Es gibt so ein paar Dinge auf die eine Stadt sehr stolz ist. Eine davon ist ÄL JAWALA. Hinter dem arabischen Wort für „Reisende“ steckt eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern die sich schon vor dem ganzen Balkan-Boom um Musik gekümmert haben die auf der ganze Welt zu Hause ist und sein Inspirationsquellen im Orient wie in Süd-Ost-Europa hat.
Tatsächlich kommt die inzwischen weltweit gebuchte und renommierte Combo aus dem kleinen süddeutschen Studentenstädtchen Freiburg im Breisgau – und die Stadt ist sehr froh so eine kulturelle Bereicherung sein Eigen nennen zu können.
Es ist natürlich zu wünschen, dass diese Pioniere nun auch ihre Popularität in den Plattenverkäufen wiederspiegeln könnten. Nach elf Jahren sind sie auf der ganzen Welt eine gern gesehene und gebuchte Live-Band die schon vor so langer Zeit angefangen hat, traditionelle Klänge aus allen Ecken der Erde mit Beats zu vermischen. Irgendwann kam jemand und hat das als „Balkan Big Beats“ verkauft bzw. betitelt, obwohl ihre Musik gänzlich wenig mit der von Fat Boy Slim oder Freddy Fresh zu tun hat.
Äl Jawala haben ihren eigenen Sound etabliert – und welche Band kann das schon von sich behaupten? Mit einer zentralen Rolle des Saxophons treiben sie ihre Fusionen nach vorne. Dabei haben sie eine musikalische Mitte die an den rumänischen Menelle-Sound erinnert und experimentieren von dort aus immer wieder gerne in neue Gefilde hinein. Da darf es gerne auch mal etwas Ska, Elektroswing, Dub oder Cumbia oder Reggaeton sein – denn im Soundethos von dieser Band gibt es sympathischer Weise keine Grenzen und da liegt Freiburg nicht nur am Meer sondern der Balkan auch gern mal in der Karibik neben dem Orient. Der Band ist es mit den Produzenten Umberto Echo (Jahcoustix, Jamram) und Philiip Rauenbusch (Reamon) gelungen die pulsierende, ansteckende Live-Energie ansatzweise auf CD zu transportieren die sich gerade in Jordanien, China und Frankreich auf Festival unter Beweis stellten. Äl Jawala machen wunderbare Worldmusic, die komplett frei von Dogmen ist. Das eigentliche Schmankerl dieser Scheibe ist, dass man damit Traditionalisten aus der Reserve locken kann und zudem kräftig dazu feiern kann. „Gypsy Neighbourhood“, „Talibanski Dub“ und „Narodna International“ werden ganz sicher zumindest bei den Balkan & Global Beat-Partys deines Vertrauen einschlagen wie die Wählerstimmenverluste der CDU in Baden-Württemberg.
Text: Peter „Parker“ Hagen
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