Nach anfänglichen Vertriebsschwierigkeiten und Labelunstimmigkeiten darf man die gute Kunde in die Welt hinaus schicken, dass „Pot of Gold“, das neuen Album der britischen Sängerin Alice Russell ab dem 08.05.09 regulär auf CD und Vinyl zu haben sein wird – und nicht nur, wie seit November 2008, als Download über iTunes.
Das vierte Abum der stimmgewaltigen Blondine funktioniert wieder auf dem gleichen Level. Seit Russell 2005 mit „My favourite letter“ anfing, konnte man eine kontinuierlich Entwicklung des einstigen Juwels zu einer überdurchschnittlichen Künstlerin beobachten. War man schon bei ihrem Debüt sehr beeindruckt von ihrer markanten Gesangskunst, konnte sie immer wieder neue Fans von ihrer Gesangskunst überzeugen und dazu gewinnen. Ihre Gastauftritte in Will Holland’s famosen Quantic Soul Orchestra bescherrten ihr eine immense Reputation unter den Begeisterten des NeoFunk-Movements. Taste-Maker auf wichtigen Internet, Print & Radioplatformen supporten diese Dame seit ihren ersten Tönen auf Platte. Gilles Peterson, Benji B., Michael Rütten, Offtrack, Forian Keller, etc. – sie alle scheinen von Anfang an dieses unglaubliche Potential der jungen Engländerin gespürt zu haben. Und man darf diesen Herren meist ihrem Urteilsvermögen und Musikempfinden vertrauen.
Gesegnet mit einer großartigen Stimme wird Russell seit einiger Zeit in Teilen der hormongeschwängerten, britischen Presse als das nächste, ultimative Dinge nach Aretha Franklin und Janis Joblin gefeiert. In der Tat darf man sagen, dass sie sich, wie bei jedem Album zuvor, auf „Pot of gold“ noch mal gesteigert und weiterentwickelt hat. Sie legt immer mehr Schwerpunkte auf den Blues in ihrer Stimme und verschafft sich und natürlich dem Hörer eine weitere, intensivere Variante ihrer Stimmvielfalt – die dadurch nicht ihr Branding verliert. Wie passioniert und groß diese kleine Britin wirklich ist, zeigt sie sehr überraschend, wenn sie den Gnarls Barkley’ Überhit „Crazy“ ganz eigen interpretiert. Für Nostaligia 77 sang sie ja schon eine verjazzte Coverversion von White Stripes „7 Nation Army“, die vor allem ihren Liveauftritten weltweit einen gewaltigen Popularitätsschub gaben. Wie jede Blues/Soul-Sängerinnen hat sie natürlich ihre geheime Stärke in den Balladen, welche sie auch auf diesem Album ausspielt. Das bereits vor der VÖ florierenden „Hurry on now“ und ihr aktuellster Gastauftritt auf Mr.Scruff’s „Music takes me up“ hieven sie definitiv in einen Kreis von genialen Stimmen die den Untergrund beglücken und gleichzeitig durchaus im Mainstreamradio aufräumen könnten und vielleicht auch werden. Auf „Pot of gold“ beflügelt sie sich selbst, wenn sie die musikalische Vielfalt aus den Elementen von Jazz, Soul, Gospel, Funk und vor allem Blues mit ihrer außergewöhnlichen Stimme zusammen hält. Man versteht kann einfach nicht verstehen, dass bei diesen wunderbaren Songs, die von TM Juke prodziert wurden, und der offensichtlichen Qualität nicht ein Minimum des Verkaufsanteils von „Back to Black“ der Kollegin Amy Winehouse reingeholt werden kann? Aber die Welt ist ungerecht, das ist ja ein altes Proble. Vielleicht singt Alice Russell deshalb jetzt schon den Blues so perfekt, weil sie weiss, dass die zu wenig Skandalnudel und Promischnecke ist, als dass sie von den Medien so gehypt wird. Gute Musik allein reicht heute nicht mehr? Scheint wohl so.
Peter Hagen