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Claudio Esposito: Mit Leib und Seele

Claudio Esposito: Mit Leib und Seele

HipHop, die jüngste der Subkulturen ist längst fest verankert im Mainstream. HipHop ist Mode, Pop und seit neustem auch ziemlich erfolgreich Disco Pogo zwischen Berlin und dem Ballermann. HipHop hat inzwischen jedoch wirklich ein Problem, dass sich immer mehr zeigt. Gegenüber anderen Genres fehlt es oft komplett an Geschichtsbewusstsein. Oft wurde genau diese Diskussion in Verbindung mit der Authentizität geführt. Im Fachjargon heißt dass ja so schön „real“ zu sein. Wie viel muss man wissen um ein Teil von HipHop zu sein? Hier entscheidet sich doch letztlich wirklich, wer HipHop lebt und wer es einfach nur konsumiert. Der folgenschwere Prozess dieser Kultur etwas hinzufügen und dabei die Pioniere und deren ursprünglicher Geist nicht zu vergessen – diese Formel wurde in Deutschland immer wieder aber auch viel zu wenig gepflegt. Sollte man wissen wer Kool Herc war und was Grandmaster Flash geschaffen hat, um ein HipHop wirklich zu verinnerlichen? Wie relevant ist es von der Attitüde der so oft beschworenen alten Schule wie Advanced Chemestry zu wissen? Vielleicht sind genau deshalb solche Platten wie Claudio Esposito’s „Mit Leib und Seele“ so wichtig.

Der 29jährige Deutsch-Italiener ist durch und durch HipHop. Daran ist nicht zu rütteln. Mehr Reputation ist heute kaum möglich. Der umtriebige Vater eines Sohnes ist seit 15 Jahren Mitglied der legendären Breakdance-Crew Rockin’ till Death, legt seit einigen Jahren selbst in Clubs sowie auf Partys und Jams auf und veranstaltet Live-Konzerte mit großen Acts wie Afu-Ra, Boot Camp Clikk, D.I.T.C oder Masta Ace. Nebenher gibt er Workshops in Sachen B-Boying, produziert selbst Beats in seinem hauseigenen Studio und ist seit 5 Jahren auch als Rapkünstler aktiv. Bisher mit Partner P-Vers, der bereits Ende der 90er Jahre mit Torch und Toni L. Songs einspielte, kommt Claudio nun mit seinem ersten Soloalbum über das eigenen Label Streethop Records.

„Mit Leib und Seele“ – dieser Titel trifft den Inhalt des Albums sehr gut. Man merkt bei jeder Zeile und jeder Note der Scheibe, dass hier jemand seine Liebe im Betätigungsfeld HipHop gefunden hat. Sicherlich gibt es in Deutschland einige MCs die technisch und lyrisch auf einem wesentlich höheren Level agieren – bei Claudio geht es eher um das Herzblut und seinen Aktivismus, die ihn als Künstler auszeichnen. Deshalb gibt es auf seinem Solojoint auch viele Songs die das klassische Storytelling präsentieren. Claudio erzählt aus seinem Leben und von HipHop – was immer Hand in Hand ging. Er wählt bewusst autobiografische Ansätze, weil er weiss, dass diese aus seinen Mund authentisch sind. Somit erklärt sich, warum es sich bei dieser Platte nicht um ein weiteres Gangster-Rap-Album handelt. Das heißt natürlich nicht, dass man sich hier nur in Gedanken-Schwelgerei über die guten alten Zeiten aufhält. Genickbrechenden Boom Bap mit Soul-Schnipseln wie „Take your time“ (mit Lil’ Dap von Group Home) stehen clubtauglichen Tracks wie „Bombe“ (mit Slonesta & P-Vers) gegenüber, die gut und gerne chartstaugliche Bootyshaker mit Pop-Appeal alla Culcha Candela in die Tasche stecken. Die Magie des Albums liegt jedoch in Positivity-Mover wie „Für eine bessere Welt“ auf dem mit Sozialkritik nicht gespart wird oder mit dem unglaublich starken Dancehall-Reggae-Rap-Hybriden „Ruff“ aus der Feder des talentierten Herrn Stendke – den man ja nicht zu unrecht zum Hype des Jahres im Riddim Magazin gewählt hat. Der britische Rasta-Soldat Kenny Knots ergänzt die zukünftige Sommerhymne zu einem Track der internationale Konkurrenz nicht scheuen muss. Es muss wirklich mit dem Teufel zugehen, dass man diesen großartigen Sunshine-Tune im Sommer nicht aus jedem Caprio und aus jedem Soundsystem poltern hört.

Und mal im ernst! Welche HipHop-Platten hatte in den letzten Jahren klassische Cuts intus? DJ Ekim und DJ Funky K. sorgen auf „Mit Leib und Seele“ für dieses oft vergessene Element der Plattenkratzer. Der von Ekim und den Schweizern Serge & Lanz produzierten B-Boy-Track fehlt natürlich auch nicht. Die inzwischen legendäre Persiflage auf Bushido „Sonnenbank-Flavour“ namens „Schwarzwald Flavour“ in einer neuen R’n’B-Disco-Version zaubert natürlich immer noch eine Schmunzeln aufs Gesicht.

„Mit Leib und Seele“ ist Deutschrap einer Sorte die man so nicht mehr hört. Genau das ist auch die Stärke von Claudios gelungenem Werk. Mit der Unterstützung von Goldkelchen Ornella Di Santis und Carmen (nein, nicht die von Sido) sowie dem Mannheimer Xavier Naidoo-Kollege Danny Fresh, dem Lahrer MC Maximum One und den Gladbachern Freunden Rey’n’ Kernnation bekommt man HipHop in vielen Facetten. Die Beats kommen hauptsächlich von dem Nachwuchsproduzent L-Tonic.

Noch fragen?

Peter Hagen

Bestellen kann man das Werk hier:

www.streethop-records.de

www.claudio-esposito.de

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