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Neighbourhood Schwarzwald – Lieb’ diesen Rap

Neighbourhood Schwarzwald - Lieb' diesen Rap

Wo lebt HipHop überhaupt noch in seiner ursprünglichen Form? Gibt es noch die Aktivisten die aus dem Sagen umworbenen Underground die Kultur am Leben halten, die von einer Subkulutur zur größten Popkultur geworden ist?!

Es gibt sie noch. Gerade bei dem so genannten „Deutschrap-Hype“ Mitte der Neunziger waren die Stars von gestern (Massive Töne, Freundeskreis, Advanced Chemistry, F.A.B uvm.) dafür verantwortlich, dass sich Rap in der Muttersprache durchsetzte. Sie alle kamen anfangs ohne einen Majordeal zu ihrem heutigen Status. Viele von ihnen haben damit angefangen, ihre Beats in ihren Kinderzimmern selbst zusammen zu schustern – um eine Plattform für ihre Raps zu haben.

Einer dieser Pioniere ist das Multitalent P-Vers. Der versierte MC & Beatbastler bekam schon in frühen Tagen dicke Respektbekundungen von gestandenen Größen wie die Heidelberger Tony L. & Torch.

(„Wie kann so viel aus so einem kleinen Typen rauskommen“)

Sein bekanntester Track „360 Grad“, aus dem Jahre 1999, stammt aus der Schmiede Boulevard Bou – und machte den jungen MC über die Landesgrenzen Baden-Württembergs bekannt.

Die besagten Aktivisten des heutigen HipHops, was abseits des Aggro-Berlin-Wahnsinns stattfindet, sind in Süddeutschland die Streethop-Clickk. Das selbst produzierte „Mixtape Vol.1“, dass sie in Kooperation mit dem Freiburger DJ Al Kapone aufnahmen – verkauften sie „aus dem Kofferraum her raus“ – in Eigenregie fast 1000 mal. Ein Achtungserfolg? Mit Nichten. Harterarbeitete Anerkennung und leidenschaftliche Hingabe einer Idee, selbst den Weg bestimmen zu wollen.

Die Fäden zieht im Hintergrund Claudio Esposito. Die gute Seele und der Aktivposten des Labels. Kontinuierliche Konzerte & Booking von wahren Szenehelden ( u.a. Afru-Ra, D.I.T.C, Boot Camp Clickk) und DJ-Parties (Funknights, Breakdance & Graffiti Events) zeigen, dass man HipHop auch im Schwarzwald wirklich zelebrieren kann.

Nun also das lang erwartete Soloalbum von P-Vers. Gibt es eigentlich überhaupt Rapper in Deutschland – die das traditionelle Storytelling ( remember Slick Rick & Biggie Smallz) noch regelmäßig betreiben? Der 28jährige MC war schon einige Mal bei Torch & Toni L. auf Tour als Support und ging durch eine gute Schule – was man seinen Texten deutlich anmerkt. Zwar hat der Track „I don’t give a fuck“ inzwischen schon Kultstatus unter den Heads, scheint es so dass P-Vers auf Battletexte großteils verzichtet um sich tiefgründigeren Themen zu widmen – Und das ist der Punkt wo er sich von allen HipHoppern im süddeutschen Raum hervor hebt. Hier spricht jemand über das (Alltags)-Leben.

An seinen Skillz zweifelt nach etlichen Mixtapes niemand mehr. Jedoch Vorsicht – hier findet kein Plastikpop-Rap statt. „Tage des Zorns“ ist lyrisch deep. Und das kann man heute nicht mehr über viele Rapper aus Deutschland behaupten. Themen wie Freundschaft, Liebe, Trauer und Hass zeigen die Flexibilität des jungen Badeners.

Der Tradition verpflichtet – ist der Leitfaden des Ganzen. Deepe East Coast-Beats (“Tage voller Zorn”), soulful Samples (“Wo ich herkomm“), pumpender Elektroboogie (“Spiel den Scheiss”) oder funky Oldschool-Partytracks (“Hey You”). Der Einfluss von den alten Mobb Deep & Pete Rock-Scheiben kann man fühlen. Doch unter „Retro“ darf man diese LP nicht einordnen. Für den Club gibt’s „Partyboomblast“ im Dancehall-Gewand mit Crooner MC Slona und beweisst das nur mit Traditionsbewusstsein niemand mehr bewegt wird. Altes wird hier gewahrt und zelebriert – jedoch hat man durchaus ein Ohr auf der Strasse „nach dem Beat den es so noch nicht gab“.

Der musikalische Rahmen kann sich mit nationalen, bekannten Produktionen messen und mehr als sehen lassen. Für die Produktion waren die Beatbastler aus dem Streethop-Umfeld zuständig (Sebez, Marbelz, Gui-cee, Bakerman, Al Kapone, Slona & Pee-Vers selbst). Rap lebt noch – direkt unter uns.

Text: Peter Hagen

Fotos: Streethop Records

Kaufen kann man die CD unter

www.streethop-records.de

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