Interview

Vienna Special: Shantisan Interview

Vienna Special: Shantisan Interview

Shantisan legt seit 1995 in Wien und Umgebung auf und betreibt die Salted SoulRadioshow. Geprägt wurde er natürlich durch Kruder, Dorfmesiter,Vienna Scientists und weiteren Downbeat-Strömungen die die Stadt weltweit bekannt machten. Er hat aber einen eigenen Style. Sein erstes Release "Sol*Selectas" erscheint im Mai 2008 und zeigt seine musikalische Vielfalt und seinen Hang zum eklektischen Groove. Seine DJ-Sets und Radiosendungen sprühen voller Afro Grooves, Brazilian Rhythms, Funky Breaks, Latin bis hin zu souligem Drum ’n’ Bass. Zeit für ein Gespräch mit dem umtriebigen Wiener Soundologen.

  1. Scheibosan, Darcosan, Shantisan… – Ihr Wiener DJs habt lustige Namen. Wie bist Du darauf gekommen, was bedeuter er?

Ich startete mit dem Auflegen vor mittlerweile 13 Jahren, und bildete mir zu diesem Zeitpunkt ein, dass ich unter meinem bürgerlichen Namen, Herbert Bachhofer, nicht die große Dj Karriere einschlagen könnte. Zum einen schien mir der Name für einen Dj zu lang, zum anderen zu eckig- also braute ich etwas „cooleres“. Daher stellte ich folgende Überlegung an:

Der erste Teil „Shanti” faszinierte mich seit meines 6-wöchigen Aufenthalts auf der vom Hinduismus geprägten Insel Bali – dieses Wort steht für „Weltfrieden“; die „San” hingegen sind ein Südafrikanischer Stamm, der für seine ausgeprägten Trommelrhythmen bekannt ist. Folglich ergab sich also diese Kombination aus beiden Teilen. Mittlerweile habe ich mich so an den Namen gewöhnt, dass ich auch privat bereits Shanti genannt werde.

  1. Wien ist für zahlreiche DJs weltberühmt bekannt: Kruder, Dorfmeister, Rodney Hunter, Drimal, Dzihan, Kamien, Scheibosan… – was war für Dich Auslöser, auch DJ zu werden – prominente Konkurrenz gibt´s ja massig?

Beeinflusst von Familie und Freunden fand ich eigentlich schon sehr früh meinen Weg zur „Black Music Culture“. Ich konnte fast nicht anders, als sämtliche Spielarten afro- und lateinamerikanischer Musik (Soul, Jazz, R’n’B, Brazil, Latin, Funk, Afro, etc.) zu sammeln. Schlussendlich hatte ich eine Vielzahl von Platten zu Hause, die mich Mitte der 90er dazu führten meine Sammelleidenschaft in Form des Djs mit einer tanzenden „Crowd“ zu teilen. Dies führte zu regelmäßigen Bookings. Kruder und Dorfmeister, aber noch vielmehr Jürgen Drimal, der Gründer des legendären Plattenlabels Vienna Scientists, beeinflussten mich auf jeden Fall stark zu dieser Zeit und prägten meinen Musikstil. Es stimmt zwar, dass die prominente Konkurrenz massig vorhanden ist, doch im Endeffekt hat sich gezeigt, dass mir gekonntes Drehen der Platten und eine gute Auswahl jener einen fixen Platz neben all unseren bekannten Djs verschafft hat.

  1. Wie würdest Du Deinen DJ-Style beschreiben? Was erwartet die Tageins-Besucher am 12.5.?

Mein Dj-Style lässt sich in in erster Linie garantiert als sehr abwechslungsreich beschreiben, da meine Sets ein breites Spektrum von Musikstilen bieten. Im Tageins möchte ich gern einen Mix aus Afro Grooves, Brazilian Rhythms, Funky Breaks, Latin bis möglicher Weise hin zu souligem Drum ’n’ Bass spielen und versuche damit ein Lächeln in die Gesichter der Gäste zu zaubern, die sich an diesem Abend ordentlich wohl fühlen und richtig Party machen sollen!

