13.02: KEELAY & ZAIRE: New Bay Area Definitions
Text & Interview: Peter Hagen
Obwohl die Bay Area in den letzten Jahren mit dem Hyphy-Movement die HipHop-Szene bereicherte, wird HipHop aus San Francisco oft auf den jeweiligen gerade aktuellen Hype reduziert. Wie so oft entspricht das natürlich nicht der Realität. Auch die Westküste hat eine interne Vielfalt die oft oberflächlich auf Gangster-Rap reduziert wird. Aus dem Untergrund kommen gerade hier seit Jahren spannende Strömungen die ihren ganz eigenen Style haben. Zion I. oder Fashawn & Exile sind wohl das aktuell populärste Beispiel dafür. Dahinter reihen sich eine ganze Menge an potentiellen Mittätern ein. Keelay & Zaire, ein Duo aus der Bay Area, gehört zu dem viel versprechenden Nachwuchs der nach oben drängt. Mit ihrem Freedownload Mixtape „Prelude to drive“ heizen den Buzz um ihre Musik weiter nach vorne. Im März 2009 erschien die offizielle EP „Ridin’ High“ auf dem das bereits florierende „The times“ mit Blu, Fortilive und Nino Moschella zu finden war, welches im Netz einen Sturm der Euphorie ausgelöst hat, die man durchaus teilen darf. Auch wenn sich scheinbar alles um The Game, Crooked One oder den G-Style-Newcomer Nipsey Hustle dreht, wenn man von Rap von der Westküste Amerikas spricht, sind Keelay & Zaire dort einzuordnen wo sich der traditionelle Gangsta-Rap und die kreative Indie-Schule der Generation nach J5 trifft. Listen!
1. Lokal seid ihr nicht wirklich als Newcomers zu bezeichnen. Ihr seid schon einigen Jahren im Spiel!?
Keelay: Ich war in den letzen fünf Jahren mit meiner Gruppe The Sole Vibe unterwegs. Daneben liefen auch einige Projekte. Aber für die weite Welt sind wir natürlich neu. Zaire: Ich stamme ursprünglich aus Dayton/Ohio. Ich bin erst vor drei Jahren nach Frisco gekommen. Davor habe ich auch wenig bekannte Projekte begleitet. Die Kombination mit Keelay passt perfekt. Wir sind ein Symbiose.
2. Dann habt ihr wohl auch unterschiedliche, musikalische Sozialisationen?
Keelay: Ich habe wohl keine aussergewöhnlich andere Einflüsse als jeder andere Head. Ich liebe Pete Rock & Premo – damit bin ich aufgewachsen. James Brown finde ich auch ganz wichtig. Sein Genius studiere ich seit Jahren. Melodien, Strukturen, Breaks, Bridges und all das. Ich würde auch sagen, dass das Internet meine größte Inspiration ist. Ich habe hier so viele Leute kennen und schätzen gelernt. Kürzlich habe ich einen Franzosen namens DJ Kay kennen gelernt, der völlig irre Beats macht. Das Netz ist einfach faszinierend.
Zaire: Dilla & Premo sind immer noch meine No.1. Meine Eltern spielten zu Hause viel Jazz, Soul und Blues. Ich denke das hört man auch in unserer Musik mit den Samples und dem Tiefgang. Soulful Music!
3. Auf eurem aktuellen Release featured ihr auch den New Yorker Torae. Was denkt ihr über diese neue Generation an MCs? Seht ihr Euch in der gleichen Liga?
Keelay: Generell muss ich sagen, dass ich es immer wieder liebe nach New York zu kommen. Ich meine das ist der Ort wo alles begann und ich finde das hier so viel geht. Aktuell finde ich Termanology oder Skyzoo auch sehr gut. Wir haben ja auch gerade die Möglichkeit mit Emilio Rojas und Silent Knight zu arbeiten. Weitere Kollaborationen mit den neuen New York-Cats sollen folgen. Ich fühle mich diesen Jungs und ihrem Style wirklich verbunden.
Zaire: Word. Ich liebe was diese Jungs gerade anstellen. Sie machen wie wir die Musik die sie fühlen. Diese Parallele zwischen uns besteht. Ich verehre auch Nas, aber das Konzept von „HipHop is dead“ kann ich deshalb nicht verstehen. Überall passiert so viel Innovatives und Kreatives, dass man diese Provokation nicht braucht.
