Dass eine amerikanische Studenten-Combo verträumten Neofolk präsentiert, soll ja so ungewöhnlich nicht sein. Aber dass sie dabei mit Versatzstücken der „besseren“ 80er-Jahre-Mucke (beispielsweise Japan, Talking Heads, Lizzy Mercier Descloux) experimentiert, lässt schon eher aufhorchen. Und dass sie dabei aus einem fröhlich-ironischen Song über die Irrungen und Wirrungen der Liebe einen veritablen Werbehit für die 2008er Kampagne des iPod Nano machen, das darf als ungewöhnlich bezeichnet werden. So ungewöhnlich wie das ganze Album dieser ungewöhnlichen Band, die es von Colorado nach Brooklyn verschlagen hat. Sängerin Caroline Polachek, Gitarrist Aaron Pfenning und Programmer/Arrangeur/Drummer Patrick Wimberly offenbaren auf ihrem (Major-)Erstling so viel gekonnten und vielgestaltigen Eklektizismus, dass manche Kritiker schon wieder von Richtungslosigkeit sprechen. Aber so wenig ein Karussell, ein Kaleidoskop, ein Mäander eine Begrifflichkeit wie „Richtung“ benötigen, so wenig braucht eine Gute-Laune-Gruppe wie „Chairlift“ eine Erklärung für den gekonnten, schnellen Stellungswechsel.
Und so erwarten auf diesem exzellenten Pop-Album gepflegte Bass-Grooves, stimmliches Drama, der beste „französische“ Popsong des Sommers („Le Flying Saucer Hat“), Jungmädchen-Romantik, etwas Country und Psychedelic den musikalisch offenen Zu-Hörer. Richtungslos? Aber ganz sicher auf dem richtigen Weg!
Jo Neckermann