Bibi Tanga, ja so heißt der Mann wirklich, ist Sänger, Bassist, Komponist und Soundforscher in einer Person. Der Pariser hat es sich zur Aufgabe gemacht in seinem Werk „Dunya“ afrikanische Rhythmen genauso historisch durchleuchtet wieder zu geben wie den alten guten Funk und klassische Spoken Poetry wie Gil Scott-Heron oder The last poets. Eine Aufgabe die nicht leicht ist. Vorallem wenn man den Anspruch hat, dass soviel musikhistorisches Inspirationsmaterial wie möglich einfließen soll. Hörbar sind alle seine Einflüsse ohne dabei seinen eigenen Stil zu untergraben. Mayfield, Prince, Kuti. Der französische Künstler hat überall seine Nase hineingesteckt. Was übrigens nichts mit seinem Nachnamen zu tun hat, sondern nur musikalisch gemeint ist. Mit Kollege Professeur Inlassable und der Band The Selenites haben sie für „Dunya“ all ihre musikalisches Wissen und Möglichkeiten komprimiert und ein erstaunliches Stück Sound entworfen. Stimmlich erinnert er verwirrender Weise an House-of-Pains-Bluesman Everlast – was dem ganzen keinen Abbruch tut. World Music verliert mal wieder seine Dogmen. Tanga singt, sprich und rappt gegen Sklaverei, Aids und Kriegstreiberei ganz im passionierten Kuti-Stil. Sprachlich wechselt er geschickt zwischen dem zentralafrikanischen Sango, englisch und französisch. Voodoo-Funk und Afrozentrismus tingeln hier im Jazzfahrwasser das sich nicht leiten lassen will. „Dunya“ frönt seine Lebendigkeit und Variatenreichtum innerhalb von schwarzer Musik die Gospel und HipHop nicht ausschließen. Für den Clubeinsatz ist das großartige „It’s the Earth that moves“ am besten geeignet und erinnert mit dem verrückten Funkfieber an Plant Life. Geiler Scheiss.
Peter Hagen