Review

Adlib: Hi-Hat-Club Vol.6

Adlib: Hi-Hat-Club Vol.6

Review:

Melting Pot Music, unser kleines Lieblingslabel aus Köln, hat in den letzten Jahren viel an großartiger Musik geboten. 2011 hatten sie mit „Lumberjack Soul“ von Miles Bonny eines der wichtigsten Soul-Alben des Jahres in ihrem Roster. Daneben konnte man immer mehr Underground-Vibes von Beatfricklern und Musikern hören, die in keiner Weise eine Relevanz für die breite Masse hatte, jedoch sehr wohl, ein größeres Publikum ansprach, als man vorher für möglich hielte. Die Resonanz auf die Reihe „Hi-Hat-Club“ war immens. Es hat eine Weile gedauert, bis die Heads kapierten, welches Potential in den Instrumentals der Beatschmiede aus Europa (Brenk, Fid Mella, Twit One, Suff Daddy, Dexter, Hulk Hodn, Full Create, FS Green) steckte.

DJ Sepalot (Blumentopf), seines Zeichens einer der kreativsten Beatmaker in deutschen Laden, hat es bereits in diversen Interviews verlauten lassen: Die Produzent sind endlich autonom von den Sängerinnen, Sängern & Rappern im Vordergrund.

Die „Hi-Hat Club“-Serie hat diese Behauptung unterstrichen und sehr erfolgreich hervorgehoben. Jeder Teil der 5 bisherigen Werke war eine Meisterleistung für sich. Dabei sollte man gerade hier in einer Rezension nicht mit Lob sparen, weil es gerade die instrumentalen Klangwelten (ohne Frontkünstler) bisher nie wirklich schafften, die Anerkennung zu bekommen, die ihnen ohne Zweifel zu stand. Daran änderte auch die Popularität von TripHop nichts. Die Großtaten von Krush, Shadow oder Food werden heute nur noch von einem kleinen Kreis an Liebhabern gehuldigt und sind für viele auch zu den damaligen Zeiten nicht wirklich relevant geblieben. Im HipHop war ein Premo oder Pete Rock-Beat meist auch nur gewürdigt, wenn ein famoser Rapkünstler seine Reime darüber spuckte. Das Interessen an rein instrumentalen HipHop-Entwürfen hielte sich schon immer in Grenzen. Die Kreativfeuerwerke von Dexter oder Brenk, die traditionelle Boom-Bap-Beats – mal eher West, mal eher Eastcoast sozialisiert – auf ein modernes Level heben, haben diesen Umstand verändert. Die Menge der Menschen, die den Beats der Produzenten wieder Liebe schenkt und zuhört, ist gewachsen. Und mal im ernst, wenn mir jemand erzählt, dass er Dilla’s „Welcome to Detroit“ vor dessen Tod schon 24/7 gefeiert hat und eigentlich auch nur die Instrumentals mag, dann muss ich heute noch schmunzeln.

Deshalb wäre es fatal, nicht gleich die nächste Hi-Hat-Club ins Rennen zu schicken! Diese kommt von einem in Insiderkreisen sehr geschätzten DJ und Beatbauer namens ADLIB. Aus der Wiege der Turntablism Crew Noisy Stylus räumte er schon Ende der 90er ab und es folgte sogar ein Turntablism-Album namens „Table Manners“.Auf Danny Breaks Label Alphabet Zoo veröffentlichte er eine EP, beim Düsseldorfer Label Tuntable Jazz erschien eine 12″. Beides Mal mit Gastauftritten des Stones Throw MC’ MED. Aussserdem lieferte Adlib Beats für den US Rapper Dynas und Sylabil Spill (ENTBS).

Mit „Haus & Garten“ erscheint nun endlich Adlib‘s erstes komplettes Album. Dabei hört man sofort, dass Herr Olski, der Labelchef, hier wieder jemanden gesichtet hat, der sich musikalisch nicht begrenzen lassen will und es hörbar auch nicht macht. Das mächtige „For Shore“ flirtet mit heftigen Basslines und auch mit dem Dubstep. „Alex Harvey“ bringt Elemente aus dem House und spielt mit den 80s-Synthies ohne cheesy zu werden. „Electric cars“ ist der Beitrag mit der süßen Portion Soul. „Lorwdamercy“ die 80s-Synthies und den brachialen Dubstep dann in ein Gleichgewicht bringt und hörbar von Hudson Mohawke beeinflusst ist. Die alte Schule wird zelebriert auf „U & I“ mit satten Live-Drums.“Been around the world“ mit Declaine zeigt, dass Adlib durchaus Inspirationen nicht nur aus Detroit und England eingeatmet und verarbeitet hat. Hier gibt es hörbar seine Verbindung zum Bruder Madlib von der amerikanischen Westküste preis – und das ist auch gut so. Und inzwischen kann man berechtig fragen, warum auf „Streets“, diesem Monster an Beat, wirklich der hervorragende Planet Asia wirklich rappen hätte müssen! So ändern sich die Zeiten. „Bang it out“ mit dem alten Dilla-Gefährte und Sepalot-Kooperationspartner Frank Nitty bietet aber dann auch das Argument, einen kongenialen Partner auf ein Detroit-Brett rappen zu lassen – wobei auch hier wieder der Beat allein einen Kauf wert ist. „Haus & Garten“ ist massiv. Mit oder ohne Rapper.

Text: Peter Parker


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