Es sieht aus wie in den englischen Highlands, dunkelgrüne Wälder, ein See ist zu erahnen und gewitterschwangere Wolken werfen ihre Schatten über das düstere Ambiente. Einzig ein Funkmasten stört das Bild von unberührter Natur. So anmutig und tiefgründig wie das Cover von „Black Sands“, dem neuen Album von Bonobo, wirken auch die 12 Tracks des Downbeat-Maestros. Seit seinem Debüt „Animal Magic“ (2000) mauserte sich Bonobo alias Simon Green zum Bestseller der Londoner Klangschmiede Ninja Tune. Mit seinem Mix aus Downbeat, Hip Hop und Jazz erschuf Bonobo vielschichtige und atmosphärische Klangkollagen, die bereits auf dem letzten Longplayer „Days to come“ (2006) von Kritikern hochgelobt wurden. „Black Sands“ markiert nun zweifelsohne den Höhepunkt seines Schaffens: Komposition und Arrangement von live eingesetzten – und zumeist von ihm selber gespielten – Instrumenten gehen auf sein Konto. In Anlehnung an japanische Kunstfilme beginnt das Album mit einer fernöstlichen Streichermelodie („Kiara Prelude“), bevor es in die tiefen Bässe von „Kiara“ mündet. Kaum jemand beherrscht das Fach der Cut-Up-Beats so wie Bonobo und so klatschen Drums und Snares auf „Kong“ munter weiter.
Um die Instrumentaltracks ein wenig aufzufrischen, holte sich Bonobo die Sängerin Andreya Triana an Bord, die unter seiner Ägide dieses Jahr ihr Debüt auf Ninja Tune veröffentlichen wird. Sie durfte sich bereits an Beatapodikten wie Flying Lotus und Mr. Scruff probieren und veredelte auch das 2-Step Stück „Eyesdown“.
Das Album ist von gefühlvoller Wärme durchflutet und die leichten Beats entführen den Hörer in die musikalische Manege, in der auch Portishead oder das Cinematic Orchestra anzutreffen wären.
Die Titelnummer „Black Sands“ bildet den krönenden Abschluss eines mehr als ausgereiften vierten Albums. Ein folkig angehauchtes Streicherstück mit orchestraler Attitüde und ein melancholisches Bläserthema, dass einem nicht nur einmal die Melodie des „Godfather“ ins Gedächtnis ruft.
Michael Ortner