Das erste, was auffällt sind die Streicher. Mein Gott, diese Streicher!
Kennt jemand zufälligerweise diese Gänsehaut erregenden 60er-Sounds a la „Summerwine“, „Bonnie and Clyde“ oder „Ode to Billie Joe“? Dafür lies Carsten Klatte den Ausnahmegeiger Neil Black (Joan Armatrading, UB40, Bauhaus, Coil) ran. Guter Mann, exquisiter Geschmack, weise Entscheidung. Zusammen mit Klattes prätentiös-lakonischer Stimme und Achim Färbers (Tito and Tarantula, Phillip Boa, Krupps) un-mainstreamigem, obgleich zweckdienlichen Drumming entstand ein Album, das in der Indie/Americana-Landschaft 2010 gar nicht hoch genug einzuschätzen ist.
Klattes Sprachwitz („Hello my heart, I never ment to give you a hard time“) ist immens, die Gitarrenarbeit des ehemaligen Industrial- und Gothic-Artisten ist ebenso sparsam wie effektiv, die Produktion von Volker Wassmann top. Carsten Klatte bezeichnete in einem Interview die gegenwärtige Situation als „karge Kulturlandschaft“. Nun ja, wenn dem so ist, dann hat er mit seinem Album einen hervorragenden Beitrag zur Rekultivierung dieser Kargnis geleistet. Alleine schon diese Streicher, diese Streicher…
Jo Neckermann