Review

Comfort Fit: Polyshufflez Remixes

Comfort Fit: Polyshufflez Remixes

Review:

Es soll ja wirklich immer noch Leute geben die es leugnen, dass in der Welt der elektronischen Musik ein gewaltige Portion Soul verpackt ist. Meistens kann man ja Puristen sowieso nicht mehr helfen und sie auch nicht von feinsten Hörproben überzeugen. Allein den Detroit-Sound-Ingenieuren würde man unrecht tun, sie hier nicht zu spotten. Vielleicht ignoriert Kenny Dixon Jr. aka Moodyman deshalb die Presse, weil er seine Musik nicht erklären will und sie mit keinem Puristen diskutieren will. So gibt es nun zum Jahresende hin noch eine gehörige Portion Digital Soul-Power. Und ich höre die Puristen eigentlich jetzt schon schimpfen, dass man die Fachtermini des Rare Grooves im Jahr des 70. Wiegefest des Soul hier nicht benutzen dürfte. Bleibt locker, Jungs. Das hier ist nichts für Euch! Ihr habt weder J Dilla noch Theo Parrish verstanden und werdet es wohl aus Ignoranzgründen auch nie. (aber Blutrache schwören, wenn ein 18jähriger noch nichts von der Genialität eines Issack Hayes versteht und sie nicht gebührend lobpreist …… suckers)

Comfort Fit, dahinter steckt der schwäbische Produzent Boris Mezga. Er hatte bereits vor 5 Jahren mit dem Album „Forget & Remember“ gezeigt, dass jazzige Harmonien nicht konträr zu den vermeidlich harten und kalten elektronischen Klangwelten sein müssen. Das rein digital veröffentlichte Album konnte für Aufsehen sorgen. Die nachfolgenden Produktionen zeigten, dass der Mann kein Genre unberührt lassen will und von Jazz, HipHop und zugleich von Minimal beeinflusst ist – und diese Einflüsse auch vorzüglich in seine Entwürfe einbauen kann. Nun hat ein illustre Runde an jungen Rookies und alten Hasen aus den Bereichen House, Techno, HipHop und dem großen „Dazwischen“ Hand an sein Album „Polyshufflez“ gelegt und neue Interpretionen der Sounds geschaffen.

Atjazz beweisst z.B. zum gefühlten 1000sten Mal, dass in der Tiefe die Kraft liegt und zaubert für „Ask the devil“ genau diesen von ihm fast schon in beängstigender Sicherheit fast am Laufband produzierten Digital-Soul. Robert Koch und fLako wurden 2009 nicht ohne Grund als die Revoluzzer aus dem Untergrund gefeiert – was sie hier auch auf ihren Bearbeitungen der Songs „Fired up!“ und „Exabyte“ eindrucksvoll unterstreichen. Jakob Korn und der französische Großmeister Laurent Garnier machen deutlich, dass sie gewaltiges und epochales im Techno anstreben. Swedeart versucht durch einen schleppenden Gewaltakt „Wicked Game“ in ein neues Licht zu rücken. Daneben machen Leute wie der Londoner-Breakbeat-Jongleur Domu, Schweden’s Freistiler Opolopo, Jay Scarlet, Ghostly’s Jack High oder der Berlin House-Produzent Tim Turbo (was für ein Name!) ihr Arbeit gewohnt gut und bastelt durch die Band solide bis überragende Neuversionen der Stücke vom Comfort Fit’s „Polyshufflez“-Album, welches im Original schon komplett überzeugen konnte. Hier scheint man sehr bewusst so genannte Durchschnitts-Auftragsarbeiten mit 08/11-Beats aus dem Wege gegangen zu sein.

Dieses Album erscheint nur als digitaler Release und limitiert als CD.

Peter Hagen


1 Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>