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Record Store Day : Ehre deinen Plattenladen

Record Store Day : Ehre deinen Plattenladen

Text: christina Waechter, Wlada Kolosowa, Andreas Ernst Erstveröffentlicht: www.jetzt.de Am Samstag wurde in Amerika der "Record-Store Day" gefeiert. Höchste Zeit, mal wieder in den Plattenladen deines Vertrauens zu gehen. Bevor es zu spät ist. Amerika ist ein Land, das uns nicht nur Fast Food, Sex-Tapes und tolle Fernsehserien geschenkt hat. Es ist auch das Land, das aus jedem verdammten Ereignis einen Gedächtnistag macht. Es gibt den Tag des Schweigens, den Tag des Cowboys und sogar den „International Day of Awesomeness“. Am Samstag ist – man mag es gar nicht glauben – nun wieder so ein Tag, zur Abwechslung aber mal einer, den man durchaus unterstützen sollte. Es ist der National Record Store Day. Und an diesem Tag soll jeder, dem Musik ein bisschen mehr als Hintergrundgedudel bedeutet, mal wieder einen kleinen Abstecher in den unabhängigen Plattenladen seines Ortes machen, sich dort umsehen, kundig beraten lassen und am Ende mit einer oder zwei großartigen Scheiben nach Hause gehen. Und er sollte es bald machen, denn wenn man den allgemeinen Trend beobachtet, dann bleibt nicht mehr allzu viel Zeit dafür.

Der „National Record Store Day“ soll die Menschen daran erinnern, dass es die unabhängigen Plattenläden sind (und nicht die großen Drogerie-Märkte oder die Runterlad-Seiten im Internet), die den Musikgeschmack schulen können und einen Kunden von einem “Best-Of”-Heini zum Bootleg-Sammler machen können. Natürlich immer vorausgesetzt, der hat Interesse daran.

Gleichzeitig will dieser Jubeltag aber auch warnen. Davor nämlich, dass der Plattenladen, so wie wir ihn noch kennen, demnächst sehr wahrscheinlich ausstirbt. Das hat viele Gründe. Das Internet, die selbstverschuldete Krise der Plattenindustrie, die mangelnde Bereitschaft der Kunden, für Musik Geld auszugeben und so weiter und so fort.

In Amerika ist das große Plattenladen-Sterben schon sehr weit fortgeschritten. Gab es früher noch in jeder mittleren Universitätsstadt mehrere Läden, sind es nun nur noch vereinzelte Wackere, die ihr Geschäft noch betreiben.

Dabei würde dem gemeinen Musik-Liebhaber sehr viel verloren gehen, würde er in Zukunft nur noch im Internet Musik herunterladen oder bei Ebay Vinyl-Restbestände ersteigern.

Denn ein Plattenladen ist nicht irgendein Geschäft, das mit Waren handelt. Der perfekte Plattenladen vermittelt vielmehr das Gefühl, durch eine riesige Schatzkiste zu wandeln. In den Kisten und Regalen kann man stundenlang wühlen, sich über obskure Cover freuen, vielversprechende Scheiben auf einen „Im Auge behalten“-Stapel legen, dabei verstohlen die anderen Kunden beäugen und eine sehr ausführliche Anhör-Session veranstalten.

Vor allem aber ist der Plattenladen ein vortrefflicher Ort, um ganz besonders spezielle Ausgaben der Gattung Mensch zu beobachten.

Angefangen beim Besitzer, der normalerweise nur in zwei Varianten vorkommt:

Der modernere von ihnen ist ein leicht verranzter End-Zwanziger, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und hauptsächlich von seinen Kontakten in die Szene lebt. Zu ihm kommen tagtäglich dieselben ebenfalls sehr coolen Stammkunden und ruhen sich am Spätnachmittag von ihrem stressigen Nachtleben aus.

Diese Verbindung ist zwar gut für Coolness-Punkte, macht es dem szenefremden Neukunden aber schwer, die Schwelle zu überschreiten oder gar eine schüchterne Frage nach verhältnismäßig uncoolen (weil schon bekannten) Künstlern zu stellen. Weshalb der extrem coole End-Zwanziger normalerweise auch nach spätestens drei Jahren aufgibt und doch noch seine Ausbildung zum Grafiker fertigmacht und dann einen ordentlichen Job ergreift.

Ganz im Gegensatz zu seinem gealterten Kollegen, dem angegrauten Musik-Nerd. Der war vor dreißig Jahren verhältnismäßig erfolgreich mit seiner Blues-Rock-Kapelle, bis die sich aufgrund von internen Streitereien auflöste. Um die Taxi-Schein-Prüfung zu umgehen, hat er einfach einen kleinen Laden angemietet, seine Plattensammlung reingestellt und von da an ging es irgendwie weiter. Völlig skrupellos kauft er mittlerweile alles an, was ihm zu Tiefst-Preisen angeboten wird und verkauft es leicht überteuert weiter.

