In den nächsten Wochen und Monaten werden wir von der 1beat.de-Redaktion ein neue Reihe namens “DIG THIS” starten. Autoren und Gäste (Produzenten, Musiker, DJs, Freunde) werden über ihre HIPHOP-HIGHLIGHTS der nahen und fernen Vergangenheit hier schreiben.
Damit wir nicht nur nach hinten blicken wird der neue Redakteur Michael Leopold eine regelmässige Kolumne rund um HIPHOP (und darüber hinaus) starten. Dabei stellt er jede Menge neue Veröffentlichungen vor und versucht Geheimtipps zwischen Deutschrap, US-Underground, Dubstep, Glitchhop und sonstigem Beatgebräu neben dem Grundgetränk HipHop vorzustellen. Watch out!
Die erste Ausgabe von DIG THIS mache ich selbst!
Nach dem es Jahre lang ominöse Bootlegs und Netzverwirrungen wie „Kamaal the Abstract“ oder „The cencer“ im Umlauf waren, zweifelte manch ein Fan, der auf Nachschub des große A –Tribe-called-Quest-Wortführers wartete, dran, ob es jemals wieder eine Platte von Q-Tip offiziell geben würde. Für DreamWorks soll er auch noch ein komplettes Album namens „Open“ eingespielt haben, dass nie das Licht der Welt gesehen hatte. Sollte nun wirklich eine der wichtigsten Figuren der HipHop-Geschichte und Teil der Native Toungues-Movements in den 90ern auch in Mühlen der Musikindustrie geraten? Der Frust und ein weiterer Labelwechsel nach Motown (Universal) über Interscope und Geffen schienen in Kreativität, wie man sie an diesem Künstler seit Jahren schätzt, umgewandelt zu geworden sein. Aller Ärger scheint weggeblasen zu sein. Die Energie scheint nur so zu sprudeln. Täglich kommen neue News an was Q-Tip arbeitet. Eine komplette Langrille mit Common scheint nicht allzu weit weg zu sein. Die Erwartungen der Fans werden also weiter genährt werden. Nun also „The Renaissance“, Q-Tip’s Beitrag HipHop eine Wiedergeburt dessen zu verschaffen, was noch vor seiner Tribe-Zeit lag. Ein Album das von einer Hausband eingespielten Sounds mit Samples verbindet. Musik, die sich organisch anhört und live umsetzbar ist. Kein wirklich neues oder besonders originelles Konzept – wenn man bedenkt, dass The Roots da ja bis heute bis zur Perfektion betreiben. Aber Q-Tip zeigt hier schon seinen Masterplan, den er auch so durchzieht und der auch deshalb so authentisch und letztlich auch so gut geworden ist. Mit den Soulquarians hatte ja auch als Produzent maßgeblich an diesem Sound geschraubt. Das ist zwar schon eine ganze Weile her, jedoch bestätigt der HipHop-Veteran mit dieser Scheibe, dass es gerne auch eine Alternative mehr zu den augenblicklich sehr synthie-verliebten Grooves geben darf. Mit den Gästen D’Angelo und Raphael Saadiq lehnt er sich durchaus bewusst an den NeoSoul-Movement an, der lieber mit Jazz, Soul und Funk Groove der 70er flirtet, als den Boom Bap neu erfinden zu wollen („Manwomanboogie“!).
Mit dem Dilla-Track „Move“ gibt es nicht nur ein Zeichen der Verbundenheit der beiden Soundvirtuosen, sondern auch den Smasher des Albums schlechthin. Vielleicht sogar eine gar nicht so undurchsichtige Weiterführung von „Breathe & Stop“. Natürlich sind die Parallelen zu alten Schaffensphasen immer präsent. „Gettin’ up“ reißt genauso wie „Offical“ alle 90s-Rap sozialisierten Fans in den magischen Bann. Das ungewöhnliche Feature von Popjazzqueen Norah Jones auf „Life is better“ irritiert etwas bei der starken Hommage Q-Tips an Helden wie Brand Nubian, Biz Markie oder LL cool J ab. Bei dem Track „Johnny is dead“ hatte man ganz kurz die Vermutung, dass dieser Track für Mos Def’s Black Jack Johnson Projekt (remember „The New Danger“?) eingespielt hätte. Soll einer sagen Q-Tip könnte nicht singen. Die gewohnt lyrische Tiefe, und eine unverkennbare Delivery sowie diesen prallen Flow verliert man so schnell wohl doch nicht. Die Akai MPC 2000 auf dem Albumcover spricht natürlich Bände. Classic? Nein, bestimmt nicht. Aber immer noch großartig, soulful und irgendwie auch zeitlos.
Ich hasse die Diskussion darum, was “Musik für Erwachsene” sein soll. Wer wie ich mit ATCQ sozialisiert ist, liebt diese Art von Kunst auf “The Renaissance”. Immer wieder und für immer.
Text: Peter “Hagen” Parker


