“Ich wollte ‘Eleanora Fagan’ einen anderen Touch geben: moderner, nicht düster und rührselig. Ich wollte ein freudig klingendes Album.” Meint Dee Dee Bridgewater. Aber wer WTF war Eleanora Fagan? Niemand anders als Jazzlegende Billie Holiday. Die Sängerin, zu ihrer Zeit eine Art schwarze Amy Winehouse mit Prekariatshintergrund, könnte mit ihren Ups ans Downs, den disaströsen Männergeschichten, den genretypischen Alk- und Drogenproblemen, als Role-Model für mehrere Sängerinnen-Generationen dienen. Jazz- und Soulsängerin Dee Dee Bridgewater verkörperte Holiday erfolgreich in dem Musical „Lady Day“. Nun also ihr Tribut an die Jazz-Ikone – leider eine zwiespältige Angelegenheit. Musikalisch höchster Standard, insbesondere Christian McBride am Bass und James Carter an verschiedenen Woodwinds sind zu loben. Stimmlich ist Dee Dee recht gut drauf, obwohl man ihr durchaus anmerkt, dass man/frau mit fast 60 nicht mehr die Strahlkraft der Jugend hat. Schließlich wäre die Holiday froh gewesen, dieses Alter zu erreichen.
Aber Arrangement- und Interpretationsmäßig bewegen sich die Bridgewater und ihre Band lediglich auf gehobenem Kreuzfahrtschiff-Niveau. Aber da gehören Songs wie „All of Me“ oder „God Bless the Child“ auch hin. Zum Captains Diner, Tuxedo required!
Johannes Neckermann