Schwarz ist ein weites Feld
Review:
Schwarz ist ein weites Feld
Die Spannungsbögen in Henrik Schwarz' musikalischen Werken erinnern oft an einen
Carl Craig- Remix. Sie haben aber ihre eigenen Wege in die Tiefe. Sie haben ihren eigenen Charakter. Als 2002 der Berliner DJ und Produzent auf dem (ursprünglich finnischen) Label Moodmusic seine erste EP ,,Supravision" veröffentlichte, konnte man zum ersten Mal erahnen, in welche Sphären der Kreativität dieser Mann bewegt.
Kurze Zeit später wurde aus dem Finnen Klas Lindblad ein kongenialer Labelpartner von Schwarz für die gemeinsame Plattform "Sunday Music" in der deutschen Hauptstadt. Die Wenigen, aber sehr feinen Veröffentlichungen auf diesem Label hatten Ähnliches vor wie Dixons Rookie-Imprit "Innervisions": Sie wollten das Feld von hinten aufräumen. DeepHouse als ganz rohe Masse aus Jazz und technoiden, weiten Räumen, die sich oft und gerne an die Tradition von Detroit anlehnten. Wer seine Werke wie ,,Leave my head alone brain", ,,Chicago" oder ,,Jon" einmal entdeckte, war wie elektrisiert von der Ideologie die diese Musik verfolgte. Zu Schwarz grossen Supportern gehören wichtige wie prominente Namen wie der BBC-Radioguru Gilles Peterson oder den Jungs vom DJ-Kollektiv von Jazzanova.
Wie die komplette Musikjournalismus-Gemeinde seit seinen ersten Releases versucht in ihn und seine musikalischen Werke in eine Schublade wie ,,Future Jazz" oder ,,Ill Mind Music" zu pressen, genauso unabhängig macht der am Bodensee geborene Produzent mit seiner Vision weiter. Vielleicht ist er sogar das deutsche Pendant vom musikalischen Visionär und Querdenker Theo Parrish und dessen "Sound Signature"-Entwürfen. Sie haben auf jeden Fall einen ganz wichtigen Faktor gemeinsam: Ihr Musik hat keine Halbwertzeit. Sie ist zeitlos - und genau das muss man heute in der kurzlebigen Club & Dancemusic Kultur sein, um einen eigenen Status zu definieren und heraus zu stechen.
Ein weiterer Punkt, des glänzend steigenden Karrierelaufs von Henrik Schwarz, ist sein aktueller Remix für das englische Oldschool-Duo von Coldcut. ,,Walk a mile in my shoes". Robert Owens sorgt an den Vocals für ein weiteres Gänsehaut-Erlebnis aus der Kreativwerkstatt des Wahlberliners. Es ist inzwischen bekannt, dass Schwarz sein ganz eigenes Rezept zur Entstehung seine Musik gefunden hat. Er arbeitet mit Laptop, Sampling & Plattenspieler live auf der Bühne. Diese Emotionen versucht er ,,in seine Musik aufzunehmen" und ist zur Zeit durch den Boom der Single ,,Where we at" (mit AME & DIXON / Innervisions 005) in Japan, Spanien, Irland, England, bei Trüby's Rootdown in Freiburg und natürlich in Berlin zu begutachten.
Abgesehen von seiner Leidenschaft ,,live on stage" zu performen ist Schwarz ein versierter DJ. Somit lag es nicht so fern, ihn für die neuste Reihe der beliebte Serie ,,DJ KICKS" auf !K7 Records zu verpflichtet.
Und wie der (meist zu euphorische) Pressetext schon durchleuchten lässt, ist es auch: ,,Unterhaltend, fesselnd und bildend". Hört man sich den bunten Mix aus (Free)Jazz (Pharaoh Sanders), Disco (Cymande), Funk (James Brown), Neosoul (D'Angelo), Fusion (Arthur Russell), Motown (Marvin Gaye), Detroit-Techno (Drexciya) und Afrobeat mit Monsterpercussions (Amampondo) an - kann man durchaus einen sehr feinen Einblick in das bekommen, was Schwarz als Inspirationsquellen angibt. Was beim DJ_Kicks_Vorgänger (Four Tet) genauso variantenreich war - ist hier eindeutig homogener. Man kann sich wirklich in die Welt des Schwarzschen' Plattenschrank hindenken. Und genau das ist der Punkt wo diese DJ-Kicks-Ausgabe mehr ist, als ein Party-Update. Hier ist wieder Mixtape-Charakter und Charme.
Peter Hagen / Jazzriots
Tracks:
- 01. Intro
- 02. Bird's lament
- 03. Woman of the world (Long Instrumental Version)
- 04. Claire
- 05. Spanish joint
- 06. Since you've been gone
- 07. Jon (Live in London)
- 08. Let it out
- 09. Anthracite
- 10. Imagination limitation (Mix 1)
- 11. Black sea
- 12. Giya Kasiamore
- 13. Walk a mile in my shoes (Henrik Schwarz Remix)
- 14. The core
- 15. Chant avec cithare (Track 1)
- 16. Summun bukmun umyun
- 17. You can be a star
- 18. Get around to it
- 19. Conscious of my conscience
- 20. Let Jah love come
- 21. Wake up brothers
- 22. You're the man (Alternate Version 2)
- 23. Outro
Releases:
- Henrik Schwarz: DJ Kicks, Audio CD, VÖ: 13. Oktober 2006







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