Der Herbst bringt tolle Musik. Wie erwartet kann man auf „IM“, dem neuen Album des ungekrönten Jazzkönig des Nordens, ein Rückkehr des Meisters zu besinnlicheren. Nach seinen experimentelleren Ausflüge, bei denen er immer wieder die Schnittstellen zu elektronischen Soundkollagen suchte, findet er sich jetzt wieder im Kosmos der feinen Skizzen des Jazz, den er wie kein anderer in den letzten zehn Jahre prägte. Die von ihm ins Leben gerufene Plattform „Jazzland“, stellt seit Jahren die Alternative zum Mainstream-orientierten Jazz da. Seine Zusammenarbeit mit Techno-Gott Laurent Garnier (Projekt: Public Outburst) stellt wohl den Höhepunkt dieser Entwicklung da. Dieser Mann hat Visionen und die Fähigkeiten diese Konzepte umzusetzen. Da ist es keine Ausnahme, sondern eher die Regel ist, dass es sich um wahre Epen handelt wenn Bugge dem Jazz seine Weiten aufzeigt und begeht. Dieser Norweger hat nie aufgehört neugierig zu sein. Er hat nie aufgehört neue Horizonte zu suchen. Electro-Jazz, wenn man das so nennen darf, hat hier seinen Meister und auf gewissen Weise natürlich seinen Pionier gefunden. Würde mich nicht wundern wenn als nächstes ein Kollaboration bzw. ein Austausch mit Carl Craig stattfinden würde.
Auf „IM“, seinem neuen Soloalbum, findet man dann weniger revolutionäre, jedoch nicht minder schöne Musik. Ruhig und weit reichend macht er hier auf seinem Lieblingsinstrument, dem Piano, was er am besten kann: Er baut Welten. Hier und da eine dezente, innige Gesangseinlage (Marie Boine) setzen eine Reise in Gang, die irgendwo zwischen ambient und moody angesiedelt ist. Man würde Wesseltopft und seine Kunst, und das ist seine Musik wahrhaftig, reduzieren, wenn man nur von Melancholie in seinen Klängen sprechen würde. Man sollte sich von „IM“ in einem ruhigen Moment an die Hand nehmen lassen und entdecken. Denn dann ist das hier, richtig groß – auch wenn es beim ersten Hören noch nicht funkt.
Peter Hagen (Jazzriots)