1beat-Interview mit DJ ZEE REACH (STRASSBOURG/FRANCE):
1beat.de: Moombahton ist der Sound der Stunde, den du auch produziert. Was fasziniert dich daran?
Was mich am Moombathon fasziniert, ist die grenzenlose Möglichkeit genau den Sound einfließen zu lassen den man mag. Ich mag gerne den Rhythmus Reggaeton mit dem Sound von House, das ist eine gute Mischung zweier Musikstile die dafür gemacht ist sich zu ergänzen, zu Es ist sowieso die perfekt Musik zum auf der Tanzfläche zu flirten! Im Moment entwickelt sich der Moombathon sehr schnell und es gibt mehrere verschiedene Formen wie den Moombahcore, den Moombahsoul um nur einige Subgenre-Entwicklungen zu nennen die ich bevorzuge. In meinen Produktionen muss sofort bouncen!
1beat.de: Du kommst eigentlich vom HipHop. Nun machst du elektronische Musik. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Hattest du schon immer eine Affinität zu elektronischen Sounds wie die von den Pionieren wie Afrika Bambaataa?!
Hahaha! Bambataa! Das ist lustig. Als ich ein Teenager war und ich angefangen habe an den Plattentellern der Eltern eines Freundes herumzuspielen hat man mich „Afrika Boom Batsard“ genannt! Ja es ist richtig, ich war schon immer an der elektronischen Musik interessiert und eigentlich an jeglicher Musik! Ich glaube das zeigt sich in meiner heutigen Musik. Ich weiß nicht wirklich wie es dazu gekommen ist, ich habe schon immer die unterschiedlichsten Musikstile angehört, aber der HipHop und der Elektro sind wirklich Teil meiner Generation und sind bis heute meine bevorzugten Musikstile. Auch als ich mit 16 Jahren meine erste Platte gekauft habe, konnte ich sowohl HipHop als auch Elektro mixen. Das ist lustig, weil viele HipHop-Djs nun auch Elektro (Dubstep, DrumnBass, House etc.) auflegen und produzieren. Früher wurde es eher noch als Verrat angesehen, was ich nie verstanden habe.
1beat.de: Die musikalischen Fusionen und Hybriden die man gerne unter Tropical Bass, Global Beats oder Moombahton versucht zu umschreiben sind sehr schwer zu fassen für die breite Masse. Wie erklärst du jemanden was du genau machst?
Das was ich mache ist eine Mischung aus allen Musikstilen. Für mich beinhaltet der Begriff „Global Bass“ sowohl Tropical Bass, Moombathon, Baille Funk, Cumbia, B-More, Kuduro als auch alle Stile die zwar anders (unterschiedlich) sind ,aber alle eines gemeinsam haben: den Klang des Elektros. Vielleicht täusche ich mich auch, aber das ist meine Vision aller dieser Musikstile und die daraus hervorgehen. Ich sage gerne, dass ich Musik mache, mit der man sich einfach amüsieren kann und dazu tanzen kann! Ich finde es super, dass auch Leute der breiten Masse und Anhänger anderer Musikstile meine Musik mögen! Es gibt Rocker, HipHop-Heads und andere Sänger die mir Nachrichten schicken, um mir zu sagen, dass sie meine Musik mögen. Dieses Feedback nach Auftritten und DJ-Gigs liebe ich und es treibt mich weiter.
1beat.de: Du bist einer von vielen aufstrebenden Produzenten einer Generation die offensichtlich keine Genre-Grenzen mehr möchte und sich nicht mehr über eine Subkultur definiert. Steht das nicht im Widerspruch zu dem was du früher als HipHop-Produzent warst und puristische, sehr traditionelle Boombap-Beats gebastelt hast?
Haha, vielen Dank, Peter! Ich weiß nicht ob ich einer der aufstrebenden Produzenten bin, aber ich kann zumindest sagen, dass ich viel positives Feedback bekomme und dass Leute meine Musik mögen! Ich finde es super, dass die neue Generation sehr offen ist und sich nicht über eine einzelne Subkultur definiert. Das habe ich schon öfter festgestellt und selbst ich, obwohl ich nicht von dieser Generation bin, denke ich, dass ich die Musik an sich mag und nicht nur einen speziellen Musikstil.
