Interview

Interview: DIGITALISM

digitalism

Digitalism ist ein Producer/DJ-Duo, bestehend aus Jens „Jence” Moelle und İsmail „Isi” Tüfekçi.Die beiden Hamburger bespielen inzwischen die ganze Welt, Clubs und Festivals, live oder als DJs.
Ihre kontiunierliche Art innovative Ansätze der elektronischen Musik zu entdecken und zu entwickeln brachte ihnen jetzt die Möglichkeit den neuesten Beitrag für die legendäre DJ-Mixreihe “DJ KICKS” zu machen!
Ihre Fusionen von Elektro, Techno, Indie-Pop und 80s-Affinitäten erobern gerade die Welt. Wir haben die beiden zu ihrem “State of the Art” befragt!

1. Die Legende besagt, ihr hättet Euch in einem Hamburger Plattenladen kennengelernt und so Eure Affinität zu elektronischer Mucke zueinander geführt. Gebt doch mal einen Einblick in eure gemeinsame Retrospektive!

Das stimmt, das ganze war ein bisschen wie bei “Hi-Fidelity”. Der Laden hieß “Underground Solution”, inzwischen gibt es ihn nicht mehr (nur noch per Mailorder, und sie sind umgezogen), und war auf House und Techno Vinyl spezialisiert. Deshalb waren eigentlich auch alle Kunden DJs. Jens hatte gegen Ende der Schulzeit angefangen dort auszuhelfen nachmittags, und Isi kam irgendwie fast jeden Tag vorbei, und wir verbrachten fast die gesamte Freizeit dort, Platten verkaufend, Platten durchhörend oder zum Auflegen-Üben an den Technics Plattenspielern. Seit Anfang der 90er waren wir von House und Dance Music fasziniert. Damals hatten wir Radiosendungen aufgenommen, die solche Platten spielten. Das war quasi – als Teenager – der Einblick in eine andere Welt, mit anderer Musik und total anderer Kultur. Das Nachtleben.

Ollie, der Besitzer, ist gut mit Louie Vega, Roger Sanchez und vielen anderen US-DJs befreundet und hat öfters auch Parties organisiert. Es war nur eine Frage der Zeit bis wir dort zusammen auflegten. Wir hatten dann angefangen, eigene Edits für unsere Sets zu machen, um etwas eigenes zu haben. Nach einer Weile ist das dann in komplett eigene Produktionen umgeschlagen. So hatte alles Angefangen mit Digitalism.

2. Ihr habt den neuen Betrag zur Kult-DJ-Mix-Reihe „DJ KICKS“ geleistet. Für was steht diese Reihe für Euch persönlich?

Die DJKicks-Reihe ist legendär, und wir kennen sie schon lange – seit wir im Plattenladen angefangen hatten. Jede Compilation ist etwas besonderes und bringt nicht nur interessante, neue Musik ‘auf den Tisch’, sondern ist auch etwas für Sammler. Dafür hat sich jeder, der einmal eine DJ-Kicks gemacht hat, etwas besonderes einfallen lassen.. Exklusive neue Tracks, Neu-Interpretationen oder sogar die totale Veränderung von Originalen (wie z.B. bei Erlend Øye). Wir kennen die Reihe schon lange, haben sie damals an Kunden verkauft und natürlich oft auch ein Exemplar mit nach Hause genommen für die persönliche Plattensammlung. Dass wir gefragt wurden, ob wir nun selbst eine machen können, ist eine große Ehre. Für uns bedeutet das vor allem Zurück-zum-Ursprung, da wir als DJs angefangen haben, und gleichzeitig ein großer neuer Schritt. So’n bisschen wie ein Ritterschlag.

3. Viele DJ-Kultur-Interessierte sind mit legendären Beiträgen von z.B. Kruder & Dorfmeister, Carl Cox oder Kemistry & Storm sozialisiert. Gibt es DJ-Kicks-Ausgaben die Euch sehr beeinflußt bzw. beeindruckt haben?

Besonders geprägt und begleitet hatten uns die DJKs von Trevor Jackson, Tiga und Erlend Øye. Das war die Zeit, als wir angefangen hatten, alles mögliche an verschiedenen Genres in unsere DJ Sets einzubauen, und Electroclash und Disco Punk hatten ein Revival. Zu der Zeit war der normale Output an House-Releases uns zu langweilig geworden, und gerade diese Künstler brachten erfrischende Abwechslung. Inzwischen sind wir mit ihnen gut befreundet.

4. Ihr performt live und legt auch auf. Man hat das Gefühl, dass ihr Euch stets darum bemüht Progression in Eure künstlerische Entwicklung zu bringen. Da konnte man in den letzten Jahren song-lastiges Material, dann Live-Drums und dann wieder straight clubbige Sphären anzusteuern. Spiegelt eure DJ-Kicks diese künstlerische Entwicklungsvielfalt?

