Interview

Evolutions & Visions: DJ Sepalot im Interview

Evolutions & Visions:  DJ Sepalot im Interview

DJ Sepalot ist schon lange im Game. Es gibt wohl nur noch wenige, die solange und immer noch relevant dabei sind. Mit seiner Gruppe Blumentopf macht er seit 1995 die Bühnen der Welt unsicher und kann auf einen stolzen Backkatalog von 5 Alben und etlichen Single-Highlights zurückblicken. Blumentopf ist eine nicht mehr wegzudenkende Institution im deutschsprachigen HipHop. Mit ihren unverwechselbaren humoristischen aber auch tiefgehenden Texten haben sie sich über all die Jahre eine treue Fangemeinde erspielt. Auch heute noch klingen Hits wie „6 Meter 90“, „Was der Handel“ oder „(Party) Safari“ frisch, funky und zeitlos. Das musikalische Mastermind hinter diesem Sound ist DJ Sepalot. Analysiert man die Blumentopf-Beats etwas intensiver, kann man sehen, dass der passionierte Beatbastler Sepalot ein anerkannter Digger vor der alten Schule ist. Seine Samples stammen aus den alten Soul, Jazz und Funk-Platten. Wer ihn schon mal als DJ erleben konnte, weiß, dass er durchaus diese Breaks gerne mal in seine Sets einbaut. Das ist jedoch lange nicht alles. Seine Leidenschaft für Musik, speziell HipHop, ist ungebrochen – nur die musikalischen Blicke über den Tellerrand sind differenzierter geworden. Auf dem Münchner Freistil-Label Compost Records wird er Ende März nun sein Soloalbum veröffentlichen. Die Vorab-Single „She likes me“ erscheint am 03.03.08 und ist nicht nur als eine Hommage an den Freigeist und das Genie des verstorbenen Detroiter Produzenten J.Dilla zu sehen, sondern zeigt auch, dass Sepalot musikalisch immer noch Visionen besitzt und diese auch umsetzt. Auf dem futuristischen und dick produzierten Soundkosmos „Red Handed“ paaren sich im großen HipHop-Sammelbecken ein bunter Mix aus Elektronika, Disco, Jazz und Funk zu einem extravaganten, explosiven Gemisch – welches nicht immer nur auf die Tanzfläche zielt. Dieses Soloalbum wird seinem eigenen Anspruch gerecht, fortschrittliche und visionäre HipHop-Musik zu produzieren. Deshalb war es mehr als wichtig ihn selbst dazu zu befragen.

INTERVIEW MIT DJ SEPALOT (Blumentopf/München)

1. Nach all den Jahren in der Formation Blumentopf wirst Du nun im Frühjahr dein Soloalbum „Red Handed“ veröffentlichen. Was darf man davon erwarten?

„Red handed“ ist eine Platte geworden die einen sehr eigenen Sound hat. Beeinflusst von späteren P-Funk Scheiben, etwas elektronisch und immer ein bisschen neben der Spur.

Es war oberstes Gebot für mich bei einem Produceralbum einen Sound zu kreieren der alle Songs zusammen hält. Produceralben die klingen wie eine Compilation braucht kein Mensch.

2. Du hast ja schon ein sehr jazz-affines Album „Eskapaden“ mit der Sängerin Esther Adams aufgenommen. Entstand hier der Gedanke auch mal mit Künstlern außerhalb der Gruppe und vor allem außerhalb des üblichen HipHop-Formats zu arbeiten? Eine Platte („Fraud“) mit skurillen AC/DC-Covern folgte…

Es war für mich schon immer wichtig mit Künstlern außerhalb meiner Band zu arbeiten. Wenn man mit einem Künstler das erste Mal zusammen im Studio ist das immer ein ganz besonderer Moment.

Die Arbeit mit jedem einzelnen Künstler ist verschieden. Egal ob Rapper oder Sänger. Das ist eine Herausforderung. Und meine Neugier ist einfach zu groß um nur eingleisig zu fahren.

3. „HipHop & Beyond“ – ein Leitmotiv deiner neuen Platte. Bei DJs und Produzenten der Ü 30-Liga wie DJ Friction, Turntablerockers oder DJ Rabauke kann man seit einiger Zeit eine Verschiebung ihrer musikalischen Prioritäten in Richtung der elektronischen Musik beobachten. Einige deiner neuern Produktionen hört man das auch. Egyptain Lover, Bambataa und der ganze 80s-Electrofunk zeigen jetzt ihre Auswirkungen – oder wie siehst du das?

