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Blaktroniks: Mechanized Soul

Blaktroniks: Mechanized Soul

Der Soul-Faktor hat in der Geschichte von Detroit einen großen Einfluß. Ob beim klassischen Motown-Sound der 60er und 70er, beim alles aufsaugenden, minimalistischen Techno eines Derrick May in den 90ern und auch bei den Beatsphären des verstorbenen HipHop-Genius Jay Dee – klang immer wieder eines durch. Der Soul. Wenn auch in der unterschiedlichsten Formen und Ausschweifungen. Dieser Soul konnte sich also auch zwischen den Welten entfalten. Zwischen dem P-Funk eines George Clinton und dem europäischen Elektro-Pioneersound alla Kraftwerk oder eben den dilla’schen HipHop-Bauten – der Soul war immer mit ihnen in Detroit. Vielleicht war Dilla’s Adaption von Kraftwerks „Trans Eurpa Express“ das deutlichste Zeichen dafür.

Das Projekt Blaktronik geht ähnlich unbefangen, inspiriert und freizügig mit ihren Fusionen um. Nie hatten sie Berührungsängsten mit anderen musikalischen Strömungen, auch wenn es bei der Erstberührung holprig wirkt. Die Spielereien sind experimentell aber gewollt und alles andere als amateurhaft.

Blaktroniks setzten sich gewöhnlichen Herangehensweisen an Musik vollkommen ab. Zwar gibt es augenblicklich einige spannende, genauso wie sehr plakative Formeln die elektronische Musik und HipHop zusammenlaufen lassen – jedoch fehlt es immer an einem bestimmten Punkt an künstlerischer Integrität. Hier weißt der Detroiter Edd Dee Pee, das Mastermind hinter Blaktroniks, eine Tonne von auf. Blaktroniks schafft seinen eigenen State of the art und hebt sich von der Masse ab. Das fünfte Album „Mechanized Soul“ geht jedoch wieder auf seine ganz eigene Weise auf den Schwerpunkt HipHop zurück. Das heisst jedoch nicht, dass sie sich jetzt der allgemeinen Phantasielosigkeit des Genre anbiedern. Schon auf dem zweiten Track „Uhuru“ geben sie eine dynamische, polyrhythmische Marschrichtung vor, die in dieser Form wohl im Moment nur noch THE ROOTS aus Philadelphia mit „Rising Down“ verkörpern. Erstaunlich wie sie dann auf „Open up your heart“ souverän und gewohnt lässig die Kurve zum Dub switchen um gleich anschließend die modernen, weiten Klangwelten mit dem besagten Soul („Prescious“) füllen. Edward Robinson, seines Zeichens 60jähriger Soulveteran und Zeuger on Edd Dee Pee. Die Magie dieser Vater-Sohn-Kooperation leuchtet über allem. Hier wird der leidenschaftliche Rhythm & Blues (im ursprünglichen Gedanken) in eine digitale Groovevorlage gelegt und verschmelzt. Bei der heimliche Hymne des Albums „Check ya people“ schreit alles förmlich danach mit zu singen und eine revolutionäre Faust in die Luft zu strecken. Gil-Scott Heron, Steve Spacek und Chuck D. klopfen den Blaktroniks gerade auf die Schulter – hoffentlich sieht das jemand. Es wäre schade, wenn diese Platte nicht viel Hörer erreichen könnte.

Peter Hagen

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