Wenige der alten Recken des Deutschraps sind heute noch aktiv und gleichzeitig relevant wie der Frankfurter MC Azad. Zweifellos hat deutsch-kurdische Rapper seine Spuren hinterlassen. Wie schon vor über zehn Jahren, als er mit „Leben“ ein Deutschrap-Klassiker ablieferte, scheiden sich an Azad die Geister.
Auf der einen Seite ist er der authentische Geschichtenerzähler mit dem unfickbaren Background der Gruppe Asiatic Worriors aus Frühphase des Raps in Deutschland. Man schätzt ihn für seine Lyrics und seinen Kämpfergeist, auch wenn seine Kollegen Savas oder Curse technisch um Welten besser sind. Azad hat seinen Style etabliert. Er steht für Straßenrap, der ja gerne als Betonrap propagiert wird, wie kein andere. Seine Name „Der Bozz“ ist eine nicht mehr wegzudenkende Institution. Der Hesse besitzt einen Status, den wenige in Deutschland ihr Eigen nennen können. Geschichte aus der Unterschicht, aus der Arbeiterklasse und dem vermeidlichen Hartz IV-Milleu – keine kann besser darüber berichten wie er. Auf seinem neuen Werk wird er diesem Anspruch wieder gerecht. Besonders der sozial-gesellschaftskritische Track „Welt des Scheins“ (mit Snaga) verdeutlicht, dass die Perspektiven aus denen man erzählt manchmal einen Song zu etwas wirklich besonderem machen kann. Azad weiss um die Gedanken vieler um sich rum und kann diese in Worte fassen. Worte die anfangs für viele auch zu düster und zu depressiv wirken – darin liegt jedoch die Kunst die Azad beherrscht wie kaum ein andere MC in Deutschland. Songs wie „So much trouble“ oder „Immer wenn es regnet“ sind genau diese Momente für die man Azad dankbar ist. Battle-Rap der traditionelle Art kommt auch auf Asphalt Inferno 2 nicht zu kurz. „Der Bozz-Effekt“ oder „Scheiss auf alle“ (mit Jeyz) kicken Arsch und unterstreichen den Standpunkt des Frankfurters. Der Savas’ „Futurama Remix“ auf dem Azad auch vertreten war, kann man hier auch noch mal pumpen – und es empfehlt sich dass laut zu machen.
Auf der anderen Seite: Der Rest des Albums hat man so oder so ähnlich schon mehrmals von ihm gehört. Böse Zungen werden natürlich jetzt wieder zu Recht sagen, dass sich Azad inhaltlich wiederholt. Natürlich reflektiert er Gegenwart und Vergangenheit wie kaum ein anderer, jedoch denkt man oft, dass dem deepen Storytelling etwas Abwechslung, ja Phantasie gut tun würde. Letztlich ist „Asphalt Inferno 2“ ein Album, das viele dope Songs bietet und sich gleichzeitig in seiner eigenen Monotonie verwickelt. Auf dem Album wird Azad noch von Kollegen wie Jeyz, Godsilla, Nagivator, Hanybal,Chaker, Savas, Francisco, Tone und Manuellsen unterstützt.
Peter Hagen
Schade, dass sich so ein guter Rapper dem Kommerz hingegeben hab, ich höre immer noch gern die alten Sachen von ihm wie “?”, aber schon “Der Bozz” vor ein paar Jahren hat leider gezeigt, was ihm wichtiger ist…der Sell-Out.