Dexter: Hi-Hat Club Vol. 3 - The Jazz Files
Review:
Instrumentaler HipHop ist und bleibt eine Randerscheinung dieser Kultur. Es gab definitiv schon bessere Zeiten für die Beats ohne Rap und Gesang als man das noch als Trip Hop verkaufte und die ein oder andere Variation im Mainstream zwischen Dido und Tricky angekommen war. Die altehrwürdigen Großmeister der Beatbastelkunst vergangener Tage trugen dazu bei, dass man HipHop auch als Produzentenhandwerk ohne einen talentierten Rapper wahrnahm. Der Londoner Vadim und der etwas in Vergessenheit geratene Krush gehören zu jener Zunft, die Soundlandschaften entwarfen, ohne diese mit Gesang oder Rap ergänzen zu wollen. Sie brachen von Anfang an ihr Formel von Soundexkursionen auf ein Level herunter, dass viele typische Raphörer überhaupt nicht wahrnehmen wollten. Halbgare Sachen wollte man nicht. Wer weiss, vielleicht sind die damaligen Puristen jene die heute gerne auf solche Werke zurückgreifen? Zu Entdecken gibt es bei den hochwertigen Instrumentalalben immer noch sehr viel.
Zu dieser Kunstform der Beatmacherei hat sich das Kölner Label Melting Pot Music entschieden verschiedene Entwürfe in einer Serie unter dem Namen Hi-Hat Club zu veröffentlichen. Die ersten beiden Folgen von Hulk Hodn & Twit One (Köln) und Suff Daddy (Berlin) können in Bezug auf die Kompromisslosigkeit und Substanz nicht hoch genug gewertet werden. Umso erfreulicher ist es, dass die Reihe nun 2010 weiter geht.
Für Nr. III ist der Heilbronner DJ, Produzent und Rapper Dexter verantwortlich. Bereit bekannt für seine Arbeiten für das Label Wortsport, Morlock Dilemma, Damion Davis, Jaques Shure, Audio 88 & Yassin oder den Retrogott aus Kölle konnte der 26jährige bereits erste Props sein eigen nennen. Nun zeigt der Beatfrickler, dass er offenkundig über einen feinen Fundus an Vinyls verfügt und den Sampler in Madlib’scher Manier füttern kann. Dabei macht er das, was die meisten zeitgenössischen Produktionen überhaupt nicht mehr wollen: Er bringt den tiefgehenden, dreckigen und revolutionären Aspekt von Jazz in sein Beatwelten. Natürlich werden jetzt alle 90s-Babies automatisch ein Lächeln der Glückseeligkeit in ihrem Gesicht haben. Wer mit Pete Rock, Premo und D.I.T.C sozialisiert ist, wird das hier mögen.
Was darüber hinaus macht „The Jazz Files“ von Dexter noch hörenswert? Es handelt sich hier um keine verwässerte Jazz-Hop-Geschichte bei der schon ganz andere Meister (Guru’s Jazzmatazz, J. Rawls, The Roots) nicht immer den spannendsten Weg gefunden haben – auch wenn das immer behauptet wird und ich jetzt hier als Blasphemie-Verbreiter angepisst werde. Hier hat der junge Mann aus Heilbronn genau darauf geachtet, dass das Ding schmutzig bleibt. Ein US3 „Candaloop“ war bestimmt schön und gut, aber es ist dann vor allem Kunst wenn man tiefer gräbt und schließlich auch den Mut hat tiefer zu gehen. So darf man hier in einem abhangenen Boom und Bap nicht nur in Welt der Soundschnipsel zwischen Sun Ra, Ahamad Jamal und Wes Montgomery eintauchen, sondern auch durch aus einen ODB („Raw Jazz“) reincutten ohne dass es kontraproduktiv wäre. Wer hat denn nun behauptet Jazz sei im Verbund mit knackigem HipHop langweilig und unbrauchbar? Kommt es nicht auf die Verarbeitung an? Dexter’s Soundwelt zu entdecken ist eine Forderung nach mehr. Bei all der monotonen Synthie-Langeweile aus dem dreckigen Süden der USA kann man das hier mindestens so hart pumpen wie die so manches Beatconductor-Brett von Madlib. Das Beste an „Jazz Files“ ist, dass es einfach komplett anders klingt als seine zwei vorzüglichen Vorgänger und denen in nichts etwas nachsteht. Play it loud and everywhere!
Peter Hagen
http://mpmsite.com/index.php?area=records&view=detail&id=688
Tracks:
- 01. Dexter The Future
- 02. Dexter Piano
- 03. Dexter One For Yusef
- 04. Dexter Heavy Horns
- 05. Dexter Spaceways
- 06. Dexter Astro Thoughts
- 07. Dexter Practice
- 08. Dexter Sonny Ray
- 09. Dexter Deep In The Juju
- 10. Dexter Stardust
- 11. Dexter Tune After Tune
- 12. Dexter WR Anybody?
- 13. Montgomery
- 14. Raw Jazz
- 15. Sounds Great Les
- 16. Swing Is A Must
- 17. P.O. Box 450, NY 19, NY
- 18. Intro Transformation
- 19. Don't Fight It
- 20. Sign Skit
- 21. Cannibal Love
- 22. Concrete Jungle
- 23. Concrete Jungle Skit
- 24. Anutha Journey
- 25. Can't Stop Interlude
- 26. Don't Beat Ur Wife Every Night
- 27. Crum Break
- 28. Ole Woam 2 (Aus Kaisamühn In Die Wöd)
- 29. Spread His Name Outro
- 30. Fid Mella Intro
- 31. Ready
- 32. The Game
- 33. Worms
- 34. Amateurs
- 35. Ha Ha Ha Ha
- 36. Toni's Theme
- 37. Bada Bing
- 38. Follini
- 39. 1, 2, 3
- 40. Outro
Releases:
- Dexter & Brenk X Fid Mella: Hi-Hat Club Vol.3 & 4, VÖ: 14. Mai 2010







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1 Kommentar
schöner Kommentar über guten Sound aus der Heimat...
von Fusslerich
vor 734 Tagen
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