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21.06: Politics & Rap: Iran (we go hard)

Irgendwie ist es doch pervers. Da schreiben sich einige Rapkünstler seit Jahren auf die Fahne, dass sie sozialkritische Texte unter das Volk bringen (wollen) und doch sind sie oft nicht fähig kreativ und spontan zu agieren, wenn es ein brisantes, aktuelles Thema gibt.

Als Jay-Z’s „Brooklyn (we go hard) im Netz leakte dauerte es nur wenige Augenblicke bis bekannte und weniger Bekannte MCs über das markante Instrumental rappten. Lil Wayne’s „A Milli“ Millionen-Klingelton-Beat erfuhr ja schier unbeschreibliche Massenbeteiligung im Netz. Jeder schien über den heißesten Clubbeat des Jahres 2008 rappen zu wollen. Die Aussagen der Freestyles waren oft inhaltsloser als die Lügengeschichten von Silvio Berluscconi oder die Wahlversprechen deutscher Politiker.

Warum werden die technischen Möglichkeiten und Kanäle wie das Internet nicht genutzt um sich dem Aufbegehren des Volkes in Persien sich solidarisch zu zeigen. „Iran (we go hard)“ Warum nicht? Muss denn bis zum nächsten Mixtape gar Album-Release gewartet werden um ein Botschaft durch den Cypherspace zu schicken? Ist Conscious-Rap so verstaubt, unflexible oder gar ein Auslaufmodell?

Haben Polit-Rap-Wortführer der verschiedenen Generationen wie die Dead Prez, Immortal Technique, Paris, The Coup, Public Enemy, The Roots oder Common keine Möglichkeit die neuen Medien zu nutzen oder dreht sich einfach alles um ihre eigene Lebensrealität zwischen Rezession, Grasskonsum und dem eigenen Brötchenverdienst?

Wo sind die Protestsongs die den Menschen in der Diktatur Kraft geben? War HipHop nicht mal für solche Themen zuständig? Es schreien heute noch Aktivisten mit gen Himmel gerichteter Faust „Free Mumia“ und dieses Zeichen der Solidarität für den zu unrecht zu Tode verurteilten und inhaftierten Aktivisten Jamal Mumia war und ist wichtig. Aber ist HipHop damit aus dem Schneider? Hat HipHop damit seine Aufgabe erfüllt auf Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen?

Bleibt die Frage ob man darauf warten sollte bis die amerikanischen Vorzeige-Acts des so genannten Conscious-Rap sich mobilisiert? Bei dem Movement gegen die Bush-Administration und Pro-Obama ging es doch auch. Wyclef Jean von den Fugees schaffte es auch kurz nach den schlimmen Wirbelstürmen auf Haiti Benefizkonzerte zu organisieren. Er ist gebürtiger Kreole und fühlt sich verantwortlich. Bleibt die Frage ob man persischer Herkunft/ iranischer Herkunft sein muss um ihnen Mut zusprechen zu können!

Am Ende geht doch darum, Menschen die unter der Last eines Regimes im Namen des (eigentlich friedvollen) Islams leben zu unterstützen. Ein ganzes Volk begehrt auf und möchte die Befreiung aus einer Zwangsjacke die die Machthaber durch willkürliche Auslegung des Korans legitimieren. HipHop könnte jetzt wieder etwas für sein oft auf Gangster-Ism reduziertes Image tun und der Welt jetzt beweisen, zu was HipHop im Stande ist. Die Macht des Wortes kann gerade über das Internet auch dort in die bürgerkriegs-gefährdeten Regionen vordringen und den Leute Hoffnung geben. Auch in Deutschland gibt es mit Sicherheit genug fähige Künstler die hier in die Verantwortung treten könnten. Curse hat es nach 9/11 schonmal vorgemacht und mit "Nichts wird mehr so sein wie es mal war" einen Appell mit starker Reflexion über das Internet verbreitet. Es wird Zeit dass 8 Jahre später weitere vergleichbare Aktionen zu starten....

