Review

Dennis Coffey: Dito

Dennis Coffey: Dito

Es ist schon sehr lange her, dass ich vor emotionaler Überwältigung beim Hören einer Promo-CD bzw. einer Platte fast geweint habe. Der alte Meister aller Klassen hat das geschafft und eigentlich verwundert das doch etwas. Viele seiner Kollegen, die in den 1960er und 1970er große Werke erschaffen hatten, haben unzählige Versuche gestartet um an die Schaffenskraft der vergangenen Tage wieder heranzukommen – kaum jemand hat es wirklich geschafft. Coffey zeigt mit auch mit über 60 Jahren, dass noch gewaltige Energie in ihm immer noch schlummert und hinaus in die Welt will, die er einst mit seinen Wah-Wah-Riffs verzauberte und jedem Freund von Rare Grooves als einer der Säulenheiligen voll kommen zu recht verehrt wird. Dieser Mann bräuchte eigentlich dieses Comeback nicht. Mehr Reputation als er kann man kaum haben. Was hat er nicht alles gemacht!? Mit George Clinton und Funkadelic hat er jahrelange gespielt und den kosmischen Funk zelebriert während er eigentlich den Studiomusikern von The Funk Brothers angehörte. Jenen genialen Instrumentalisten die wohl mit allen relevanten Stars der Soul und Funk-Szene, vor allem in Motown, zusammengearbeitet haben. Marvin Gaye, The Dramatics, The Temptation oder Edwin Starr – um nur einige zu nennen.

Wirklich bekannt wurde er jedoch durch seine Kompositionen wie den Breakbeatüberklassiker (und ein wichtiger Stein im HipHop-Fundament) „Scorpio“ oder seinen Blaxplotation-Soundtrack „Black Belt Jones“. Durch LPs wie „Finger Lickin’ Good“ hat er als einer der wenigen den Transfer von rohem Funk zum glamourösen Disco gefunden bzw. die Fusion perfektioniert. In den letzten 20 Jahren ist es ruhig geworden um den Mann aus Detroit, der mit seinem Gitarrenspiel die Genres Rhythm’n’Blues, Funk und Soul so sehr beeinflusste. Nun ist er mit einem Album wie aus dem Nichts zurück und diese Scheibe gehört zu den Alben des Jahres 2011 – da wage ich mich gerne weit aus dem Fenster.

Ich denke nicht, dass ein so grandiose Album in diesem Metier getoppt werden kann und überhaupt von wem? Coffey hat sich hier als Kenner der Szene erwiesen und ein Cover-Album der besonderen Art eingespielt. Dafür hat er sich die von ihm vor 40 Jahren produzierten und komponierten Songs von Parliament, Wilson Pickett, Rodriguez und Funkadelic ausgesucht und mit Mayer Harthorne, Lisa Kekaula von The Bellrays, Fanny Franklin von Orgone und Mick Collins von The Dirtbombs und den Briten Paolo Nutini an Neuinterpretationen gearbeitet. Da kann deftig in die Hose gehen, weil die Originale unglaubliche Bretter sind. Ist es aber nicht. Es ist ein meisterliches, schön ungeschliffenes und in sich perfektes Werk zwischen psychedelischen Soul und monströsem Funk geworden. Hinzu kommen neue, rein instrumentale Stücke epischen Ausmaßes wie „7th Galaxy“ oder „Knockabout“ die an Zeiten erinnern als Leute wie Donald Byrd, Bob James, Dexter Wansel, Roy Ayers und Herbie Hancock noch Könige waren. Way back in time.

Peter Hagen

Erscheint am 20.03.2011 als Download / CD / Vinyl auf Strut Recrods

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