Im Interview hat der 27jährige Brooklyn-Native nicht nur verraten, dass er kurz vor dem Ableben von ODB mit ihm im Studio noch Tracks aufgenommen hatte, sondern dass er sich aktuellen Strömungen weniger verpflichtet fühlt als Musik für die Heads, die diese Sound seit über 10 Jahren hören. Verstaubtes Denken und Stagnation oder geschmacksicheres Tradtionsbewusstsein fragt man sich da zugleich.
Eines ist gewiss, das kleine Großmaul hat nichts versprochen, was er nicht einhalten kann. Geholfen haben ihm die aktuell gut geschmierten Modernisierungsmaßnahmen im Beatbereich. Boom und Bap der TrueSchool wird hier zelebriert. Dass Bekay von Rawkus 2.0 für die nächsten 50 heissen MCs zu Recht ausgewählt wurde, stellt er hier selbstsicher und gekonnt unter Beweis. Auf den musikalischen Grundlagen von DJ Babu, DJ Revolution, dem deutschen Produzenten Shuko, Marco Polo, Alkota, Illmind, Street Orchestra, J.R. Rotem und Contagious zeigt der New Yorker das er wirklich hungrig ist und steigert sich gegenüber seinen Mixtapes noch einmal kräftig.
Auf vielen aktuellen Produktionen ist das Element des Scratchen überhaupt nicht mehr als Kunstform präsent und in den Songs integriert. Bekay wehrt sich erfolgreich gegen diesen Trend auf seinen Songs und bringt die Premo-typische Eastcoast-Ästhetik zurück. Mista Sinista, Babu, Revolution und Dutchmaster sorgen für die verloren gehende Tradition der Turntable-Kunst.
Musikalisch gehen inzwischen etablierte Kräfte wie Marco Polo gewohnt souveräne Wege. Der flippt in alter Main Ingredient-Manier am Ende des grandiosen „Pipe dreams“ noch das Esperanto-Sample. Illmind hält es auf „Crazy“ unten, während Shuko mit seinen Bomben „Young“ und „Bloodsport“ druckvoll und soulful auf sich aufmerksam macht. Alchemist und Babu bauen mit „I am“ und „Brooklyn Bridge“ dann auch noch zwei kleine Oden an die Kunstform und tragen massiv dazu bei, dass man im Herbst 2009 an diesem HipHop-Album nicht vorbei kommen wird.
Auf „Rapstar“ und „Crazy“ erinnert der MC an einen jungen Rapper aus Detroit, der mit seinen abgedrehten Geschichten später als Eminem zu Weltruhm kommen sollte. Vergleiche hinken ja oft und werden der Integrität des Künstlers nicht gerecht. Hier sollte man es einfach als Kompliment und Empfehlung für einen übertalentierten MC versehen.
Peter Hagen