Text: Peter Hagen

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631678,00.html

http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/346/472866/text

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Community

4 Kommentare

Tja, die vermeintlichen Conscious-Rapper aus den USA, die du da aufführst, sind größtenteils auch nicht viel mehr als Lieferanten von Worthülsen. Zumindest habe ich von den allermeisten noch nicht mehr als Phrasen und leere Worte gehört...

Ohnehin ist dies eine nicht ganz einfache Sache. Einerseits wäre es sicherlich ein Statement, sich als Rapper mit einem Song mit den Protestierenden in Iran zu solidarisieren, andererseits könnte das auch schnell wie billiger Populismus anmuten. Und von dem hat vor allem Deutscher Rap mehr als genug. Was also tun?

 
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von dennis
vor 961 Tagen

Ein Statement wäre doch schon mal was. Und wenn es gut verpackt ist bzw. ausformuliert ist, würde es die Aufgabe erfüllen, viele anzuregen sich über Menschenrechte uw. Gedanken zu machen. Der heutigen Jugend würde das auch nicht schlecht tun...

 
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von The Man
vor 961 Tagen

"Conscious" hieß im Hip Hop nie besonders viel. Wenn Public Enemy das "b...."-Wort nicht verwendet haben, war das schon politisch. Paris arbeitete als Broker.
X-Clan, PE und eigentlich die gesamte Golden Era waren mit der Nation Of Islam verbandelt. Und als die Tower einstürzten standen Viele mit dem Problem da, daß "Black Muslim" als Protesthaltung auf einmal keine Option mehr schien.
Das "conscious" hatte auch (wie im Reggae) allzuoft mindestens eine religiöse Teil-Bedeutung, die klaren politischen Zielen im Weg stand.
Zumal es durch Verständnis und Mißverständnis um die Aussagen von Professor Griff ernste Probleme für den Begriff "Conscious Rap" gab.

Letzten Endes ist es traurigerweise auch noch so, daß Amis allzu oft ein Problem damit haben, international zu denken und den Überblick zu behalten. U.a. deswegen tat sich in Sachen Iran nicht viel.

Die erwähnte Aktivität für Mumia war auch schonmal lebendiger. Außer Immortal Technique rührt sich da nicht mehr viel aktiv im HipHop. Bestenfalls noch Son Of Nun und EmCee Lynx.
Mein Gefühl ist schlicht, das Apelle da wenig fruchten.
Hip Hop-Verkaufszahlen sind (nicht nur in den USA) nicht umsonst auf dem konstanten Weg nach unten; sowohl die kreative, als auch die inhaltliche Attitüde hinken halt mehr als nur ein bißchen.
Zuviele Rapper sind schlicht Teil des Establishments. Und die, die es nicht sind, haben weniger Einfluß denn je. Sprich; man muß es erstmal mitbekommen, wenn die zwei oben genannten MC's z.B. was zum Thema Iran machen.

Ich hab mit Int Criminal alle möglichen Themengebiete beackert - davon viel politisch. Die Scublade "conscious" ist dabei aber zu eng gewesen. Guantanamo erwähnt Criminal z.B. in einem Tune, bei dem die alte britische "The Prisoner"-Serie thematischer Aufhänger ist (weil es in beiden Fällen um Gefängnis-Inseln geht und sich bestimmten Leuten Fragen von Freiheit kontra Sicherheit stellen).
Ob irgendeiner der MC's, die im Artikel genannt werden, die Geschehnisse im Iran in irgendeiner Form eingebaut hat, ist mir allerdings nicht bekannt.

So oder so: die Aufforderung nach mehr Inhaltlichkeit, wo es wirklich wichtig ist, statt Gefasel über Penisgrösse und Rhymeflow, kann ich nur unterstützen.

 
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von DJ Phoney
vor 608 Tagen

Was der Iran nicht geschafft hat, konnte nun in Tunesien umgesetzt werden. Ägypten scheint auf dem Weg zu sein. Vielleicht folgen noch Jordanien und der Jemen? Warum rappt darüber niemand?

 
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von Martin
vor 359 Tagen

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