Lyriker sind im Deutschrap eine ganze Zeit eine ganz seltene Spezies gewesen. Rap mit Tiefe hatte es in den letzten Jahren schwer. An der Oberfläche konnte man sogar zeitweise den Eindruck gewinnen, dass HipHop aus Deutschland eine einzige Erfolgsformel oder Schaffensmodel hat. Egal wie man dazu stehen mag – die starke Präsenz von Aggro Berlin, Bushido und Sido haben den Blick auf die Künstler außerhalb dieses omipräsenten Kosmos etwas getrübt. Rap hat dabei sogar vergessen, dass es nicht um Verkaufszahlen, sondern einzig und allein um Kunst geht. Die Zeiten ändern sich gerade etwas. Kreative, relativ autonome Kräfte wie Materia & die Krauts, Casper oder Prinz Pi erlangen auch ohne großartige, künstlerische Kompromisse ansehendliche Verkaufszahlen. Umtriebige Untergrundaktivisten drängen jedoch nach. Neben den bereits bekannten Künstlern wie Inflabluntahz oder Donato gibt eine ganze Latte an skillz-beladenen Spittern aus deutschen Landen. Beschäftigt man sich mit diesem nachkommenden Aktivisten kommt man am dem Saarländer Drehmoment nicht vorbei. Es ist mehr als erstaunlich was dieser junge Mann an Geschichten präsentiert. Lange hat man keinen Rapper mehr gehört, der es schafft den Hörer so intensiv an die Hand zu nehmen und ihm seine Welt durch seine oft sehr persönlichen und autobiografischen Geschichten zu zeigen, dabei geht es oft tiefsinnig und sehr nachdenklich zu. Hörbar von Eins,Zwo, Nesti, Doppelkopf, Massive Töne oder R.A.G beeinflusst, wird Drehmoment zu eine Reiseführer durch seine Gedankenwelt, die so eindrucksvoll aufgebaut ist, dass man definitiv sagen muss, dass dieser junge Mann, in Zukunft über den Status als lokales Phänomen wahrgenommen wird. Tracks wie „Identität“, „Gut wie es ist“ oder „Don’t cry“ gehören definitv zu jenen kleinen musikalischen Schätzen über die man stolpern sollte, wenn am lyrisch dopen Deutschrap mag, der sich abhebt. Produziert wurde das Album von Kay-B, Konstrovers, Dako, Marian Keitsch, Denise Segschneider, Rabda, Respecta und Chs. Gefeatured werden Kern, Filip G, Denise, Synthesiser, Jonesis, Q-Ass und Robda.
Die CD „Blue Stunde“ gibt es hier: http://www.myspace.com/drehmomentrap
Peter Hagen