Review

Baby Charles: Baby Charles

Baby Charles: Baby Charles

Lefties Soul Connection aus Holland haben es letztes Jahr exzellent vorgemacht. Sie spielten simpel und analog ein komplettes Album ein, welches dadurch authentischer nicht klingen konnte. Neu ist die Idee natürlich nicht. Der volle und völlig unsterile Sound der 60er Jahre sollte wieder zurückgebracht werden. Fantastisch wurde das in den letzten fünf Jahren immer wieder umgesetzt. Diese Ergebnisse begeisterten schon auf den vergangenen Produktionen des New Yorker’s Dap Kings Clan oder der japanischen Überflieger-Funketeers von Osaka Monaurail. Die gleiche musikalische Attitüde vertritt auch die britischen Band BABY CHARLES.

Nie waren Musiker so nahe am Sound von damals. Nie wurde so puristisch und perfektionistisch daran gearbeitet, dass man keinen Unterschied zu der Musik von heute und damals hören kann. Ich könnte wetten, dass hier einige der wichtigsten Rare Groove-Experten weltweit ihren Ohren nicht trauten und überzeugt waren, dass dieses brachile Deep Funk – Monster nicht in der Jetzt-Zeit entstanden ist. The Meters und die JBs stehen hier nicht nur Pate, sondern dienen als eine Art Paralleluniversum. Der Groove dieser 8-köpfige Combo aus Brighton schert sich einen Teufel darum, ob es jemanden nicht gefallen könnte. Sie spielen wie und was sie sind. Besessen, passioniert, kompromisslos. Über all diesem ganzen schweißtreibenden, dreckigen Stück sattem Groove schwebt die Energie und Stimme der charismatischen Frontfrau Dionne Charles. Sie schafft es mit ihrer geballten Ladung Soul diesem Wirbelsturm von psychodelischen Hammond-Sound, uptemop Wah-Wah-Gitarren, Afrobeat-Stößen und durchbrechenden Bläsereinsätzen Paroli zu bieten und natürlich damit zu verschmelzen. Bei allem Respekt und Hochachtung für die Kolleginnen Sharon Jones und Alice Russell – Madame Charles gehört auf den Thron. Das ist Feuer – heiss und unkontrollierbar.

Ich halte es da wie BBC’s Mark Lamar: Man ist erstmal nur sprachlos und dann wirklich sehr lange glückseelig. Boomyah! Was für ein Funkfest.

Peter Hagen (Jazzriots)

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>