Calle Real: Me Lo Gané
Review:
Ein Kuriosum in der aktuellen Weltmusikszene: Kubanische Musik aus Schweden! Nun ja, eigentlich nicht ungewöhnlicher als Blues aus Wuppertal oder Rai aus Paris... Dass aber auch Schweden etwas von Ritmo, Salsa & Co. verstehen beweisen jetzt eindrucksvoll die Jungs von Calle Real. Denn dass die 12-köpfige Gruppe nur zu einem Vierundzwanzigstel kubanisch ist, würde man bei den Timba-Klängen ihres neuen Albums „Me Lo Gané“ kaum vermuten. Der Verdacht, dass die Musiker unter der kubanischen Sonne statt unter dem Einfluss der Polarnacht aufgewachsen sind, liegt nah. Trotzdem hat einzig der Conga- und Timbales-Spieler der Formation, Rickard Valdés, teilweise kubanische Wurzeln. Sein Vater ist der legendäre kubanische Pianist Bebo Valdés, der 1960 nach Schweden emigrierte. Die übrigen elf Köpfe stammen allesamt aus dem Land von ABBA und Roxette, klingen aber so kraftvoll karibisch, als würden sie jeden Abend in einem der legendären Musik-Clubs der Calle 23, der Vergnügungsstraße Havannas, die Leute zum Toben bringen.
Interessant ist, dass sich das Publikum von Calle Real nicht nur auf Salseros beschränkt. Clubgänger, HipHoper, R&B-Fans kommen in wachsender Zahl dazu. Im Gegensatz zu vielen anderen Salsa-Kapellen spielen Calle Real ausschließlich selbst komponierte Songs. Die Band legt Wert auf ihre Eigenständigkeit, auf durchaus europäische und nordamerikanische Einflüsse. Bandleader Patricio Sobrado (seine Wurzeln liegen in Chile) erklärt selbstbewusst: „Wir hören uns nicht genauso an wie eine Band aus Kuba, und eine kubanische Band hört sich nicht an wie wir!“ Heiße Mucke für die langsam kühler werdenden Nächte...
Jo Neckermann







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