Review:
Im letzten Jahr haben die US-Legende Nas und der Jamaikanischen Reggae-Künstler Damian Jr. Gong Marley mit dem Album „Distant Relatives“ ein Werk entworfen, das nicht nur den Anspruch hatte HipHop und Reggae verschmelzen zu lassen, sondern auch die Thematiken des Afrozentrismus wieder zurück zu bringen. Neben den psyeudo-historischen Verirrungen dieser Ideologie, die primär dazu verwendet wurde eine argumentative Stärke gegenüber dem weltweiten Rassismus zu haben, ist es vor allem die Erinnerung woher der Mensch kommt: Afrika als Ursprung! Die Ideen von Leuten wie Marcus Garvey haben nicht nur politischen Aktivisten wie Malcolm X weiter ausgeführt. Auch HipHop hat sich vor allem Anfang der 1990er Jahre dieser Thematik angenommen. Dabei waren es oft radikale Ansichten, die sich daraus entwickelt haben. Public Enemy, X-Clan, Poor Righteous Teachers, KRS 1, Brand Nubian, Arested Development oder Paris waren Rapkünstler die sich in ihren Texten, mal positiver, mal negativer behaftet, mit dieser Thematik auseinandersetzten.
Im Laufe der Zeit ist diese oft radikale Haltung nicht mehr konform mit den Auflagen der Pop-Industrie und dem Millionenpotential von HipHop gegangen und die wenigen Aktivisten konnten man nur noch im kreativen, weltweiten Untergrund finden. Mos Def und Talib Kweli, The Coup, The Roots, Mr.Lif, Akrobatik, Dead Prez sind Beispiele dafür, dass es immer noch politisch motivierten Rap gibt, der teilweise vom Afrozentrismus geleitet ist.
Seit einigen Jahren macht ein gewisser Blitz the Ambassador auf sich aufmerksam. Gerade das 2009 erschiene Album „Stereotype“ konnte für massiven Wirbel innerhalb der Szene sorgen und mit einer erstaunlichen musikalischen wie lyrischen Qualität überzeugen. Blitz, geboren in Ghana und ansässig in New York, ist ein Multitalent. Er spielt mehrer Instrumenten, schreibt intellektuell anspruchsvolle und teilweise sehr tief gehende Texte, produziert fast alles selbst und scheint ein sehr belesener und kulturell sowie philosophisch interessierter Mann zu sein. Dass er dazu noch vorzüglich rappen kann, muss man nach dem überaus derben Vorgängeralbum eigentlich nicht mehr explizit erwähnen.
„Native Sun“, sein neues Werk, widmet sich seiner eigenen afrikanischen Wurzeln. Inhaltlich wie musikalisch hat er hier ein sehr kohärentes Werk geschaffen und zeigt auf imposante Weise sein unglaubliches Talent. Blitz führt den Hörer, ähnlich wie Kweli & Hi-Tek auf der ersten Reflection Eternal, auf eine akustische Reise in Land seiner Vorfahren. Polyrhythmische Klangwelten des traditionellen Highlife treffen auf feine Raps, die mal autobiographisch („Best I can“) und mal global retrospektiv („Wahala“) ausgelegt sind. Dabei spürt man bei jeder Note, dass sich Blitz intensiv mit den musikalischen Helden der Dritten Welt wie Fela Kuti, Bob Marley oder Mulatu Astatke auseinander gesetzt hat. Hier verschmelzen Afrobeat, Jazz und HipHop auf unterschiedlichsten Ebenen. Faszinierend ist besonders wie Blitz sprachlich zwischen afrikanischen Piegeon, dem ghanaischen Twi und Englisch locker und leicht switched. Sein Anspruch etwas zu schaffen „bei dem man nicht merkt wo Highlife endet und HipHop anfängt“ ist er mehr als gerecht geworden. Geholfen dabei haben ihm die ruandische Sängerin Corneille, die französischen Soulsängerinnen von Les Nubians, der nigerischen Weltmusikstar Keziah Jones, der kanadische Shootingstar Shad, der holländische MC Pete Philly und Looptroop’s Promoe aus Schweden. Was für ein Album!
Peter Hagen
Das Album erscheint am 06.05.2011 als Vinyl, Mp3 & Cd!
Trackliste:
| 1. | Ex-Trance | |
| 2. | Dear Africa feat. Les Nubians | |
| 3. | Akwaaba | |
| 4. | Best I Can feat Corneille | |
| 5. | Instrumentalude | |
| 6. | Accra City Blues | |
| 7. | Free Your Mind | |
| 8. | Wahala feat. Keziah Jones, Baloji, Promoe, Bocafloja | |
| 9. | The Oracle (Chuck D PSA) | |
| 10. | Victory feat. Pete Philly | |
| 11. | Native Sun feat. Shad | |
| 12. | Ex-Itrance |
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