4. Schubladendenken hilft den Leuten oft zur Orientierung. Mit “Bay Area HipHop” verbinden die Meisten oft Hyphy! Defacto seid ihr musikalisch nicht „typisch“ Bay Area wenn man danach geht. Müsst ihr Eure Herkunft öfters mal rechtfertigen?
Zaire: In der Tat kommen viele mit einem Ansatz wie unserem nicht klar. Aber auf diese Leute ist geschissen. Wir machen unser Ding.
Keelay: Ich habe uns selbst eigentlich immer als Underground Rap beschrieben. Trotzdem sind wir nicht wie “Stone Throw” und nicht “Hyphy”. Wir sind wir. Nicht Gangsta, aber auch nicht dass, was in Europa oft als Independent betitelt wird. Unsere Singles werden das zeigen. Die Erste ist etwas ruffer und die nächste hat einen R’n’B-Vibe.
5. Alles spricht über “Hipster”-Rap. Der Hype gehört zur Zeit definitv Jungs wie Cool Kids, Wale oder Charles Hamiltion. Könnt ihr damit etwas anfangen? Oder ist das nur ein weitere Medienhype?
Keelay: Ich denke einfach sie machen ihre eigene Art von Musik und diese ist definitive zu Recht gehypt. Man muss da jedoch genau hinsehen und hinhören. Da gibt es inzwischen auch sehr viele Copycats und Clowns die auf den Zug aufspringen wollen, jedoch nicht ihren eigenen Style haben. Ich würde gerne mit Pacific Divison oder den Cool Kids arbeiten.
6. Ihr hört euch meiner Meinung nach schon sehr nach Zion I. an. Würdest du mir da zustimmen?
Zaire: Danke. Zion I. sind immerhin die bekannste Gruppe aus unserer Ecke die nicht „Hyphy“ oder „Gangsta“ sind. Ihren eklektischen Ansatz und die open-mindeness teilen wir.
6. Klassischer Westcoast-Sound ist immer noch eng verbunden mit der Bezeichnung “Gangster Rap”. Wieviel Einfluß hatten NWA, Cube, Too Short auf Euch?
Keelay: Ich bin damit aufgewachsen. Ich erinner mit sehr gut an die frühen Tapes von Eazy E. und Ice Cube. „The Chronic“ veränderte mein Leben. Dre brachte diesen Sound in die ganze Welt. Jeder kannte danach die Westküste und ihren Sound. G-Funk brachte mit dann auch dazu die Samples zu diggen und mich mit Leon Haywood und Parliament zu beschäftigen. Premo beeinflusste mich erst danach – sorry Prem! (lacht)
Zaire: Westcoast Gangsta Music ist sehr wichtig für meine Entwicklung gewesen. Es war nicht nur der Funke zur Rebellion gegen die Maschine, sondern auch der musikalische Style. Allein die Basslines waren unglaublich und das bis heute.
7. Es gab jedoch auch immer wieder großartige Künstler die einen anderen Style von der Westküste präsentierten. Ich denke an Pharcyde, Dilated People oder Jurassiv Five.
Keelay: Ja und Nein. Das ist eigentlich schon typischer Westcoast-Style, einfach nur anders. Sie alle hatten ihren Einfluß hier. Viele die nicht von hier kommen, denken oft dass es hier wirklich nur Ice-T und The Game gibt. Das ist natürlich nicht so.
8. Wie seid ihr mit dem Album und den Verkäufen zufrieden?
Zaire: Wir sind erst am Anfang. Seit März 2009 kann man es bei iTunes und Amazon erwerben. Es erschien auf Myx Music Label (Koch). Es sind ja eine ganze Armada von Künstlern darauf die wir selbst großartig finden. Dabei sind Blu, Tash (Tha Liks), Phonte (Little Brother), Cali Agents, Nino Moschella, Supastition, Saafir u.v.m. Innerhalb der Szene haben wir eine gute Rückmeldung bekommen. Wir arbeiten schon am nächsten Ding.
9. Jeder Musiker hat einen Wunschkollaborationspartner. Wer wäre das bei Euch?
Keelay: Ich würde gerne mit Elzhi (Slum Village) arbeiten. Er ist ein unglaublicher Künstler. Royce & Skyzoo wären außerdem meine Wunschpartien für gemeinsame Projekte, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Oder doch, lass uns kurz träumen. Hey Zaire, ich nehme Redman und Black Milk. Holla!







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