Broken Social Scene ist eine ebenso engagierte wie ambitionierte Musik-Kommune in der Indie-Szene Torontos. Und was auf den ersten Blick so erscheint wie die kanadischen Enkel unseres Langhans/Obermaier/68er-Traumas, hört sich streckenweise auch so an. Brendan Canning – ein recht guter Singer/Songwriter – ist eigentlich Bassist dieses milden Haufens (19-21
MusikerInnen) und muss auf seinem Solodebut erfahren, dass demokratische Abläufe der Musikfindung nicht zwangsläufig dienlich sind. Zwar gibt es mit dem fantastischen „Love Is New“ veritablen Groove mit dem „chicen“ Bassriff, das Ende der 70-er von den Rolling Stones bis zum Tom Tom Club wirklich alle klauten. Aber zwischendurch lauert wieder mal Müsli-Elegie bei „Snowball And Icicles“, crunchen Breitwand-Gitarren bei „Churches Under The Stairs“ und „Hit The Wall“. Coole Bläsersätze und heftige Streicher dürfen natürlich nicht fehlen, schließlich durfte jede(r) mal ran. Leider auch an den Summenregler beim abmischen und so ist der Gesang BSS-typisch eingebettet in das instrumentale Geschehen – Klangmatsch oder Stilmittel? Kakophonie oder die neue kanadische Schule des Indie-Pop? Auf jeden Fall: Something For All Of Us…
Jo Neckermann