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Atlas Sound: Let the Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel

Atlas Sound: Let the Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel

Nachdem die Album-Cover von LP- auf CD-Größe geschrumpft sind und womöglich bald ganz verschwinden, werden als Ausgleich die Album-Titel immer länger.

So nennt Atlas Sound – ein britisches Ein-Mann-Projekt – sein Werk mal eben “Let the Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel”. Und diese Zeile sagt in der Tat eine Menge über den Inhalt der CD aus: Sphärische, melancholische Musik, mehr ein Sammelsurium an Klängen. Dazu zurückhaltend – fast im Hintergrund – eine hohe Stimme, die es zu erfühlen gilt. Sie gehört dem 25jährige Bradford Cox, der zuvor in der Band Deerhunter sang. Er beschreibt sein Album als Schlafzimmer-Produktion, als einen archivierten Sommertraum, was in Stücken wie „On Guard“ oder „Ready, Set, Glow“ sehr schön deutlich wird. Es sind kunstvolle, komplexe Soundstrukturen, die ineinander übergehen und als zusammenhängender Klangkosmos zu begreifen sind. Eine beispiellose Vermischung von leisem Garagen-Rock und Ambient-Elektronik, bestens zu hören in „Bite Marks“ oder „After Class“. Die Texte stehen hier nicht im Fokus, aber einige Titel der 14 Songs versprechen durchaus düstere Aspekte. Alles ist irgendwie geheimnisvoll, mal schwebend und mal mechanisch, mal minimalistisch und mal effektvoll. Nicht umsonst gilt Cox als Provokateur und innerhalb der Indie-Szene als polarisierend. Bradford Cox folgt mit seinem Atlas Sound nicht dem aktuellen Rockband-Trend und bietet absolut keine Schubladenmusik. „Let the Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel“ ist ein schönes Motto für eine bessere Welt und lässt sich in praktischer, quadratischer, guter Form leicht nach Hause holen oder gerne auch symbolisch verschenken.

Regina Sommerfeld

Veröffentlicht am

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