1beat.de: Wie ist die Szene weltweit vernetzt? Kennt man und supportet man sich gegenseitig?
Das hängt damit zusammen, inwieweit man mit den Leuten etwas zu tun hat.. Vor noch nicht all zulanger Zeit habe ich DJ Banana Split (Moombathon/House DJ) in Strasbourg während einer Party kennengelernt, bei der wir beide gebucht waren und wir haben uns gut verstanden. Ich habe ihn angefragt für einen Remix auf meiner EP und auf der Zee Reach-Release-Party am 06. Juli 2012 aufzulegen und im Gegenzug hat er mich eingeladen, mit ihm während „Fete de la musique“ (Festivaltage) aufzulegen. So kam es zu sehr gutem Austausch. Ebenso habe ich Kilbourne gefragt, ob er einen Remix für meine EP macht und ich habe einen für seine EP „Faye Reagan“ gemacht, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Darüber hinaus hilft er mir einen Gig in Connectitcut während meiner East Coast USA Tour zu finden. Auf der anderen Seite gibt es auch Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe und seitdem nichts mehr von ihnen gehört habe, vielleicht mögen sie nicht meine Musik oder sie behalten ihre Pläne lieber für sich. Hahaha, business is never personnal! Im Allgemeinen unterstützen sich die Künstler untereinander! Man muss jedoch sehen, dass das Musikbusiness zu 50% aus Leuten besteht, die nur aus purem Eigeninteresse mit anderen zusammenarbeiten und dabei auch nur an sich denken, es ist bei weitem nicht die Welt der ehrlichersten Menschen! Und dies ist nicht nur im Elektro der Fall!
1beat.de: Im Interview mit dem Szene-Aushängeschild schlechthin, El Hijo de la Cumbia aus Argentinien, kam heraus, dass er die Erneuerung der alten Rhythmen durchaus schützenswert vor dem Sellout findet und die politische bzw. sozialkritische Aufgabe dieser Musik oft vermisst! Wie siehst du das?
Ich stimme dieser Vision von Musik vollkommen zu! Eine Botschaft über die Musik zu vermitteln ist wichtig! Wenn ich Musik produziere , dann mit der Botschaft, dass alle gleich sind und alle gleichermaßen Spaß haben! „Peace&Love, Unity& Having fun!“ Ich respektiere die Gruppen die ernste Botschaften übermitteln können aber ich bin nicht so gut darin über meine Musik etwas zu kritisieren. Meine Musik kann manchmal etwas brutal sein und du spürst eine Art Protest und eine Kraft des Kampfes, aber sie sagt dir niemals was zu tun ist, sie lässt einem immer die Wahl und viel Platz für die Ideen in dir selbst. Ich bin kein Anführer oder sonstiges! Das wäre als Sänger und Songwriter leichter. Das ist übrigens auch besser so (lacht!)
1beat.de: Daniel Haaksmann aus Berlin, Schlachthofbronx aus München, Capatin Planet aus New York, Urban Records aus Skandinavien, Chusma Records und einige andere Aktivisten überzeugen seit einige Jahren mit überragenden Produktionen und Veröffentlichtungen – und trotzdem hat man das Gefühl, sie bekämen nicht die würdige Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wie kann man deiner Meinung nach dieses „Tropical Bass“-Ding bekannter machen?