  1. Seit geraumer Zeit arbeitest Du auch an eigenen Releases. Auf was können wir uns in der Zukunft freuen?

Anfang Mai werden auf dem Amerikanischen Plattenlabel Sol*Selectas zwei meiner Remixes veröffentlicht, die ich bestimmt im Tageins auflegen werde. Momentan arbeite ich mit Musikern aus Brasilien zusammen und entwickle damit Songs für ein eventuelles Album. In erster Linie konzentriere ich mich allerdings auf die Veröffentlichung einer 12“ Single mit einem eigenen Song, die wahrscheinlich auf meinem eigenen Label „Salted Soul“ erscheinen wird. Für diese Platte gibt es dan Remixes von Quincy Jointz, Dj Farrapo aus Italien und Shanti Roots aus Wien. Parallel dazu arbeite ich an einem Remix für Basement Freaks in Griechenland, sowie einem Edit für zwei sehr talentierte Musiker aus Graz. 2008 wird also noch ein ereignisreiches Jahr für mich.

  1. Nochmal Wien: die Stadt ist vor allem durch seine relaxten Downbeats bekannt.

Findet man den Sound überhaupt noch in Wien oder hat sich der Sound der Stadt verändert?

Der Sound in Wien hat sich leider stark verändert. Am ehesten erinnern Parties auf denen Dubstep gespielt wird an die gute alte Blütezeit der 90er Jahre. Man hört Downbeat schon noch im Hintergrund in den Cafes und Lounges, doch Parties sind leider momentan, wie wahrscheinlich überall, von House und Electro geprägt. Dies ist mir eigentlich unvorstellbar, da in Österreich nach wie vor gute Musik produziert wird- kaum jemand legt sie allerdings dann am Abend in den Sets auf. Dieses Phänomen hat auch schon einige ausländische Booker und Veranstalter enttäuscht. Der Sound der Stadt lässt sich nicht mehr so klar definieren wie einst, doch viele gute Produzenten arbeiten fleißig daran das musikalische Level hoch zu halten. Auch wenn der Downbeat momentan nicht mehr dominant ist, so lässt sich der Wiener Sound nach wie vor aus Nummern klar heraus hören.

  1. Was war Dein lustigestes DJ-Erlebnis?

Das ist jetzt so „auf die Schnelle“ eine wirlkich schwierige Frage- normalerweise habe ich beim Auflegen immer enormen Spass und gute Laune- allerdings fällt mir etwas Konkretes im Moment leider nicht ein.

  1. Wenn man Wien besucht, was muss man unbedingt gesehen haben?

Wien ist eine herrliche Stadt- neben dem Stephans Dom, dem Prater, der Kärntner Strasse und der Mariahilfer Strasse gibt es eine Fülle für Besucher zu entdecken- ein wunderschöner Ort ist zum Beispiel das Museumsquartier, wo sich neben zahlreichen Restaurants auch das Museum für Moderne Kunst, die Sammlung Leopold, ein Radiosender und ein Cafe/ Club finden lassen. Auf dem dort befindlichen Platz in der Mitte legen in den Sommermonaten, sowie im Dezember Djs unter Tags open-air auf! Ebenfalls einen Besuch ist der gesamte Verlauf der Ringstrasse, die Hofburg, das Schloss Schönbrunn oder auch Belvedere wert! Für Jazzfreunde bietet Wien unter anderem Joe Zawinuls Birdland oder das Porgy&Bess. In ganz Wien gibt es herrliche Cafes und Restaurants. Liebt man guten Wein lohnt sich ein Besuch bei einem der zahlreichen „Heurigen“- dort wird in gemütlichem Ambiente Wein ausgeschänkt- wie zum Beispiel im Bezirk Grinzing. Doch nun genug der Schwärmerei- Wien muss man einfach einmal besuchen- ich denke mir oft, was ich für ein Glück habe, meine Tage in dieser Stadt verbringen zu können!

Interview: Dirk Schäfer

Fotos: Shantisan

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