Mit ihrem Album "S.O.S" verbinden die drei Odenwälder Künstler Ska, Reggae, HipHop und Rock zu einem lebensbejaenden Gemisch, dass vorallem Live seine Qualität ausspielt. Zu ihrer Einstellung zum Leben, der Umwelt und vorallem der Musik haben wir sie befragt. Ein sympathisches Interview mit drei Vollblutmusikern die sich nicht hinter einer Marketingtauglichen Fasade verstecken wollen.
Interview mit K-Rings Brothers:
1beat: Seit über zehn Jahren macht ihr nun Musik zwischen Reggae & HipHop. Deutschsprachiger Rap hat sich in der Zeit sehr verändert. Wie seht ihr das?
Friderico: Ja, das kann man wohl sagen. Eigentlich ist es ja immer schön, wenn sich etwas verändert. Leider hat dt. Rap für uns das verloren was es früher so magisch gemacht hat. Wir haben damit gestartet, weil Hip Hop für etwas Positives stand. Für den Mix an Musikstilen.
Sir Max: Man benutzte viele Funk, Jazz, Reggae und Rock Samples. Hip Hop stand für das Überwinden von Grenzen, von Sprache von Herkunft. Es war sehr „open minded“. So haben wir sehr viele Gleichgesinnte kennen lernen dürfen von denen wir zum Teil bis heute profitieren. Dadurch sind Freundschaften entstanden die uns sicher noch eine Weile begleiten werden.
Friderico: Es war damals noch nicht so bekannt wie heute, es gab erst Ansätze einer Szene. Man hat eben Leute kennen gelernt, von anderen etwas erfahren und so war es für alle cool. Heute hat sich das natürlich einiges verändert und die Mystik, dieses „Neue“ ist nicht mehr da. Kann sein dass es auch an uns liegt – das weiss ich nicht. Aber vielen anderen geht es ähnlich. Wir merken das daran, wenn wir auf Konzerten sind. Danach kommen die Leute und sagen so oft: „Hey – ihr wart so positiv und der Vibe war so gut – wie früher …..“
Aber wir selbst haben uns auch verändert, wahrscheinlich nicht in die gleiche Richtung wie der heute dt. Rap. Puuuh, Glück gehabt. (lacht)
1beat: Auffällig ist der positive Vibe, inhaltlich und musikalisch, von „Save our Souls“. Seht ihr Euch da schon etwas in der Conscious-Schiene?
Friderico: Schiene hin oder her, wir sagen immer wir fahren auf keinem Gleis, das hieße ja wir können nur da lang fahren wo die Schienen liegen. (lacht)
Sir Max: Aber ist schon richtig – wir wollen den Leuten etwas Gutes und Positives bieten. Ich selbst möchte ja auch nicht ´ne Platte kaufen auf der ich die ganze Zeit beleidigt werde oder auf ein Konzert gehen wo mich der Spacko auf der Bühne die ganze Zeit beleidigt. Es soll bei all den Problemen, die es ohnehin schon gibt, den Leuten zeigen – das es auch noch ein Funken Hoffnung gibt…. und dass man auch manchmal gut drauf sein muss – sonst hält man das Ganze doch nicht aus!
1beat: Gerade augenblicklich bekommt deutschsprachiger Reggae soviel Aufmerksamkeit wie nie zuvor. Nosliw, Iriepathie, Ohrbooten, Seeed sind die nächste Generation von Musiker, die mit dem Konzept, Reggae mit deutschen Texten, Erfolg haben. Das war nicht immer so. Begrüßt ihr diese Entwicklung, obwohl sie stark in den Mainstream und Pop geht?
Friderico: Ja, da können wir noch einige mehr Aufzählen, wie Mono und Nikitaman oder Irie Revoltes. Ich finde es immer gut, wenn Leute hier aus Deutschland etwas machen. Deren Sound ist ja auch eigen, ähnlich wie dt. HipHop damals… Hoffen wir mal, dass es dem Reggae nicht ähnlich ergeht wie dem HipHop. Erste Disses im Reggae gibt es ja auch. Mich erinnert Reggae derzeit eh sehr stark an HipHop damals…. Wir kennen das, auch wenn wir nicht ganz so tief in beidem drinne sind. Wir sind ja schon immer so eine Art eigener Auswuchs gewesen, quasi ein Bastard. Ich höre auch sehr viele deutsche Musik. Es gibt sehr viel talentierte Leute aus Deutschland…. freut mich – weiter so. Der Mix macht es auch hier.
Sir Max: Abgesehen davon bedeutet Pop oder Mainstream ja nicht gleich schlechte Musik. Klar, es geht irgendwann die Seele verloren, wenn die Industrie das Geld riecht.
