Da hat sich allgemein etwas in Unterhaltungen, die ich oft führe, über das Thema Musik eingeschlichen, was Jan Delay in seinem Song „Feuer“ umschrieb, nein, auf den Punkt gebracht hat. Wie oft haben ich schon gehört: „Seit ich arbeite höre ich nur noch Radio“. Noch bedenklicher sind Ausagen wie: „Seit Bon Jovi’s Runaway hat mich eigentlich nichts mehr gerockt“. Die Krönung solcher Dialoge sind aber meist: „Ich finde es doof, dass außer Mariah Carey niemand mehr richtig gefühlvolle Musik macht“. Um jetzt nicht in pure, sarkastische und postpubertäre Ausschweifungen ausfällig zu enden möchte ich eine Situation beschreiben, die das von Eisfeldt beschriebene „Feuer“ bei manchen wieder auflodern lassen könnte, sprich das Interesse an guter Musik abseits des Chartseinheitsbrei. Entdeckungslust wieder zu finden und das zu Bekämpfen was einem vorgesetzt wird und was man tagtäglich unkritisch konsumiert. Gib es wirklich nichts mehr anderes “da draussen”?
Auf eine Frage einer Kollegin, was ich denn so hören würde, antwortete ich ihr „Atlas“. Verwundert darüber warum sie das nicht von der letzten Bravo Hits kennen würde, erzählte ich ihr von einer Funkband aus Österreich – die 1977 in Wien ein großartiges Stück Musik das sich zwischen jazz, funk und soul music bewegt – nein hin und her gleitet. Detailverliebt, deep und voller Seele. Verblüfft schaut sie mich an – die Kollegin. Als ich schon grinste und dachte sie würde mich abstempeln –als altmodisch oder Freak der Hippi-Mucke aus dem Plattenschrank der Eltern hört, weil er kein Geld für aktuelle Mucke zwischen Duffy & Bushido hat, erweckt etwas ihr Interesse. Das besagte „Feuer“. Es ist also auch noch da. Bei vielen. Und es wird eventuell auch bei mehr brennen, wenn so Gutmenschen wie die Labelbetreiber von Sonorama Records weiterhin so verschollene Perlen des Grooves ausgraben und lizenzieren, damit auch Leute diese Musik entdecken und fühlen können, die keine 500 Dollar auf Ebay für die raren Vinylscheibchen zahlen wollen. Nach über 30 Jahren ist diese Scheibe nun wieder erhältlich. Die gänzlich unbekannte und bisher unbeschriebene Pionier-Band Atlas aus dem Alpenstaat kommt nun, nach so langer Zeit, zu ihren wirklich verdienten Ehren. Dig it.
Peter Hagen