Gestern: Radiohead, Coldplay, Travis. Heute: Bell X1. Die vier irischen, leicht käsebackig wirkenden Jungs mit dem schneidigen Namen (die Bell X-1 war das erste Flugzeug, das die Schallmauer durchbrochen hat) sind mit ihrem dritten Album zur Band der Stunde mutiert. Die Mädels singen live ganze Textpassagen mit, die Jungs zappeln dazu rum, die Kritiker sind ob der Wortspiele und der gewählten Sujets verzückt und die Musikpolizei hält’s Maul, denn: Hier hören wir modernen, hochwertigen Gutmenschenpop, der BWL-Studenten und präetablierte LOHAS gleichermaßen anspricht. Bestimmt heiratet einer der Bells mal eine amerikanische Schauspielerin und ist ganz doll glücklich mit ihr und den zwei Kindern ein einfühlsamer Vater… Bis es soweit ist, freuen wir uns über die momentan wohl beste Mädchenmusik und ärgern uns, dass man an „Flock“ aber auch rein gar nix hassen kann. Und manchmal werden Bell X1 geradezu überschallmäßig gut: „Bigger Than Me“ beispielsweise bringt mich dazu, meine alten Talking Heads-Schätze wieder auszugraben…
Jo Neckermann