker der letzten 20 Jahre aus dem Bereich House und Techno verjazzt interpretiert. Einladungen und gefeierte Auftritt bei international renommierten Festivals wie das North Sea Jazz, Electric Picnic oder Big Chill folgten. Wir sprachen mit dem Multitalend über Inspirationsquellen, Schnittmengen und vor allem über Musik.
1. Du hast mit deinem aktuellen Projekt „Drum Lesson“ Clubklassiker aus den Segmenten Electro, House und Techno von Kraftwerk über Ame oder DJ Gregory verjazzt. Wie kam es zu dieser Idee?
Ich habe die beiden Welten, Jazz und Elektronische Tanzmusik; immer als sehr eng beieinander liegend empfunden. In meine Dj Sets fanden sich oft Jazz Trio Stücke neben Detroit-Techno wieder. Da kam mir die Idee den Crossover zu versuchen. Anfangs nur zu eigenen Forschungszwecken im heimischen Labor, dann hat sich das Ganze auf Albumlänge ausgebreitet. Es war ein tolles Projekt, da ich meine Lieblingsstücke aus zwei Jahrzehnten Dance-Music mit einem tollen Ensemble bearbeiten konnte und den Songs eine neue Dimension abgewinnen konnte. Und ich bin auch schon an der nächsten Ausgabe dran.
2. Liegen dir moderne Jazz-Variationen näher als aktuelle Club-Strömungen?
Nicht wirklich. Meine Jazz-Referenz liegt doch in den Tagen der Pioniere. Im Club ist alles noch ein bisschen offener. Hier wie dort sind immer noch einige Experimente möglich.
3. Du legst schon seit vielen Jahren auf. Was kann man an einem Abend mit dir als DJ erwarten? Wird es ein Freistil-Abend zwischen NuJazz, Drum’n’Bass und House und auch alten Scheiben geben?
Man weiß nie genau wo die Reise hingeht. Aber wichtig für einen gelungenen Abend ist, dass man das Publikum an der Hand nimmt und auf eine gemeinsame Reise geht. Das kann dann schon in alten Vinyl-Schmankerln enden. Das passiert zum Beispiel immer wenn ich bei Root Down in Freiburg bin. Da macht das super Publikum immer alles mit. Jazz, Latin, House, Techno – „Eklektisch“ ist das Zauberwort.
4. Mit Rainer Trüby verbindet dich ja das gemeinsame Projekt Trüby Trio. Man hat lange nichts davon gehört. Wird man bald wieder etwas von Euch hören können? Ihr habt Euch international einen hervorragenden Ruf mit Euren Fusionen von Brazil, Latin, Jazz und zeitgenössischen Clubströmungen erarbeitet…
Ja, das war schon eine tolle Zeit. Wir habe einiges erreicht, aber nach so vielen Jahren machen wir gerade eine Pause. Im Moment ist nichts geplant. Aber man weiss ja nicht was die Zukunft bringt.
5. Mitte / Ende der 90er Jahre waren genau diese Fusion unter unterschiedlichsten Namen wie Future Jazz, Downbeat oder NuJazz sehr beliebt. Mit deinem ehemaligen Projekt Fauna Flash warst du maßgeblich an dieser „Phase“ beteiligt. Was ist heute noch davon übrig? Gibt es noch diese Schnittstellen zwischen Jazz & Electronica?
Oh ja. Gerade jetzt finden sich die Jazz-Referenzen im House und Techno wieder. Es jedoch alles minimalistischer geworden. Es gibt immer noch mutige Dancefloor-Versionen von Take Five und Free-Jazz-artige Rave-Tracks. Es ist gerade mal wieder eine sehr spannende Phase. Für mich natürlich sehr interessant, da mein Projekt Drumlesson gerade an dieser Schnittstelle stattfindet. Produzenten wie Carl Craig oder Henrik Schwarz sind da sehr gute Bespiele wie die zwei Welten zusammenkommen.
6. Mit Peter Kruder des legendären Wiener Duos Kruder & Dorfmeister betreibst du auch ein Projekt namens Voom:Voom. Eine Remix-LP dazu gibt es im September zu hören. Wo liegt hier der Unterschied zu deinen anderen Projekten?
Bei VoomVoom stand immer das Studio als Instrument und Inspirationsquelle im Vordergrund. So war es nie klar wohin die Reise uns führt. Von Wave über Film-Soundtracks bis zu Country Music war alles als Inspiration erlaubt - solange es eine vierviertel Bassdrum darunter hatte. Auf den aktuellen Remixen von VoomVoom-Stücken kann man das noch mal deutlich hören.
7. Rainer Trüby sagte mal in einem Interview er würde sehr gerne mal mit dem brasilianischen Künstler Marco Valles zusammenarbeiten. Wer steht bei dir ganz oben auf der Wunschliste?
Michael Jackson, aber das wird ja wohl nichts mehr. (grinst)
8. Wie definierst du eine gute, gelungene Clubnight?
Wenn Dj und Clubpublikum eins werden und gemeinsam auf eine Reise gehen.
9. Du kommst gerade vom Sonar Festival in Spanien. Was gibt es neues Spannendes?
Ich habe mit Dj Hell, dessen Album ich ja mitgeschrieben und produziert habe, auf
der ausverkauften Gigoglo Records-Party gespielt .Toller Abend in Barcelona.
Ansonsten gibt es Dubstep an allen Ecken.
10. Du bist auch viel auf Tour und spielst weltweit Gigs. Ist es die Mischung
zwischen DJing und Live mit Band auf der Bühne, die dich inspiriert und
immer weiter treibt Musik zu machen?
Gerade das Reisen und die viele Musik die man dort hört ist sehr inspirierend. Gerade war ich in Singapur und habe den finnischen Dj Todd Treje gehört der sehr schöne Musik gespielt hat. Es gibt noch so viel zu erzählen. Ich denke das ein Teil des Antriebes auch ist, das man immer nur Versuche und Momentaufnahmen veröffentlicht und nie eine finale Aussage macht. Man kann und wird immer noch einen anderen oder besseren Weg suchen.
11. An welche Projekten arbeitest du gerade und was wird man in Zukunft von
dir hören?
Auf Gigolo Records gibt es eine neue Single von mir, erscheint jetzt im Sommer. Ich bin gerade mit einer neuen Club-Maxi mit Dj Hell am schrauben für das Label Buzzin Fly, von Ben Watt ( Everything But the girl). Es kommt ein neues Drumlesson-Album im Herbst. Unter anderen mit Tony Allen (Fela Kuti Band) als Gast. Dazu bastle ich noch an Remixen für die Berliner Jazzanova, den New Yorker Freestyler Nickodemus und weitere Künstler.Ich habe auch ein Album mit der sehr talentierten Sängerin Kim Sanders produziert, das im Herbst erscheint. Es wird auch ein paar neue Jazz orientierte Projekte geben die im Laufe des Jahres erscheinen werden. Es bleibt spannend..
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