Eine Band wie Seeed hat Erfolg,sie steigt aus dem Untergrund auf und bedient dann den Mainstream. Alles nicht schlimm, eher cool! Schlimm wird es aber erst, wenn 1000 Kopien in den Markt gepresst werden, weil es ja bei Seeed funktioniert hat und dann auf einmal alles schrecklich gleich und langweilig klingt…dann gibt’s den Overkill!!
Deswegen sollten alle Bands versuchen ihre eigene unverwechselbare Note in ihre Musik fliessen zu lassen.
1beat: Ihr kommt aus dem Süden der Republik. War Eure musikalische Sozialisation auch von den Künstlern dort geprägt. Advanced Chemistry, Stiebers, Massiven, FK etc.?
Friderico: Ja, Süden – wir kommen eigentlich so dazwischen her. Aber es stimmt schon eher Süden. Ja klar, all die Mukke aus der Region haben wir gehört und hören sie zum Teil jetzt noch. Wenn man sich die Stieber Platte anhört oder auch Blauer Samt, dann muss man sich nicht wundern, dass die Jungs keine Platte mehr rausbringen. Damit ist eigentlich was Hip Hop in Deutschland angeht alles gesagt. Mittlerweile kennen wir die natürlich alle persönlich. Für Torch zünden wir sogar immer noch bei jedem Konzert eine Fackel an. Ihr müsst mal vorbei kommen… dann wisst ihr was ich meine.
**1beat: Es ist ungewöhnlich und man hört es nicht oft, dass Künstler Umweltprobleme thematisieren. Euch scheint das wichtig zu sein. Habt ihr keine Angst als „Öko Rapper“ oder ähnliche, plakative Äusserungen einen gewissen Stempel zu bekommen? **
Friderico: Öko Rapper, nö nö – damit haben wir nicht wirklich was zu tun. Wir sind ja auch nicht öko. Wir sind eben Odenwälder. Wir sind mitten in der Natur aufgewachsen. Wir haben schon früh den Umgang mit der Natur gelernt – daher müssen wir über die ganzen Ökos immer etwas schmunzeln. Die kommen aus Berlin, wohnen in einer Altbauwohnung ohne Isolierung und mit alten Fenstern, heizen die halbe Innenstadt mit – aber machen schön einen auf Öko….
Sir Max: Wir sind einfach normale Menschen, die die Augen offen halten und sich bewusst sind, dass die Natur ein Teil von uns ist!
1beat: Ihr ward auch schon mit De La Soul und Arrested Development auf der Bühne gestanden. Gerade die Künstler/Gruppen haben ja immer diesen gewissen Touch der Hippie-Romantik & Sozialkritik sowie Lebensfreude mit ihre Musik transportiert. Das hört man auch bei Eurer Musik. Waren das große Inspirationen für Euch?
Friderico: Weil wir so sind haben wir eben mit denen auf der Bühne gestanden. Die Veranstalter oder auch das Management von Arrested haben uns ausgewählt weil ihnen der Vibe gefallen hat. In München haben wir mit Arrested gespielt und nach der Show kam Speech an und war sowas von den Socken. Er meinte er hätte so einen geilen Mix von Musik noch nie gehört und das auch noch von uns Bleichgesichtern aus Deutschland. Deren Weltbild ist wahrscheinlich an dem Abend zusammen gebrochen …(lacht).
Sir Max: Gerade in dieser Welt wo alle im Partyrausch und Fernseh-Gehirnwäsche sich selbst was vormachen, ist es wichtig mit einer Message und gleichzeitig guter Musik zu kommen und gerade auch kritisch die Umwelt zu betrachten. Wir leben zwar in einer freien Welt, aber sind wir wirklich so frei? Die frühen 90iger HipHop Collective wie Native Tongues, SoulAssasins und die Beasties packten genau dieses inspiriende Feeling auf ihre Platten, dieses hiphop-punk-chill feeling!!! Wir haben damals von Nirvana, Rage against the machine, CypressHill, NoFX, Sublime bis Onyx, Biohazard und House of Pain einfach alles gehört!! Es gibt so viele gute Platten, die uns inspirierten….
1beat: Samy Deluxe erwähnt immer mal wieder in Interviews, dass er keinen deutschsprachigen Rap hört. Das könnte man durch so interpretieren, dass es die Unity im Deutschrap nicht mehr unbedingt gibt. Interessiert es Euch noch, was wer wo in Deutschland an HipHop und affinem Stuff macht?
