Welcher HipHop-Fan hat die Unmengen an Hits von Common nicht im Schrank? Man denke da nur an ,,1999″, die Kooperation mit Brand Nubian Sadat X für den Soundbombin’2-Sampler oder das vorausgegangene ,,Ressurection” – welcher Künstler der goldenen Rawkus-Ära als das Manifest nannten. Der Ausnahme-MC aus Chicago fixierte schon immer seinen Weg als klassischer Conscious-MC – auch wenn die breitere Masse erst durch das 1997 erschienene (Neo)-Soul-durchtränkes ,,One day It’ll all make scence” von dem Freigeist erfuhr. In einer Zeit als der Sound der Fugees rund um die Welt ging, sicherte sich Common mit dem Lauryn Hill-Feature auf dem Song ,,Retrospect for life” eine inoffizielle Hymne eines ganzen Movements innerhalb von HipHop.
Danach nahm Common seine immer mehr anwachsende Hörerschaft auf seine lyrisch ausgefeilten Reisen, deren musikalischen Untermalungen öfters mal neue Horizonte suchten. Auf den weiteren drei Alben war Common ein sympathischer Anhalter auf seinen Trips durch die Soundgalaxie die auch hier und da etwas weit weg war. Afrobeat, psychodelischer Rock, Blues, Jazz, Funk oder Boom Bap. Auch wenn Einiges davon den durchschnittlichen HipHop-Head zu weit draussen war, nahm man ihn immer als Künstler wahr, der im Dunstkreis von Leuten wie The Roots, A Tribe Called Quest, Jay-Dee oder DJ Premier seine Nische geschaffen und gefestigt hat, wie kaum ein anderer.
Seit dem letzten, zu Recht hoch gelobten Album ,,BE” hat Common wieder verstärkt mit Kanye West zusammengearbeitet. Wieder geht die Symbiose auf. Die beseelten, sample-lastigen Boom-Bap-Kollagen von Devo Springsteen, J.Dilla, Will.I.AM und Kanye machen dort weiter wo ,,BE” aufgehört hat. Gesangliche Unterstützung gibt’s von Popperle Lily Allen, Gil-Scott Heron, dem verlorenen Sohn D’Angelo und den Goldkelchen Dwelle und Bilal – die die Brücke zur fast vergessenen Soul-Renaissance schlagen. Der Spass daran, ein monumentales HipHop-Werk zu schaffen, ist im und allen beteiligten anzumerken. Lyrisch erzählt Common wieder seine Geschichten mit gewohnt geschärften Blick für Gesellschaftkritik und tiefsinnigen Reflexionen. Die schwarze Hoffnung der us-amerikanischen Politik (Obamah) bekommt natürlich auch seinen Raum wie andere positivistische Rap-Poesie.
Es macht keinen Sinn hier einzelnen Songs zu rezensieren. Obwohl das Album gespickt mit kleinen Meisterwerken ist. Konzeptionell eine Mischung aus einem Tribute an das musikalische Vermächtnis von J.Dilla und die erfolgreiche Schiene von ,,Be” nicht zu verlassen – ist schlichtweg unumgänglich für Leute die HipHop mal wieder fühlen wollen.
Peter Hagen (Jazzriots)