Seine Kunden sehen oft ein wenig mottenzerfressen aus, das liegt daran, dass sie so selten an die frische Luft kommen. Trotzdem kann man sich in seinem Laden wohl fühlen, weil es bei ihm überhaupt nicht um Coolness geht, sondern ums Geld. Und wenn ein Kunde mit der Frage nach der neuesten Schlümpfe-CD zu ihm kommt, stöhnt er zwar laut, aber nicht wegen der schlimmen Musik, sondern weil er ahnt, dass gerade diese Platte gerade nicht lieferbar ist.

Ohne Plattenläden wären wir also nicht nur um eine kulturelle Anlaufstation ärmer – wir wüssten auch gar nicht, wo wir die Menschen studieren können, zu denen wir eines Tages möglicherweise werden.

Und das wäre wirklich sehr, sehr schade!

Last Chance Dortmund

Die Dortmunder sind sich einig: “Das ist ein Klassiker”. Seit 1980 rühmen sich die Besitzer, einen “der größten Independent-Record-Shops” in Deutschland zu betreiben. 150 Quadratmeister sind aber auch nicht wenig. Wer nicht gerade auf Schlager oder Volksmusik hört, kann sich am Dortmunder Königswall gut ein paar Stunden beschäftigen.

Adresse: Königswall 22, 44137 Dortmund

Homepage: www.last-chance-music.de

Angebot: Vinyl aller Größen, CDs, DVDs. Beim Plattenflohmarkt gibt’s Vinylscheiben schon für einen Euro

Plattenbau Aachen

Holzregale, Poster an der Wand, mitten in einem Aachener Wohngebiet: Den „Plattenbau“ gibt es seit Februar 2006. Es ist so gemütlich, dass ein paar Stunden vergehen können, bis die schönste, fetzigste, punkigste, ruhigste LP gefunden ist. Die gibt’s aus den verschiedensten Stilrichtungen, auch Filme sind im Angebot. Aber besonders gut kennen sich die Inhaber im Punk und Indie aus. Zuweilen gibt’s auch kleinere Konzerte. Am Dienstag kam das Folk-/Punk-Trio Polite Sleeper. Stil: Against Me, Bob Dylan, Bright Eyes.

Adresse: Viktoriastraße 51, 52066 Aachen

Homepage: www.plattenbau-aachen.de

Angebot: Spezialisiert auf Punk und Indie – Neuware und Second Hand. Zusätzlich gibt es Filme, Hörspiele, Fanzines, Comics, Merchandise und Tickets für Konzerte.

Flight 13 Freiburg

„Flight 13“ ist nicht nur ein Plattenladen, sondern gleichzeitig ein Versand und ein Label. 1988 als eine inoffizielle Tauschbörse und Lagerverkauf entstanden, hat sich „Flight 13“ auf Punkrock und Indipendent spezialisiert. Die Besitzer rühmen sich damit, jede Schallplatte auf dieser Welt besorgen zu können – ihr Vinyl beziehen sie nicht von Großhändlern, sonder haben selbst ein internationales Netzwerk aufgebaut.

Adresse: Stühlingerstr. 15, 79106 Freiburg

Homepage: www.flight13.com

Angebot: Punk, Indie, alles, was lieferbar ist

Soundcircus Ulm

Vinyl ist tot? Nicht im SOUNDCIRCUS. Dort sind Schallplatten noch Standard, ob neu oder second-hand. Viel Indie, Drum’n’Bass, Reggae , Hip-Hop – kaum Sachen, die man auch in Drogerien findet. Einer der Plattenladenbesitzer, Martin Lindner, war übrigens Manager der “Kinderzimmer Productions”.

Adresse: Frauenstraße 40, 89073 Ulm

Rockstore Essen

Seit dem 2. April 1976 Jürgen Krause verkauft er in Essen-Steele Tonträger aller Art. Auch 32 Jahre später pflegt er seinen „Rockstore“ noch. Bei Jürgen Krause wird über Platten noch diskutiert – und er rät auch ab und zu vom Kauf ab. Auf der Internetseite gibt es „Jürgens Tipps“. Ganz oben auf seiner privaten Liste: Die „Drive-By Truckers“-Scheibe „Brighter than Creation’s Dark“. Und die Ärzte-Single „Lied vom Scheitern“.