Ja die 80iger sind mit Sicherheit nicht ohne Spuren an uns vorbeigegangen. Obwohl ich zugeben muß das ich in den 80igern nur passiv Musik gehört hab. Ich war ein Skater to the bone und alles andere hat mich nur am Rande interessiert. Beeinflusst hat es mich aber doch.

Zu Hip Hop bin ich dann auch über den Umweg Funk und Soulmusik gekommen. Ich liebte einfach die Breaks und die Raptracks zu der Zeit bestanden eben zum größten Teil nur aus diesen 2 bis 4 tacktigen Loops. Somit war das einfach genau mein Sound. Damit hat für mich musikalisch alles angefangen. Bei den ersten Blumentopf-Sessions hab ich dann auch nur Funk Scheiben dabei gehabt und die Breaks aneinander gecuttet. Auch wenn das zu der Zeit schon lange nichts Neues mehr war, ich hab die Musik für mich auf jeden Fall auch von dieser Seite aus entdeckt.

4. Du legst immer noch sehr viel auf. Man sagt du würdest sehr eklektisch auflegen.

Du bist bekannt dafür, dass Du sehr viele Styles an einem Abend fährst. Rare Grooves, HipHop, Disco, Reggae, Elektro. Spielst du noch reine HipHop-Sets oder ist der Reiz daran verloren gegangen?

Ja ich denke für einen DJ mit Hip Hop Background leg ich relativ elektronisch auf. So bestehen meine Sets aus einer Art Schnittmenge zwischen Hip Hop, Elektronika und Diverses. Auch wenn die einzelnen Songs in meinen Sets im Plattenladen in verschiedenen Fächer zu finden sind, stehen sie immer in einem direkten Bezug zueinander.

5. Wie viele aktuelle Platten legst du noch in deinen Sets auf? Was hältst du vom augenblicklichen HipHop?

Ich lege sehr viel Aktuelles in meinen Sets auf. Reine Retro-Sets kann man gerne mal als Spezial spielen, aber sonst finde ich das langweilig und ich will das selber als Gast auch nicht hören. Ich will entertaint werden, ich will Sachen hören die ich selber noch nicht kenne usw.

Es geht also auch nicht darum nur das aktuellste zu spielen sondern auch Songs zu entdecken und zu spielen die man eben nicht jeden Abend im Club hört.

6. Jay-Z lässt ja vermelden das „30 is the new 20“. Viele Musikjournalisten rutscht auch in dem einen oder anderen Artikel auch mal die Bezeichnung „HipHop für Erwachsene“ heraus. Gibt es so was? Wächst man selbst mit HipHop ohne die Identifikation dafür zu verlieren? Wie siehst du das?

Ein Frage die ich oft höre. Gibt es eigentlich auch „House für Erwachsene“, „Jazz für Erwachsene“ oder „Rock für Erwachsene“? Man muss nicht alle Fassetten eine Musikrichtung feiern um sich mit ihr identifizieren zu können.

Ja man kann Hip Hop auch als Erwachsener hören, keine Frage!!

7. Augenblicklich gibt es ein ungewöhnlich hohes Maß an Begeisterung einer großen Masse an Rare Grooves und Sounds die sich zumindest daran aufrichten. Amy Winehouse und The Dapkings allen voraus. Diese Entwicklung kommt dir zumindest in deinen DJ-Sets entgegen, oder?

Ich freu mich natürlich darüber, dass eine Künstlerin wie Amy Winehouse mit ihren Album einen so breiten Erfolg hat. Ich hab mich leider etwas daran überhört – aber ich hab das Album auch gefeiert als es raus kam (ist ja jetzt auch schon ein bisschen her). Auf meine Sets hatte das aber nur geringen Einfluss.

8. Wie kam der Kontakt zu Michael Reinboth und Compost Records zustande? Das Label hat einen international hervorragenden Ruf als Plattform für NuJazz, Broken Beats, Future Boogie und House – eigentlich überhaupt nicht für HipHop?