Ich glaube die Leute hören was Ihnen gefällt und im Allgemeinen suchen sie nicht selbständig nach Musik. Im Moment gibt es unglaublich viel Musik die auf den Markt kommt und es ist schwer zu überblicken – das bringt mit sich, dass man als Künstler nicht wahrgenommen wird in der Masse! Ich glaube, dass TropicalBass schon gut bekannt ist und er wird die Aufmerksamkeit des Publikums erhalten wenn wir ihn abends auf den Partys auflegen und diesen Sound weiter verbreiten. Um TropicalBass/Global Beats noch bekannter zu machen müssen sich auch die bereits bekannten und prominente Musiker für diesen Stil interessieren! Siehe Dubstep! Aber ob das dann wiederum so gut ist, weiß ich auch nicht. Besser wäre es wenn die ganze Welt meine EP kauft damit ich Millionär werde!!! So könnte ich die unbekannten Gruppen unterstützen kann und eine internationales TropicalBass Chaos anrichten!! Nein, im Ernst! Im Bereich Moombathon gibt es die Gruppe Yellow Claw, die aktuell in die niederländischen Charts eingestiegen sind, das ist vielleicht der erfolgreiche Anfang des Global Bass in Europa!
1beat.de: Moombahton ist laut Wikipedia eine Mischung zwischen House und Reggaton. Das ist meiner Meinung nach etwas sehr beschränkt definiert. Dubstep und sämtliche Bass-Culture-Sounds fusionieren doch mit latin-esken und karibischen Klängen zu dem Überbegriff. Wie siehst du das?
Ja der Moombah ist eigentlich eine Mischung aus Reggaeton und House! Das ist vielleicht zu einfach gesagt, aber die Leute nehmen es so wahr und geben es so wieder. Natürlich spielt hier noch viel mehr hinein und viele Stile fusionieren hier! Das ist das Spannende!
1beat.de: Aktuell kann man deine brandneue EP „Can’t stop“ bei allen digitalen Musiksupermärkten kaufen. Was erwartet den Käufer bzw. Hörer?
Man kann meine Musik hören um mit vollem Speed dazu Fahrrad zu fahren, um im Rhythmus von 110 bis 140 BPM zu laufen oder Partys zu feiern, tanzen, springen, flirten. Man kann auch seine Nachbarn mit einem Mega-Bass ärgern (wie meine Nachbarn über mir es machen) und im Club dazu derbe ab zu rocken und durch zu drehen! Den Hörer erwartet also Musik, die er vielfältig einsetzen kann!
1beat.de: Was wird man in Zukunft von dir hören in Sachen eigene Produktionen?
Ich bin dabei meine nächste EP vorzubereiten, die anders sein wird als meine aktuelle EP! Sie wird dennoch mein Branding haben. Es wird eine EP mit Moombathon mit einem orientalischen Touch, mit HipHop-Bounce als Basis und karibischen Klängen und Jump style mit Dabcehall-Samples zu Elektro-sound geben! Das wird euch einheizen!
1beat.de: Du bist auch DJ! Wo hat man die Möglichkeit dich in Zukunft zu hören & sehen können, außer auf der Global Booty Shake Clubnight im September in Freiburg/Germany?
Ja ich werde im Sommer einige Gigs in Europa spielen. Eine US-Tour ist gerade in Planung. Hier könnte ihr mich antreffen:
June 21, Fête de la musique @ Place Broglie, Strasbourg/France
June 23, Private Party “Color your life” /France
July 06, Zee Reach Can’t Stop Release Party @ La Java, Strasbourg/France
August 26, Noting Hill Jamaican Carnival, London/United Kingdom
September, Global Booty Shake @ KGB, Freiburg /Germany
September 29, Sneakers Trade Show Event, Strasbourg/France
1beat.de: Welche 10 Platten / Mp3s sollte man sich auf jeden Fall zulegen wenn man Tropical Bass hören will!?
Es gibt gerade so viele gute Musik. Schlachthofbronx sollte man auf alle Fälle haben!
1beat.de: Wer wird Fussball-Europameister? Frankreich oder Deutschland?
Ahh haha keine Ahnung! Ich sage Frankreich, um mein Land zu unterstützen! Es ist mir jedoch nicht so wichtig! Auf alle Fälle werden wir gemeinsam eine Flasche Jägermeister trinken, denn einer von uns wird auf jeden Fall gewinnen!
1beat.de: Das ist doch mal eine Ansage für die Europameisterschaft und die Feierei danach! Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast und viel Erfolg mit der EP „Can’t stop“!