Adresse: Grendplatz 7, 45276 Essen

Homepage: www.rockstore-essen.de

Angebot: Audiophiles Vinyl, LPs und CDs fast aller Stilrichtungen

Mono München

In einem relativ verlassenen Eck von Haidhausen befindet sich der “Mono”. Ein Plattenladen, wie er sein muss: viel Neues, viel Altes, viel zum Herumstöbern. Und weil der Besitzer weiß, wie man seine Stamm-Kunden an der Stange hält, gibt es regelmäßig zeitlich beschränkte Preisnachlässe auf alles im Laden. Immer zu so netten Anlässen, wie: “Heute spielt Bayern gegen die 60er – 20 Prozent auf alles”.

Adresse: Breisacher Str. 21, 81667 München

Homepage: -

Angebot: Vinyl und Cds gebraucht und neu, Indie, Country, Blues und Soul

Downtown Records Berlin

Der Laden ist zwar klein, hat aber so viele Schätze, dass man darin Stunden verbringen kann. Keine Angst vor den teilweise recht hohen Preisen – normalerweise gibt es an der Kasse noch einmal recht ordentlichen Rabatt, ohne dass man handeln muss.

Adresse: Brunnenstr.186 10119 Berlin

Homepage: www.downtownrecords-berlin.de

Angebot: Viel Soul, Blues, Jazz, Country, einige neue Platten, aber hauptsächlich gebraucht.

www.1beat.de ruft hiermit dazu auf, euren Lieblingsplattenladen hier zu posten und damit zu unterstützen. Lasst uns wissen wo man das schwarze Gold bekommt.

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4 Kommentare

  1. Dig a little deeper – Recordstore / Berlin

    Klein aber oho! Neben dem reichhaltigen Sortiment an altem und neuen Vinyl sowie Cds aus den Bereichen Rare Grooves (Jazz, Funk, Soul, Brazil, Latin), Reggae (Dancehall, Dub), HipHop, Electro, Techno, House, Rock, NuJazz/Broken Beats und Drum’n'Bass kommen die Angebote für internationale Musikmagazine (Wax Poetics) und eine freundliche, kompetenze Kundenbetreuung. Das alles lässt sich auch zuverlässig über das Internet im Mailordershop bestellen. Fragt nach Dagmar!

    http://www.digalittledeeper.net
    torstr.102
    10119 berlin
    tel:030-97005106
    mo-fr 12-19 uhr, sa 12-16 uhr

  2. Plattentasche / Karlsruhe

    Ebenfalls ein kleiner, aber inzwischen mehr als kultiger Laden in der Südstadt Karlsruhes. Der Besitzer Kristian Beyer ist ein Fachmann in Sachen Musik der elektronischeren Sorte und kennst sich daneben bestens in den anderen Genres aus, die sie dort anbieten. Die heimische Atmopshere wird mit einem Sofa mitten im Raum unterstütz und ist nach all den Jahren zu einem Treffpunkt (bei der notorischen Tasse Kaffee) von DJs, Nerds, Sammler, Produzenten und Musikliebhabern geworden. Die Legende besagt, dass dort das Duo AME (auf Sonar Kollektiv & Innervision) entstanden sein soll – wenn wunderts? Der Chef selbst ist ein Teil davon. Dehalb mag der Laden auch als Mekka für Housefreude gelten. Neben Jazz, Funk, Disco, Soul und Latin bietet der Laden die wohl beste Auswahl an Drum’n'Bass im Süden Deutschlands. Dazu kommen natürlich die angedockten Genres (Detroit) Techno, Downbeats und Electro. Dazu noch ausgewählte HipHop-Scheiben.

    Platten:Tasche
    Luisenstr. 56 : 76137 Karlsruhe
    Fax 0721-3842251

    Öffnungszeiten:
    Mo-Fr: 12.00 bis 20.00 Uhr : Sa: 12.00 bis 16.00 Uhr

  3. Soultrade / Berlin

    Der wohl bekannteste, deutsche Rare Groove Händler. Dieser Laden hat sich spezialisiert. Hier findet der Freund von Jazz, Latin, Soul, Brazil, Funk und Disco was das Herz begehrt. Neu und gebraucht. Dazu gibt es eine große Auswahl an klassischem und neuem HipHop und RnB. Neben ihrem großen Steckenpferd, der alten Musik, gibt es auch reichlich neue musikalische Impulse von D’n'B, House über Broken Beats und NuJazz.
    Alles auch als Mailorder.

    http://www.soultrade.de
    Sanderstr. 29
    12047 Berlin
    Telefon: 030 6945257

  4. Rock Steady Records / Berlin

    Alles, was das Musikherz begehrt:
    Rock / Pop – Punk / Wave / Metal – Black Music – Jazz / Blues – Rock’n Roll / Country – Deutsche Interpreten – Reggae / Ska – World Pop – Psych – Raritäten

    Kompetente & freundliche Beratung durch Bernd & Thomas.

    http://www.rocksteadyrecords.de
    Motzstraße 9
    10777 Berlin
    Telefon: 030 217 27 20

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