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TON STEINE SCHERBEN x DUB x NEXT

dub

Gute Idee! Watch out! Am Freitag (22.09.2017) vor der Bundestagswahl erscheint das Album “Ton Steine Scherben in Dub” auf Echobeach (Indigo).

Auch wenn ihr Ruhm sich auf den deutschsprachigen Raum beschränkt: Ton Steine Scherben bleiben eine der einflussreichsten Rockbands der Bundesrepublik. In der Ära von Kraftwerk, Kraut und Kosmischer Musik blieben die „Scherben“ mit den Füßen auf dem Boden der politischen Tatsachen und machten Protestmusik mit populärem (Agit-Rock) Sound und deutlichen Ansagen. Die Texte des 1996 verstorbenen Sängers Rio Reiser setzten Standards, an der sich nachwachsende Generationen von NDW über Punk bis Indie-Pop abarbeiten. Titel, Zeilen und Parolen wie „Macht kaputt was euch kaputt macht“, „Nee, nee, nee, eher brennt die BVG“ und „Keine Macht für Niemand“ sind zu geflügelten Worten geworden. Ihre Plattenfirma „Davi Volksmund Produktionen“ gilt als eines der ersten deutschen Independent-Label. Und während die Dialoge des archetypischen Anarchos Mensch Meier zumindest in linken Zirkeln bis heute nachhallen, hat sich auch just ein antikapitalistischer Berliner Underground-Veranstaltungsort diesen Namen gegeben. Die Geschichte von ‚Ton Steine Scherben in Dub‘ begann vor ziemlich genau zwanzig Jahren. Nach zwei aufsehenerregenden Compilations des damals noch jungen Labels Echo Beach, die ein rares Schlaglicht auf das britische und internationale Dubschaffen der Mittneunziger warfen, sollte sich King Size Dub Volume 3 auf Deutschland konzentrieren. Neben Dubs und Versions von Reggae- und Rock-Künstlern wie den Toten Hosen, den Fantastischen Vier, Nina Hagen u.s.w. sollten auch die Scherben einen Platz im Dub-Pantheon mit Kennzeichen D bekommen. So kam es zum ersten Treffen mit R.P.S. Lanrue, dem Nachlassverwalter des musikalischen Erbes der Scherben, und eine Version von „Mole Hill Rockers“, ein Ausflug von Lanrue/Reiser in die Welt der karibischen Rhythmik, landete glücklich auf dem Sampler. Doch um das Prinzip Dub anzuwenden, braucht es nicht notwendigerweise einen Reggae-Song. Zwanzig Jahre lang köchelte die Idee, das Projekt zu vertiefen, auf kleiner Flamme weiter. Bis Echo-Beach-CEO Ncolai Beverungen, zwei seiner bewährtesten Dub-Spezialisten, Fe Wolter (Di Iries, Dubvisionist) und Alexander Hornbach (Aldubb) sich in Zusammenarbeit mit Scherbengitarrist R.P.S. Lanrue das Material ein weiteres Mal zur Brust nahmen, diesmal mit konkreten Absichten. Dabei stießen die vier Verschwörer zwar zunächst auf ein technisches Hindernis: Abgesehen vom vierten, „schwarzen“ Album, lagen für die Scherbenwerke keine Mehrspuraufnahmen vor. Dennoch gelang es den Dub-Archäologen, die Essenz der Stücke im Dubmix zu erhalten. Nur punktuell wurden durch Overdubs Spuren ergänzt, verstärkt oder tiefer gelegt. So hört man auf den Versionen des Straßenkampfklassikers „Keine Macht für Niemand“ die Rhythmusgruppe von Gentlemans Evolution- Band pumpen, die Gitarre stammt von R.P.S. Lanrue selbst und im Background Nina Hagens kräftige Stimme. Auch „Wunder“ mutierte unter den Händen Aldubbs auf diskrete Weise zur Reggae-Nummer. Andere Stücke wie „Filmkuss“ und „in den Tagen“ wurden, durch keinerlei Zuspiel verwässert, zu 100% am Mischpult zerlegt und neu zusammengesetzt. So entstand, was keiner mehr für möglich hielt: Ein Dub-Kaleidoskop aus den Scherben des Westberliner Klassenkampfes, entstanden nach der Maxime des Hauses Echobeach: Handverlesene trockene Dubs veredelt und ummantelt mit feinem analogem Staub.


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