Es ist so eine kleine Marotte der internationalen Presse, dass sie immer noch von French House spricht – obwohl der gefilterete House-Sound, der so gerne mit Rockelementen spielte, seit geraumer Zeit nicht mehr am Start ist. Daft Punk & deren Jünger war Innovation – da bestehen keinerlei Zweifel. Ihr Zeit ist nun mal vorbei.
Deshalb ist jedoch kreativer Clubsound made in France lange nicht tot. Die Rabauken von Ed Banger Label zeigen dass ja in regelmäßigen Abständen sehr massiv und J.U.S.T.I.C.E haben es sogar gänzlich erreicht, Indie-Rocker weltweit für progressive Dance-Music zu begeistern. Da geht also immer noch einiges – man muss nur genauer hinhören bzw. hinschauen.
In Rennes residiert seit Jahren ein DJ namens Azaxx, der nebenbei auch seine eigenen Kreationen von Musik zu Hause produziert. Als gelernter Trompeter liebt und lebt er Jazz und Funk, verweigerte sich jedoch nie neuen Strömungen. Seine offensichtliche Liebe hat er jedoch in den Klängen Südamerikas gefunden. Brazil, Mambo, Latin, Salsa – in seinen Clubnights spielt er genauso traditionelle Sounds wie auch moderne Grooves die natürlich auch ihren Einfluss von House Music haben.
Sein Debütalbum „The exotic delight bay“ spiegelt nicht nur seine Verbundenheit zu latinesken Klangwelten, sondern auch sein außergewöhnliches Talent aktuelle Impulse wie Baltimore Funk oder Breakbeats damit verschmelzen zu lassen. Es wundert kaum, das Robert Luis, Kopf des erfolgreichen Independentlabels TruThoughts Records, sich darum bemühte dieses erstaunliche Werk zu veröffentlichen. Welche eine Energie, welch eine eklektische Kunst! Dieses Album vulkanisiert die markanten Melodien und Rhythmen Brasiliens mit ultradicken Basslines und bombastischen Beats wie man es in der Tat lange nicht gehört hatte. Wo Ende der 90er Jahre viele von der NuJazz-Welle berauscht waren, gestanden sich früher oder später einige ein, dass den Bossa Beats der Druck fehlte und es sich auf Dauer tot spielte und langweilte. Diesen Druck hat Azaxx in seinen Tanzflächendynamit nicht vergessen. So wissen vor allem Stücke wie „Carioca paradise“ oder „Fiesta Tropical“ wie man organische Klänge in eine technoides, brachial Monster verwandelt. Rio, Bristol, B-More, Paris und zurück. Booom – Platte des Monats April!
Peter Hagen