Im April veröffentlichten Cypress Hill ihr neues Album „Rise up“ und sind ihrem Erfolgsrezept treu geblieben. Aktuelle Hypes, Sounds und Trends rennen sie immer noch nicht hinterher – ignorieren sie jedoch bestimmt auch nicht. Muggs hat es ja auch mehrmals deutlich gesagt: „Fuck the industry, we make HipHop. Our HipHop is „Fuck you“ and like Punk Music.“ Man hat keine Lust sich anzupassen und es gibt absolut keinen Grund das auch zu tun. Niemand klingt wie Cypress Hill und dafür sorgt auch weiterhin ein sehr starkes Soundbranding aus der Schmiede von Muggs. Offensichtlich lieben sie es immer noch mit Reggae und Rock zu experiementieren – schaffen dies um ein weiteres Mal um Welten besser als ihre House of Pain-Kollegen von La Coka Nostra, die mit ihrem fast schon steril kalkulierten Harley Davidson-Gerumpel nicht gerade neue Impulse in die Rock-Rap-Fusion gebracht haben. So brachial wie einst der „Judgement Night“ – Soundtrack genau diesen Verbindungen vor 17 Jahren einging, wird es nie mehr sein. Da wissen auch die Mannen vom Friedhofshügel. Sie wissen genau, dass man diese Zeit nicht wieder zurück bringen kann. Die Lust am Herstellen von Hybriden wie „Rise up“ oder „It ain’t nothin’“ tut das jedoch keinen Bruch – weil das Trio seinen Instinkt für solche Zusammenführungen nicht verloren hat. Sie haben viel Sinn für Zusammenarbeiten, die vielleicht sogar auf den ersten Blick niemand wirklich spannend findet. Sie haben auf ihrem neuen Album neben Szenehelden wie The Alchemist, Everlast und Evidence auch den Latino-Schnulzenschnauzer Marc Anthony und die Miami-Hitmaschine der nächsten Generation, Pitbull, zusammengeführt – ohne dass es das Soundethos der Band beißt.
So sind die drei Künstler aus Los Angeles nach sechs Jahren Albumpause wieder zusammen und besitzen immer noch den alten Zauber gute Musik zu machen. Nach 20 Jahren ist das wohl keine Selbstverständlichkeit. Was Sen Dog mit den Seitprojekten SX1 oder The Reyes Brothers sowie B-Real mit seinem Soloalbum auf Duck Down Records nicht so richtig gelingen wollte, konnten sie wieder unter dem Banner Cypress Hill das sichere Konzept des Erfolges ihr eigen nennen. Auch wenn DJ Muggs sich immer öfters öffentlich sehr frustriert zum aktuellen HipHop äußert, weiss er, dass er mit seinen Underground-Produktionen für Psycho Realm, Planet Asia oder GZA vom Wu-Tang-Clan lange nicht soviel Zuhörer findet, wie für seine musikalischen Grundlagen für Cypress Hill. Beides gehört zum Konzept und der Kontinuität der Drei. Beides gehört zu der Gruppe, die wohl noch eine ganze Weile mitmischen wird.
Auf „Raise up“ kommen sie nun wieder zusammen. Typische Sounds und Inhalte kann man auch auf ihrem neuen Longplayer nach der langen Schaffenspause wieder hören. Immerhin handelt es sich hier um die Crew die schon Lyrics über die Legalisierung Marihuana hatte, als es nicht zum guten Ton der HipHop-Gemeinde gehörte. „Light it up“ und „Pass the dutch“ thematisieren das auch weiterhin, auch wenn man meinen könnte, das zu dieser Angelegenheit alles schon mehrfach gesagt sein müsste. Cypress Hill sind nun mal für diese Beweihräucherung gekannt und führen die bewährte Formel auch sonst unbekümmert von aktuellen Trends weiter. „Get’ em up“ ist auch wieder einer dieser unvergleichbaren Partyjoints die für ihre ansteckenden Live-Auftritte gebaut sind. „Trouble Seeker“ und „Take my pain“ suchen die Zusammenkunft mit Rock zu einem typischen, jedoch nicht wirklich neuen Crossover der die Generation Limp Bizkit mit jenen vereinen werden die Linkin’ Park als ich Liebstes nennen. Die zwei Songs unter Mitarbeit von Tom Morello, seines Zeichens Gitarrengott bei Rage against the Machine bzw. Audioslave wird alle aufhorchen lassen, die vor zehn Jahren ihr Körper zu „Killing in the name of“ eskalieren ließen. Sozialkritisch Töne auf einem Bombenteppich von Beat stellt „Armed and dangerous“ auch wieder den typischen Cypress-Kult da und gleicht die verirrte Kollaboration mit Marc Anthony und Pitbull wieder etwas aus.
Peter Hagen