Review

Zilverzurf – West Eastern Impressions

Die Welt ist nicht genug

Als in den 60er Jahren Free-Jazzmusiker und Freigeister wie Thelonious Monk und John Coltrane in ihre Klangflächen orientalische und afrikanische Elemente einfließen ließen konnte man von einer neuen Zeitrechnung sprechen. Es war eine Art von Geburtsstunde von ,,Worldmusic”. Der Begriff ,,Weltmusik” kam aber erst in den 80ern hoch, als es mehr und mehr mode war, sich von den Klängen nicht-westlicher Kulturen beeinflussen zu lassen, bzw. mit ihnen zu fusionieren. Viele Kritiker sehen diese Phase als eine zweite Entwicklungszeit dieses ,,Crossovers”. Inzwischen gibt es Kollaborationen mit Künstlern vom ganzen Globus. Die Ergebnisse reichen weit über Jazz hinaus. In fast jedem Genre versucht man sich musikalische gegenseitig zu inspirieren oder/auch zusammenzuarbeiten. Ein Paradebeispiel für einen Protagonisten des Faches ,,Worldmusic” ist Johan Zacharisson alias Zilverzurf. Seit knapp drei Jahrzehnten ist der gebürtige Schwede auf der ganzen Welt unterwegs und nutze seine Reisen und Touren als ,,Hauptquelle der Inspiration”. Das aktuelle Album ,,West-Eastern Impressions” gibt einen imponierenden Einblick in das Schaffen des umtriebigen Musikers, Produzent und Soundengineer. Orientalisches Klänge und Gesangsbeiträge gibt es von Musikern aus Marokko und Algerien. Auch wenn seine musikalische Basis der Sound Jamaika’s war und ist, öffnet er sich hier noch mehr den traditionellen Sounds der verschiedensten Ländern. Indien allen voran. Vielleicht sogar einer der interessantesten Blicke nach Bangladesch seit den Sitar-Beiträgen auf Beatles-LSD-Werken – ohne in Bollywood-Pop-Gewässern zu verpaddeln. Seine Reise nach Uganda zeigt seine frühe Zuneigung für Afrobeat alla Fela Kuti & Africa 70 und auch diese wirkt auf sein neustes Werk ein. Spirituell, experiementell, authentisch und mal eben was ganz anderes.

Peter Hagen (Jazzriots)

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