Wer möchte bei diesem ewig jungen Altmeister der Verwandlung von solch banalen Sachen wie Veröffentlichungsdruck, nachlassender Kreativität oder schlichter Unlust zu Neuem sprechen? Viel spannender ist doch ein Exkurs über die Diskrepanz von Innen- zu Außenwahrnehmung eines musikalischen Chamäleons oder über die Selbstreflexion eines Künstlers, der die Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts mehr beinflußt hat, als sämtliche Metallicas dieser Welt. Bowie hat auf dieser Compilation seine ureigensten Favoriten zusammengestellt, Lieder die er immer wieder hören (und singen) mag, wie er selbst bekennt. Dass „iSelect“ deshalb keine Greatest-Hits-Sammlung wird, liegt eigentlich in der Natur der Sache. Von „Life On Mars?“, 37 Jahre jung, über die Berliner „Low“-Phase mit der erstmals veröffentlichten Bowie/Eno-Komposition „Some Are“ bis zu zu den „Bewlay Brothers“ vom 87er „Hunky Dory“-Album sind 12 Songs vertreten, die Bowie in sehr persönlichen und zudem informativen Liner-Notes kommentiert. Und wenn man sich diese Retrospektive aus Avantgarde und Pop zu Gemüte führt, wird klar: Die Musikwelt braucht einen neuen Bowie! Dringend – zumindest, wenn das Original es weiterhin vorzieht, in der selbst gewählten Emeritierung zu verbleiben.
Jo Neckermann