Fela Kuti würde in schier grenzenlose Euphorie verfallen, wenn er wüsste, dass die Musik, die er massgeblich weltbekannt machte, auch in Amerika, dem imperialistischen Feind der revolutionären 68er-Front, leidenschaftlich gespielt wird. Das Chicago Afrobeat Project spielt sogar eine sehr traditionelle Form dieser polyrhythmischen Kunst. Dass inzwischen mindestens jede zweite Indie-Rockband oder House-Produzent den Afrobeat also mindestens zweitwichtigste Einflussquelle nennt, zeigt wie inspirierend und zeitlos jene Grooves sind, die in Nigeria on Kuti und Alllen entworfen wurden. Dort wo afrikanische Rhythmen auf Funk und Jazz treffen, sammelt sich der Hybrid Afrobeat, der so gerne zum tanzen animiert – selbst wenn er gediegen angesetzt wird. Das Chicago Afrobeat Projekt hat das mehr als verinnerlicht und deshalb klingen sie einfach authentisch. Auf ihrem zweiten Album beweisen sie das ein weiteres Mal. Mit dem knackigen „Cloister“ haben die Chicagoer Musikanten sogar einen astreinen Hit, der die hippen Tanzflächen der Retrowelle ergänzen und glücklich machen werden. Die Durchschlagskraft und progressive Spielweise der bekannten New Yorker Gleichgesinnten von Antibalas aus dem Daptones-Lager haben sie nicht, sind jedoch nicht minder großartig.
Peter Hagen