… und genau deshalb ist Compost Records auch das perfekte Label für mein Album. „Red Handed“ ist ein Album das für Compost’ Verhältnisse relativ HipHop-lastig ist. Aber es hat auch so viele andere Einflüsse, dass man dem Album nicht gerecht wird wenn man es als ein schlichtes HipHop Album betitelt. Auf dem Album sind sechs Songs mit Rap-Feature der Rest ist gesungen oder instrumental.

Die Sound-Ästhetik ist sehr speziell und schlecht mit anderen Alben zu vergleichen.

„Red Handed“ braucht ein Label das „open minded“ und dafür bekannt ist, neue Sounds zu bringen. Somit ist Compost das perfekte Label für mein Album.

9. Auf deinem Soloalbum gibt es zwei Rap-Gastbeiträge, die mir aufgefallen sind. Zum einen BLU, dessen Album „Below the heavens“ mit DJ Exile eines der wirklichen Indie-Rap Jahreshighlights darstellte und vor allem an Rap aus der Goldenen Ära erinnerte. Zum anderen Frank’n’Dank, die vor allem durch die Nähe zum verstorbenen Produzenten J.Dilla auftrumpften. Hast du sie gewählt weil sie deine persönlichen Rapgeschmack spiegeln?

Ja ich mag Blus Album und die Frankn`Dank Sachen hab ich seit Tag eins gefeiert.

Eigentlich war nur ein Song mit FranknDank geplant. Wir haben uns im Studio getroffen um den Song aufzunehmen. Wir waren musikalisch so auf eine Wellenlänge, dass sie sich noch 3 weitere Instrumentals rausgesucht haben und wir letzten Endes 4 Songs aufgenommen haben. Das war definitiv einer der magischen Momente im Studio. Blu hat über ein Instrumental aufgenommen das ich zeitgleich auf der „Beat Dimensions“ Compilation veröffentlicht hatte. „Beat Dimensions“ wurde über Rush Hour veröffentlicht, ein Label das ja auch eher durch ihre Veröffentlichungen im elektronischen Bereich bekannt ist. Also auch hier dieser Schnittpunkt zur elektronischen Musik.

10. Südafrika, Australien, Russland, Deutschland, Schweiz, Libanon, Ägypten. Du kommst für die Aufnahmen zu deinem Album und als DJ viel herum in der Welt. Was war dein prägnantestes Erlebnis auf deinen Reisen?

Moskau war als DJ einer meiner besten Erlebnisse. Der Club war auf dem Dach einer stillgelegten Brauerei. Der Laden war so voll und die Leute haben so hart gefeiert dass die Besitzer den Laden um 3 Uhr schließen mussten. Ich hab dann noch schnell einen gefälschten Ausweis bekommen um dann noch in der gleichen Nacht mit irgendeinem „verbilligten“ Ticket weiter zu fliegen. Das war ein guter Spaß.

Unsere „Nah Ost Tour“ war aber natürlich auch ein herausragendes Ereignis. Ein Konzert in Bethlehem zu spielen ist schon was Spezielles und dass derartige Veranstaltungen im palästinensischen Hoheitsgebiet etwas anders ablaufen versteht sich von selbst.

11. Kennst Du dass, während du gerade „Play the funky music“ von Wild Cherry spielst, kommt ein Person zu Dir an DJ-Pult, baut sich sehr wichtig vor Dir auf und fragt in einem sehr fordernden Ton: „Wann spielst du endlich Funk, Alter“? Anekdoten?

Ja. Solche Sachen passieren immer wieder. Leider kann ich nur eine zeitlang nett und höflich bleiben. Manche haben keinen Respekt und treiben es dann wirklich zu weit. Immer wieder gibt es dann solche Situationen wie:

„… und nein, heute gibt es keine open Mic Session“

„… nein, du kannst nicht meinen Kopfhöhrer für eine Beatbox-Einlage haben“

strong text**12. Was wird man in Zukunft von dir hören?**

Als erstes wird es die Maxi „She likes me“ feat. Frank`nDank (B Seite „surrender“ feat. Blu) geben. Das Album „red handed“ kommt dann im Anschluss.

Parallel bin ich auch viel als DJ unterwegs. Das sollte man nicht verpassen.

Die aktuellen Termine findet ihr auf:

www.sepalot.com

oder

www.myspace.com/sepalot

Danke für das Interview.

Ich danke.

Interview: Peter Hagen (www.1beat.de)

Foto: Compost Records

http://www.compost-rec.com/sections/promo/media/298-3/cpt298-3_promo.html

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