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MOCHILLA präsentiert: “TIMELESS”

MOCHILLA präsentiert:  "TIMELESS"

Das us-amerikanische Label Mochilla überrascht um ein weiteres Mal mit einem spezifischen Blick und Konzept in Form einer dreifach Homage an einen fast vergessenen Genre-Erfinder, der Schönheit des Bossa Nova und den Detroit-Helden schlechthin.

Was man unter „Ethio Jazz“ versteht hat spätestens letztes Jahr jeder Musikliebhaber einordnen können, als Mulatu Astatke seine musikalisches Lebenswerk komprimierte und unter dem Namen „New York Addis London“ veröffentlichte. Hier konnte man in den Sound eintauchen der traditionelle Klänge aus Äthiopien mit lateinamerikanischen Rhythmen und westliche Soundelemente in der Jazzuniversum verschmelzen ließ. Warum im Titel seiner Anthology er die Ostküstenmetropole der USA und die britische Hauptstadt huldigt liegt daran, dass dies die Orte waren die den jungen Künstler in den 1950ern und 1960ern inspirierten den Ethiojazz zu entwickeln. Trotz Lobpreisungen von affinen Freigeistern wie Will „Quantic“ Holland und DJ Spinna oder Wertschätzungen von Jahrhundertkünstlern wie Miles Davis oder Stevie Wonder, war der „Fusionär“ aus Nordostafrika unverständlicherweise nie mit anderen afrikanischen Barrierenbrechern und Ikonen wie z.B. Fela Kuti gleichgesetzt. Wie funky und zeitlos seine Musik auch noch 40 Jahre später klingt, konnte man auf dem Projekt „Inspiration Information 3“ hören, als sie den Addis-Swing der 60s mit HipHop-Beats in die Modern trieben. Für den Jim Jarmusch-Film „Broken Flower“ hatte der Multiinstrumentalist und Komponist, aus dem Land das früher Abessinien hieß, bereits 2005 beigesteuert und das Comeback seine Verschmelzungstheorie wieder ins Gedächtnis der Musikhörerschaft gebracht. Dieses Jahr erschien sein neues Werk „Ahead“ auf Strut Records und begeisterte nicht nur die Fachpresse weltweit.

Einladungen von den BBC-Radiomachern Gilles Peterson und Karen P. folgte nun wieder ein erhöhtes Interesse an den Klangwelten des „Vaters des Ethiojazz“ und zu Live-Auftritten weltweit. Was den Genius dieses Jahrhundertkünstlers ausmacht und ihn, wenn auch spät, zu der Ehre bringen soll, die ihm gebührt, dokumentiert Eric Coleman, Brian „Plus“ Cross und Andrew Lojero für Mochilla. Das Label, dass schon durch überragende Dokumentationen, Konzertaufnahmen und Portraits wie „Brasilintime“ oder „Soundclash“ seit Jahren überragenden Arbeit macht bleibt sich hier weiterhin treu. Hier berichten sie über Musik, deren Geschichte, deren Kultur, deren vergessene Helden in ihrer Reinform. In heutigen, schnelllebigen Zeit ist es etwas ganz besonderes wie Quantic ein Beat bastelt, der Erfinder es Ethiojazz im hohen Alter sein Lebenswerk auf der Bühne zelebriert, der L.A.-HipHop-Underground sich ein klassisches Live-Battle in unverblümter Rohform liefert oder ein Freigeist wie Madlib in Brasilien Legenden der hiesigen Musik zum jammen hofiert um die Generationen HipHop und die Helden zu vereinen, die in den Jahren der Militärdiktatur über ihren Groove revolutionierten.

Die Filmemacher von Mochilla setzen mit „Timeless“, einer 3-fach DVD, dem allen noch die Krone auf! Auf der ersten DVD bekommt man einen Einblick und das Timeless-Konzert von Mr. Astatke mit O-Tönen des Meisters geliefert. Die zweite DVD zeigt das nächste Konzert der „Timeless“-Reihe, welches 21 Tage später am gleichen Ort stattfand, jedoch einen völlig anderen Kontext wiedergab. Hier performte ein 60-köpfiges Orchester Kompositionen aus der Feder des 2006 verstorbenen und nicht nur in der HipHop-Gemeinde hoch verehrten James Yancey aka J Dilla. Mit der Erlaubnis der „Ma Dukes“, Yanceys Mutter, die die Rechte an den Songs hält, wurde etwas Außergewöhnliches geschaffen, was die Unterstützung von Neosoulkünstlern wie Bilal und Dwele sowie Native Tounges-Brüdern wie Posdnuos und Talib Kweli fand. Hier erscheinen Dilla’s zweifellos zu Lebzeiten zuwenig honorierten Klassiker wie „Stakes is high“ oder „Fall in love“ in einem völlig neuen Gewand. Von den Interpretationen von Tracks wie „Gobstopper“, „Jealousy“ oder „Don’t nobody care about us“ wird man noch lange zehren. Überhaupt nimmt der voluminöse Orchestrasound direkten Bezug auf die von Dilla verbratenen Samples von George Gershwin oder Duke Ellington und vergisst nicht die so typischen Beatstrukturen Dilla’s mit einfließen zulassen, wie grandios das z.B auf „Roc N Pucky“ gelungen ist. Das ist mehr als eine tiefe Verneigung vor dem Beatbastler, der viel zu früh starb. Das Interessante an dieser Konstellation ist die Breite des Sounds, die Fans von klassischer Musik, Jazz und bestimmt auch HipHop ansprechen kann.

Auf der dritten DVD 3 bezieht man sich auf ein einziges Album aus dem Album 1972, welches der brasilianische Musiker Arthur Verocai. Beatdigger, Produzenten und Labelmacher wie MF Doom und Egon von Stones Throw Records kamen persönlich durch um ihre Ehrerbietung zu bringen. Da fragt sich der Laie natürlich was zum Henker ist da los, dass man diesen Komponist und Musiker bisher noch nicht auf dem Schirm hatte, wenn man seine genialen Stücke hört? Verocai hat in den 1960er und 1970er dafür gesorgt, dass südamerikanische, traditionelle Klangwelten auf die die Einflüsse des Westens treffen. Verocai legte brasilianische klassische Melodien des Bossa Nova in Einflüsse von amerikanischer Rock und Jazzmusik und lies in der Tat großes entstehen. In der Dokumentation erzählt er, dass er am meisten überrascht war, dass ein paar verrückte Amis seine Musik nach über 30 Jahren ausgruben und sich als Überfans übten. Ob man die hormongeschwängerte Ansagen von so manchen Experten aus dem Mochilla-Umfeld teilen muss kann man diskutieren – dass man hier eine sehr differenzierten und speziellen Einblick auf einen vergessenen Künstler bekommt, jedoch nicht. Sicherlich gab es progressivere Art- und Zeitgenossen, dass macht die Vorstellung seiner Musik und vor allem der Geschichte dahinter, nicht weniger interessant.

Peter Hagen

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