Absolut, die DJ-Kicks ist nach ‘Idealism’, der Kitsuné Tabloid Mix Compilation und ‘I Love You, Dude’ als ganzes gesehen ein weiterer Aspekt unseres Schaffens – in diesem Fall sogar einer, der unseren Ursprung beschreibt. Während das erste Album eher Nacht-lastig war und wir uns beim zweiten mehr auf Songwriting konzentriert hatten, spielgelt die DJ-Kicks unser DJ-Dasein wieder, und zwar genau so wie wir früher angefangen hatten, Musik zu machen: Indem wir für unsere DJ-Sets während der Woche schnell neue Ideen im Studio (oder davor noch zu Hause) fertig produzierten, damit wir die dann spielen können. Bei der DJK ist es genauso: Wir haben satte fünf neue Tracks und zwei neue Remixe mit raufgepackt. Ein DJ-Set ohne neue Ideen und Material von uns gab es bei uns eigentlich nie.

5. The Band Digitalism wird man 2012 live on stage hören können. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Dieses Jahr haben wir extra eine neue Live-Show vorbereitet, die wir schon ausgiebig gespielt und getestet haben. Letztes Jahr hatten wir einen Live-Drummer dabei, und die Show war eher ‘konzertlastig’; diesesmal sind wir wieder zu zweit auf der Bühne, mit neuen visuellen Elementen, neuen Songs, neuen Sets und mit einem neuen Audio-Setup. Die alten 80er-Synthesizer haben wir diesmal zu Hause gelassen, und die Show ist insgesamt noch mehr auf den Punkt getrimmt. Macht auf jedenfall derbe Spaß. Jens singt natürlich. Nach den 90 Konzert-Shows letztes Jahr mussten wir mal wieder etwas neues entwickeln – wir sind immer schnell gelangweilt und brauchen Abwechslung! Deshalb – wer uns letztes Jahr gesehen hat, der muss gleich wieder vorbeikommen und sich eine Dosis Power abholen!!

6. In Eurem DJ-Kicks-Beitrag findet man u.a ein Stück von Alex Gopher. War French House wichtig für euer künstlerisches Dasein und DJing?

Wir sind seit Ende der 90er mit French House aufgewachsen. Als wir dann angefangen hatten, im Plattenladen zu arbeiten, hatten wir die Chance unsere Sammlung zu vervollständigen… Sämtliche Releases auf Roulé, Crydamoure, Citizen etc waren jedesmal was ganz großes. Die Jungs hatten es perfekt verstanden, simple Sample Tracks zu bauen, die total nach vorne gingen. Wir mögen es simpel, darin liegt eine große Stärke. Je einfacher, desto besser. Natürlich mussten wir aus der Riege etwas auf die DJ-Kicks mit raufpacken – schließlich sollte die Compilation unser gesamtes Spektrum abdecken.

7. Welche Tunes auf dem Mix sind jene, die in euren Augen jeden Club der Welt beglücken bzw. gespielt werden sollten?

Alle, da machen wir keine Ausnahmen.

8. Wie sieht es mit zukünftigen Projekten aus? Wird man 2013 etwas Neues von Euch hören?

Wir sind keine Freunde von großen Ankündigungen; vielmehr spielen wir gerne mit Überraschungen. Statt die ganze Zeit über Sachen zu reden sollte man die Musik sprechen lassen — insofern: Erstmal kommt die DJ-Kicks plus natürlich viel neues Material um das Release herum, und wir können nur sagen, es kommt so einiges auf die Leute da draußen zu.

9. Elektronische Musik hat eine Vielfalt wie nie zuvor. Dubstep, Minimal, die ganzen Spielarten von House und Techno etc. Gibt ein Genre/Subgenre, welche ihr gerade am spannendsten findet?

Man sollte die gesamte elektronische Szene als ganzes sehen und sich nicht zu sehr auf eine Nische stürzen. Es gibt allerdings einige interessante Bewegungen, sowohl aus England und Deutschland als auch den USA, die schon ca. zwei Jahre voraus sind musiktechnisch – das sind Klänge wie aus einem Science-Fiction labor.

10. Welche Platte sollte jeder DJ in seinem Case / auf seinem Laptop haben?

Eine von uns natürlich. Wenn auf dem Laptop, dann mit dem Cover dazu.

11. Vinyl, CD oder Mp3?

Alle drei medien – wir nehmen seit einiger Zeit keine Platten mehr mit zum Auflegen, weil die meisten Clubs nur noch verstaubte Turntables mit kaputten Nadeln haben. Für zu Hause wird aber fleißig weitergesammelt. Der analoge Sound ist einfach unschlagbar. Wir legen mit CDJs auf, daher gehören CDs zum Alltag bei uns dazu — und da wir so viel unterwegs sind, arbeiten wir viel mit mp3s im Emailverkehr…

VINYL IST ABER DAS BESTE. Und Tapes.

12. Wohin geht die DJ-Kultur durch die digitale Revolution (Serato, Traktor etc.)?

Eventuell wird es bald Cloud-DJs geben?

13. Wie wichtig sind 2012 DJs überhaupt noch?

Für die Club- und Musikszene sind DJs heutzutage noch wichtiger als je zu vor, denn die bringen die Musik und die Kultur vorwärts. Bei dem ganzen Brei, der sich momentan seinen Weg in die Charts bahnt, sind sie die einzige Rettung für alle. Alle neue Musik entsteht in den underground Clubs, bevor sie die breitere Masse überhaupt erst wahrnimmt.


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