Seit Künstler wie Clueso die Popwelt im Sturm erobert haben, weiß man, dass das Publikum mehr als nur Plastikpop aus der Konserve will. Vielerorts schreit man förmlich nach eingängiger Musik mit Tiefgang. Die Tage der inhaltslosen und seelenlosen Veröffentlichungen sind zwar nicht wirklich gezählt, wenn man sich den allgemeinen Chartskontext anschaut - jedoch gibt es immer wieder Musiker die es schaffen mit ihrem Talent und Charisma auf sich aufmerksam zu machen, ohne sich allgemein geltenden Mustern anzubiedern. Einer der zwischen Reggae, Pop und Soul seit einigen Jahren im kreativen Untergrund des Kölner Imprints Root Down Music zwischen den Kollegen Nosliw, Jaqee oder Lee Everton aktiv ist heisst Maxim. Er hat seinen eigenen Stil gefunden und es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man ihn als einen der potentiell heißesten deutschsprachigen Geheimtipp ausruft, der es schaffen kann, mit einfachen Songs die Herzen im Sturm zu erobern. Max Herre und Clueso haben es bereits bewiesen, dass man mit guten Texten, einer Gitarre und dem nötigen Vibe alles erreichen kann, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Genau hier liegt die Stärke des jungen Sängers aus dem Rheinland. Wer den Soul hat, den Reggae in den Knochen und seit über 7 Jahren die Zuhörer staunend und positiv überrascht mit einem Lächeln auf dem Gesicht von Sessions und Konzerten nach Hause schickt, wird unweigerlich auch bald eine breitere Masse erreichen. Was sich auf seinen bisherigen Alben „Maxim“ und „Rückwärts fallen“ angedeutet hat, ist auf den aktuellen EPs „Erstens“ und „Zweitens“ zu einem beachtlichen Paket Musik geworden, auf dem er sich mehr auf seine großen Singer-Songwriter-Qualitäten und das Gespür verlassen hat, einen Vibe entstehen lassen zu können, der soulful und eindringlich ist. Man wird noch viel von diesem Mann hören – aber vorher musste er uns einige Fragen beantworten.
1. Schreibst und komponierst du alle deine Songs selbst?
(lacht) Ach Quatsch, ich komme nur zum Videodreh und mache den Mund auf und zu! Die Texte schreibt ein brandneues Computerprogramm, dass eine Auswahl von poetisch klingenden Wörtern wie Horizont, Ewigkeit, Augenblick, Segel, Herz usw. immer wieder neu kombiniert. Für die Komposition gibt es mittlerweile eine iPhone App. Aber mal Spaß bei Seite. Ich mache das alles selbst.
2. Welche Künstler haben dich am meisten beeinflusst? Du hast in deiner Musik Einflüsse und Tendenzen von klassischen Singer-Songwriter-Stuff, sowie Elemente vom Pop und Reggae…
Am wenigsten kann man sich glaube ich gegen die Einflüsse aus der Kindheit wehren. Die Plattenkiste der Eltern ist so etwas wie eine musikalische DNA. Meine Eltern haben viel Bob Dylan, The Police, Tracy Chapman, The Doors, Pink Floyd, Stevie Wonder aber auch Hannes Wader gehört. Aktuell höre ich gerne Mumford & Sons, The Tallest Man On Earth, José Gonzales oder Angus & Julia Stone. Wenn ich das ganze Singer/Songwriter Geheule nicht mehr aushalte, höre ich Rage Against the Machine bis mir die Trommelfelle platzen.
3. Deutschsprachige Musik ist in vielen Bereichen wieder populär – was ja nicht immer so war. Deutscher HipHop ist mit Sido, Jan Delay oder Bushido sehr beliebt. Daneben sind Gruppen wie Silbermond, Glashaus oder Juli Millionenseller. Künstler wie Xavier Naidoo verkaufen fast soviel wie etablierte Kräfte wie Grönemayer oder Maffay. Das Interesse an hiesigem Reggae steckt immer mehr wenn man da Seeed oder deinen Kollegen Nosliw denkt. Kommt dir das entgegen?
Es kommt ganz darauf an. Wenn die Texte gut sind kommt es mir natürlich entgegen, weil ich sie besser verstehen kann. Schlechte Texte mag ich lieber auf Englisch. Oder andersrum: Ich kann es nicht verstehen warum sich die Deutschen so bereitwillig all die schlechten englischen Lyrics reinziehen. Dass sie sich ebenso bereitwillig schlechte deutsche Texte geben, kann ich noch viel weniger verstehen. Ich werde jeden Morgen mit dem Gedanken an meine Texte wach. Manchmal hocke ich Tage lang vor dem weißen Blatt, weil mir nur Müll einfällt. Andere verkaufen mit ähnlichem Müll. Das ist schon frustrierend. Ob es mir entgegen kommt, dass mehr Menschen Juli hören? Das ist mir komplett egal! Silbermond oder nicht, morgen setze ich mich sowieso wieder an den Schreibtisch.
4. Deine Texte handeln viel von der Liebe und den damit verbundenen Freuden, Hoffnungen und Schmerzen. Wie viel Autobiografisches steckt darin?
„Hat der das wirklich genau so erlebt, oder hat der sich das nur ausgedacht?“ Ich glaube, wenn sich die Leute über genau diese Frage den Kopf zerbrechen, hat ein Künstler alles richtig gemacht, denn das heißt, dass die Geschichten, die er erzählt glaubwürdig aber trotzdem außergewöhnlich genug sind. Es wäre dumm von mir die Frage zu beantworten.
5. Gibt es Künstler mit denen du unbedingt mal arbeiten willst?
Ja, aber die sind leider entweder tot oder unerreichbar.
Text & Interview: Peter Hagen
Maxim feat. Jaqee – “Immer wenn ich Pleite bin” Snippet by Rootdown Records
Maxim Live:
08.04.11 – Berlin, Privat Club – Supportshow: TANNER
10.04.11 – Köln, Studio 672 – Supportshow: TANNER
07.05.11 – Mülheim a.d.R., Ringlokschuppen @ Funkhaus Europa -
Die Party
27.05.11 – Hamburg, Schauspielhaus @ Kampf der Künster Finale
28.05.11 – Flensburg, Cafe Morgenrot
04.06.11 – Ellerdorf, Wilwarin Festival