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Various: New York City Salsa

Review:

Danza con mí, bebé

Die Ursprünge des ,,Salsa" findet man nicht in einem einzigen Land. Diese Musik hat die Einflüsse von Puerto Rico, Afrika und Kuba. Die wirkliche Geburtsstätte dieses Genre, und da sind sich alle einig, liegt in den ,,Barrios" des Big Apple. Was in der Theorie ,,Melting Pot" heißt, hatte hier Ende der 60er Jahre seine Entstehung und offensichtlich auch seine Bestätigung. Hier verschmolzen die Stile der Musik der so verschiedenen Minoritäten zu einem Produkt, welches das Label FANIA Records später weltweit populär machen sollte. Beim Tanz ist die Verwandtschaft mit ,,ChaChaCha", ,,Mambo" und dem kubanischen ,,Son" offensichtlich - entwickelte sich aber auch weiter. Die Musik, der in New York lebenden Völker, fusionierte genauso mit dem hiesigen, hippen Musikstilen. Jazz und dessen Auswuchs wie Funk hatte genauso großen Einfluss auf die ,,Latin Grooves" wie der klassische Soul.

Community Love, Rhythms & Takeover

Die Afroamerikaner hatte ihre ,,Black Power"- Bewegung, die großartige musikalische Werke her raus brachte und das Selbstbewusstsein einer ganzen Generation stärkte. ,,NYC Salsa" war die zweite Stimme einer Minderheit in der Millionenmetropole die nach aussen drang. Seit den 50er Jahren war das Gebiet von der East 96th St. zur East 125th St. das Einzugsgebiet der hispanischen Immigranten (Spanish Harlem) schlechthin. Und es war vor allem die Geburtsort von ,,Latin Groove" und seinen wichtigesten Figuren. Der am 17.02.06 verstorbene Perkussionist Ray Baretto war einer der einflussreichsten Latinjazz-Künstler dieser Epoche und kam von dort. Er stand mit Willie Colon, Ruben Blades, Tito Puente, Cecila Cruz, Hector Lavoe oder Eddie Palmieri für das neue, (multi)-kulturelle Bewusstsein der (mehrheitlichen) Puerto Ricaner, die eigentlich teilweise schon in der dritten Generation New Yorker waren. ,,Nuyorcians" nannte sie sich selbst, schon bevor ihre Musik in die Welt hinaus getragen wurde. Es war ihre Attitüde sozialkritische Texte in ihre Lieder einfliessen zu lassen und gleichzeitig ihren eigenen Lifestyle zu zelebrieren. Diese Musik war ihr Sprachrohr, um zu zeigen, dass sie die Wurzeln ihrer Vorfahren nicht vergessen hatten und trotzdem ,,etwas" Neues daraus entwickelt haben. Sie entwickelten eine Mischung aus Traditionsbewusstsein und Pionierarbeit ein authentisches, neues Gewand - eine ganz eigene, neue Identität. In einer sehr kreativen und ansteckenden Art und Weise - das sie als ,,Our Latin Thing" beschrieben. Diese geschwellte Brust war nicht selbstverständlich. Seit Castro 1959 Kuba in die Isolation verbannte, wurde auch die Zufuhr in die Staaten unterbrochen und damit auch der direkte Draht in die Heimat. Die Exil-Kubaner wollten (neben den Einwanderer aus Panama, Dom.Rep., Puerto Rico) jedoch das musikalische Erbe Kubas in den neue Vibe einfließen lassen und arbeiteten akribisch an daran, diese Musik und Identifikation mit dem Herkunftsland nicht sterben zu lassen - zumindest nicht in der Musik. So entstanden Anfang der 60er Jahre einige essentielle Labels die Afro-Cuban & Latin Music veröffentlichen. Cotique Records, Alegre Records und West Side Latino Records gehörten zu den bekanntesten und erfolgreichsten Imprints. Ganz vorweg und hell strahlend, natürlich FANIA.

Fania Fame

Fania Records, 1963 gegründet von Jerry Masucci und Johnny Pacheco, trug dieses ,,Latin Thing" hinaus in die Welt und dieses Label (bzw. diese Studios) gilt bis heute als die ,,Heiligen Hallen" (Joe Bataan) für dieses Genre. Hier entstand Musik dieser heißen Epoche. Ob Munguito Santamaria, Louis Ramirez, Cheo Feliciano, das Larry Harlow Orquestra, Bobby Valentin, Tito Allen oder der famose Tito Puente. Sie alle prägten den neuen Stil, der erst die USA und dann die Welt erobert.

Worldwide

Den Höhepunkt dieser Zeit war wohl 1974. Der Kongo-Diktator Mobutu Sese Seko lud die Welt ein zum ,,Rumble in the jungle": Muhammed Ali gegen George Foreman fighteten in Kinshasa/Zaire/Afrika. Die Welt sah damals durchaus mehr als nur einen Boxkampf der Superlative. Jenseits der Vorstellungskraft vieler, gab es ein Musikfestival, das Vergleichbares suchte und wird heute, überschwänglich, auch mal gerne über Woodstock gesetzt. Neben dem ,,Godfather of Soul" James Brown gab es auch ein massives Line-up von Salsa/Latin-Künstlern wie Cecila Cruz & the Fania-Allstars - der Stolz der ganzen Bewegung. Geschätzte 30 Millionen weltweit verfolgten dieses Spektakel und entdeckten auch den Groove der ,,Nuyorkians".

Das wichtigste Label der damaligen Zeit (Fania Records) beglückt jetzt mit einer feinen Zusammenstellung der Retrospektive den Musikfan. ,,New York City Salsa" ist ein musikalisches Manifest das die Variantenvielfalt dieser Epoche auf 30 Stücken (Doppel-CD!!!) zusammenfasst. Alle wichtigen Künstler sind hier vertreten und sind eine schönes Zeitdokument, was Ende der 70er von SalSoul und dem Paradise-Disco dann abgelöst wurde. Neben den ganz großen Protagonisten der Szene (Tito Puente, Ray Baretto) hört man auf dieser Compilation eine Vielzahl an einflussreichen Künstlern wie Mark Dimond, Rafi Val oder Impacto Crea aus der Zeit von 1972 bis 1977 die nicht ganz so bekannt wurden.

Peter Hagen / Jazzriots

Interpret: V/A

Titel: New York City Salsa

Label: Fania Records / V2

VÖ: 22.09.06

Tracks:

  • 01. Soneramos el tambor
  • 02. Los rumberos
  • 03. Tumba la cana jibarito
  • 04. El destino
  • 05. Sobre salsa
  • 06. A mi nena
  • 07. Guasasa
  • 08. Bueno y pico
  • 09. Asi es la humanidad
  • 10. La pelota
  • 11. Todo tiene su final
  • 12. Maldades
  • 13. Esto es el guaguanco
  • 14. Come candela
  • 15. Presidente dante

Releases:

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Interpret:
Various
Label:
V2 Records
Stil:
Jazz Soul Funk Latin Grooves

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