Review:
Vor drei Jahren präsentierte das britische Vorzeige-Indie-Label TruThoughts mit “Turntable Soul Music” ein Album, das für allerlei Aufregung sorgte. Für solche Release ist das Imprint aus London bekannt. Man sorgt hier seit Jahren dafür, dass man der sukzessiv anwachsenden Hörerschaft besondere Momente beschert. TruThought steht nach zehn Jahren erfolgreicher Labelpolitik für ein starkes Branding, welches sich darüber definiert, dass man Club, Jazz, World und Pop als Fusion und nicht als Gegner sieht. Das Debüt des Trios Belleruche steht wie kaum eine andere Platte für das Profil des Labels. Hier hatte man nie vor die Progressivität von Ninja Tune zu kopieren, aber die Plattform von den Kollegen Coldcut wurde zu 100% zum Vorbild in dem sie vorgaben, dass man schlicht keine Kompromisse eingehen muss, um ein Label auf dem Markt zu platzieren – wenn man nur auf Qualität setzt. TruThoughts glaubt an sich, an die Vorstellungen und an die Vielfalt der Musik. Man baute Quantic auf und der schenkte mit unzähligen, musikalisch vielfältigen Releases sein Vertrauen erfolgreich zurück. Neben dem Protagonisten Nr.1 suchte man nach Künstlern die ihre ganz eigenen Definition von Sound hatte. Seit 2007 gehören Belleruche dazu.
Nun, 2010, veröffentlicht die Gruppe um die Sängerin Kathrin deBoer, ein weiteres Album und zeigt dass sie eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht haben – die nicht konträr zu dem steht was sie bisher auf Vinyl & CD gepresst haben. „270 Stories“ ist mutiger als die geschmeidigen, oft im Blues und Soul geerdeten Vorgängerwerke. Das neue Album will vielleicht und das mit vollem Kalkül die Pop-Power von Gossip in ihrer Musik zum Ausdruck bringen – hätte sie hierbei nicht schon ihren ganz eigenen Charakter, könnte man ihnen das negativ auslegen. Das ist hier ganz und gar nicht der Fall. Die Musik von Belleruche ist wohl das Ergebnis eines der größten Pop-Experimente des Labels. „270 Stories“ beweisst eindrucksvoll wie ein Band mit viel Courage, großartigem Songwriting und einem intensiven Gefühl für Harmonien ein großes Pop-Moment schafft, welches sich zu keinem Zeitpunkt verstellt und irgendwelchen Kompromissen hingeben muss, um eventuell von einer breiten Masse gehört werden kann. Im Mittelpunkt steht immer wieder die variantenreiche, markante Stimme der Sängerin. Natürlich schreit die internationale Presse gleich nach den Vergleichen zu TripHop-Prinzessinnen wie Beth Gibbons (Portishead) – aber nur weil sie sich eine neue Variante herbeisehnen. Gerecht wird das dem Talent, jedoch nicht der ganz eigenständigen Kunst der Sängerin und der Band um Gitarist Ricky Faboulus und DJ Modest. „270 Stories“ ist ein schönes, sehr anspruchsvolles Pop-Album mit einer NuJazz/Downbeat-Vergangenheit.
Peter Hagen
Trackliste:
| 1. | Fuzz Face | |
| 2. | Tired Robot | |
| 3. | Bobby | |
| 4. | 3 Amp Fuse | |
| 5. | Cat In A Dog Suit | |
| 6. | You Me Us Them | |
| 7. | Shudder & Cry | |
| 8. | Clockwatching | |
| 9. | Ginger Wine | |
| 10. | Gold Rush | |
| 11. | Churro |
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