Es ist nach wie vor komplett unverständlich, warum nicht jeder Mensch der HipHop fühlt mindestens eine Scheibe, respektiv gekauftes Digitalformat, des Wiener Produzenten Brenk besitzt! Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, das ist klar – jedoch baut dieser Mann Bomben, wie sie Rocky in Teil 6 nicht stärker im Kraftraum trainieren und seinem Gegner um die Ohren hauen hätte können.
In einer neuen Generation von autarken Beatheads hat sich gerade in den letzten Jahren eine neue kreative Kraft im Untergrund entwickelt – welche unter anderem in der Hi-Hat-Serie auf dem Kölner Label Melting Pot Music eingefangen und dokumentiert wurde. Zwischen den junge Wilden um Dexter, Suff Daddy, Twit One, Hulk Hodn oder Full Crate hat sich auch ein gewisser Brenk Sinatra eingereiht und die Liebe des Untergrunds ist seit dem ungebrochen für den Mann der so geschmeidige Beats bastelt.
Verbindet man mit Wien ja meist die Melange der Downbeat-Hochzeiten um Kruder & Dorfmeister, waren HipHop-Instrumentals nie wirklich an der Oberfläche, jedoch immer einen Kauf wert. Man denke an Urbs & Cutex, DJ DSL oder die Waxos!
Immer wieder gab es in den letzten Jahren Beats von dem korpulenten Sound-Bastler, die ein ganz eigenes Branding in den Köpfen der HipHop-Interessierten eingepflanzt, ja bei vielen sogar mit einem Suchtfaktor infiziert hat. Wer sich an die Mitte der 1990er Jahre erinnern kann, weiß von solche schlimmer Situationen: Man wartet fast sehnsüchtig auf einen neuen Beat seiner Lieblingsproduzenten. Brenk hat unweigerlich dieses Potential Menschen in eine unkontrollierbare Abhängigkeit zu führen.
Sein ganz eigener Vibe ist feinstes Kopfkino hervorrufendes Sampling das durchtränkt von Soul ist, die klassischen Westcoast-Sounds genauso wie BoomBap-Kunstwerke studiert hat, englische Piratensender kennt und niemals in Hektik verfällt. Nicht ohne Grund geben etablierte Kräfte öffentlich zu, seit 9th Wonder und Dilla nicht mehr so angefixt von Beats gewesen zu sein.
Da schien es nur noch eine Sache der Zeit zu sein, bis die Overseas anklopfen. Inzwischen hat man den Soundkosmos des Brenk dort mehr als schätzen gelernt und mit DJ Premier einen öffentlichen, meinungsmachenden Supporter gefunden. So hat Brenk bereits zwei Alben für Westcoast-Legende MC Eight produziert, wobei das erste Album gerade in der den Startlöchern zur Veröffentlichung auf Premos Year Round-Label stehen soll und mit Spannung weltweit bei den Heads erwartet wird.
Bis Brenk auf MPM die Scheibe der neuen Super-Soul-Group mit Sänger & Trompeter Miles Bonny raushaut, kann man sich von „Gumbo II“ vorzüglich berieseln lassen. In Zeiten in denen scheinbar wöchentlich ein neuer Superhitmaker aus den USA (oft nicht wirklich gerechtfertigt) gehypt wird, hat Brenk Sinatra, seinen Pseudonym-Nachnahmen gerecht, etwas Großes und sicherlich auch Bleibendes geschaffen – von dem leider bisher zu wenig wissen.
„Gumbo“ und jetzt „Gumbo II“ wird hoffentlich nicht erst in Jahren für Furore sorgen bzw. gebührend gefeiert werden und nicht wieder scheinbar alle jenen Heads auf den Plan rufen, die heute sagen “ „Welcome to Detroit“ habe ich seit Tag 1 gefeiert!“ Is klar, ne? „Whereva“ oder „Shangri-La“ sind nicht die einzigen Glücklich-Hymnen des Herbstes 2011 die sich auf dem exzellenten „Gumbo II“ befinden, welches einen unbeschreiblich frischen Ausgleich zu pompösen, vermeidlichen Jahreshighlights wie „Watch the throne“ oder „The Red Album“ oder zu dem langweiligen „Carter IV“ darstellt.
Text: Peter „Parker“ Hagen