Friderico: Sehr schade, weil ich denke, dass sich die Leute gegenseitig inspirieren könnten. Aber wenn man die Musik der anderen nicht hört, kann daraus auch nix werden. Gerade die Hamburger Sachen haben wir früher auch echt sehr abgefeiert. Fettes Brot sind eine von sehr wenigen Bands, die aus der dt. HipHop Glanzzeit noch erfolgreich übrig sind! Aber die Andern haben da soviel Inzucht betrieben, und sich so abgeschottet vom Rest. Echt schade! Die haben einfach sehr viel verpasst…(lacht).
Sir Max: Jetzt sehen wir ja was das Resultat ist! Die Blüte ist verwelkt! Wir haben damals echt alle Platten gekauft. Man muss immer ein bissel offen sein, und auch mal in aktuelle Platten reinhören! Nur so kann man sich weiterentwickeln!
Cabser: Mittlerweile kommt sehr wenig Zeug aus Deutschland was man so hören kann. Die ganzen Gangsta Sachen, mit denen kann ich wenig anfangen – da fehlt mir der Soul. Wir hören halt ab und zu die alten Sachen….. da gibt es ja genug und wir machen einfach selbst genug Lieder die wir uns dann eben anhören. Auch die Leute aus unserem Umfeld machen gute Sachen. Ich sage nur Anael & Jeanne, Peripherique, Monologue! Das reicht (lacht).
1beat: Ihr seid als leidenschaftliche Live-Musiker bekannt. Wie sieht Eurer Plan für 2008 aus? Im Juli erscheint das Album. Wie geht es weiter?
Sir Max: Wir haben ja eine Menge Festivals dieses Jahr gespielt! Spielen aber dieses Jahr auch noch ein paar! Wir spielen am Fusion Festival, Chiemsee Reggae, Bockmas Open Air, Imagine Festival, Crash & Click Open Air und… mehr fallen mir gerade nicht ein… checkt unsere Page www.k-rings.de
Cabser: Auf der Bühne spielen wir ja auch unsere Instrumente. Wir sind also quasi auch die Band! Also es gibt ne bunte Mischung für die wir ja auch bekannt sind (lacht).
Friderico: Da gibt es richtig Ramba Zamba Action!!!
Im September sind wir in der Schweiz unterwegs und im Oktober kommen wir dann in die Clubs in Deutschland…. Denke da sollten wir mal fast überall vorbei kommen….
**1beat: Auf „SOS“ ist Xavier Naidoo zu Gast. Man weiss ja durch die Release der Söhne Mannheims, dass Xavier Reggae Musik mag. Wie kam es zu dieser Kooperation? **
Friderico: Xavier ist zwar sehr bekannt, aber er hat großes Interesse an neuer Musik und so hat er auch uns entdeckt – scheinbar durch seinen DJ Billy. Xavier hört ja auch viel deutsche Musik – also auf jeden fall unsere zumindest (lacht). Dann hat er uns eines Tages angerufen, da wir ja aus derselben Region kommen. Dann kam das eine zum anderen und es ist eben der Track entstanden. Es ist aber kein Reggae Track geworden.
1beat: Live und auf Wax verbindet ihr Reggae, Ska, Rap, Rock und mehr. Mit wem würdet ihr am Liebsten auf TOUR gehen? Passen würde ihr ja zu vielen Künstlern. The Roots, Gentleman, Xavier Naidoo?
Friderico: Ja, am liebsten vor allen und auch noch anderen … das ist uns wichtig!! Bei uns ist es ja so, dass wir keinem Musikstil angehören und von diesem geknechtet werden wollen. Die Musik-Stile haben sich uns unterzuordnen. Wir wollen was ausdrücken und dazu ist uns gerade jeder Stil recht. Und eben manchmal muss man sich mehr als einem oder zwei Stilen bedienen., Wir sind so frei, was bestimmt aber bei dem einen oder anderen nicht so auf offenen Ohren stößt (lacht). Aber jetzt zur Tour Frage, ich habe schön versucht auszuweichen – ich weiss. Am besten wäre es, wenn die mal zusammen ne Tour machen würden. (lacht). Das ist ne schwierige Entscheidung, weil wir eigentlich alle davon cool finden! Wir würden es am liebsten wie folgt machen. Erst mit Gentleman durch Europa, dann mit den Roots durch den Rest der Welt und als krönenden Abschluss mit Xavier oder eben den Söhnen durch Deutschland. Das wäre doch mal ein guter Plan für 2008/09!
Interview: Peter Hagen
Fotos: Fritz / Pheripherique
Das Album kann man auf Vinyl & Cd kaufen!
Und zwar am Besten hier:
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